Hewlett Packard Enterprise schnappt sich Cray für Milliardensumme

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Hewlett Packard Enterprise (HPE) legt Milliardenofferte für Supercomputerhersteller Cray auf den Tisch. Mit Cray im Rücken will HPE die KI-Welle reiten und das Wachstum ankurbeln. (Foto: Tomasz Wozniak / shutterstock.com)

Wachstum mit Hilfe von Übernahmen ist ein beliebtes Mittel für Firmen, um dem eigenen Wachstum auf die Sprünge zu helfen oder sich neue Märkte zu erschließen. Vor diesem Hintergrund ist auch der gerade gemeldete Milliardendeal zwischen Hewlett Packard Enterprises (HPE) und Cray zu sehen. HPE schluckt Cray, um sich besser in den Trendthemen Künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning und Big Data Analytics aufzustellen.

Mit dem Zukauf soll das Wachstum weiter angekurbelt werden. Den Aktionäre scheint der Deal zu gefallen. Nach einem kurzen Rücksetzer nach Bekanntgabe der Meldung erholte sich der Aktienkurs schnell und notierte zu Wochenbeginn mit leichten Kursgewinnen.

HPE – viereinhalb Jahre in der Eigenständigkeit

Hewlett-Packard Enterprise ist im Jahr 2015 von dem IT-Giganten HP abgespalten worden. Der Konzern bietet Computer-Hardware für Unternehmen sowie Dienstleistungen im Feld der Informationstechnologie an. Die Gesellschaft entwickelt und vertreibt beispielsweise Server, Netzwerktechnologie, Software und Speichersysteme. Dieses Leistungsspektrum wird durch ein breites Angebot an kundenorientierten Dienstleistungen ergänzt.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei HPE Umsätze von 30,85 Milliarden Dollar durch die Bücher. Dabei erzielte der US-Konzern einen Jahresgewinn von 1,9 Milliarden Dollar, was einer Gewinnspanne von 6,18% entspricht.

Deutlich fokussierter als früher

In den vergangenen Jahren hat der Konzern den größten Umbau seiner Firmengeschichte durchlaufen. So wurde der aus der Abspaltung entstandene IT-Serviceanbieter drastisch verkleinert. Es wurden Dienstleistungen für Unternehmen veräußert und Teile des Softwaregeschäfts mit der britischen Firma Micro Focus International verschmolzen. Von den ehemals 350.000 HP-Mitarbeitern beschäftigte HPE heute noch nur 60 000.

Daten sind die neue Währung

Um das Unternehmen endgültig auf die Erfolgspur zu bringen, investiert Firmenboss Antonio Neri Milliardenbeträge in den Bereich Forschung und Entwicklung. Vor allem neue Produkte sollen es den Kunden leichter machen, ihre Informationen und Unternehmensprozesse zu managen. Dabei setzt HPE vor allem auf das sogenannte Edge-Computing. Beim Edge Computing werden Daten dezentral in der Netzwerkperipherie verarbeitet – an dem Ort, wo sie generiert wurden. Die Bedeutung der Technologie steigt mit der Menge an Daten, die durch das Internet der Dinge erzeugt wird.

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HPE legt sich Supercomputer ins Portfolio

Wie eingangs erwähnt spielen aber auch Übernahmen in der Strategie des Marktführers auf dem Server-Markt eine wichtige Rolle. Bereits im Jahr 2016 kaufte HPE mit SGI einen Hersteller von Supercomputern für 275 Millionen Dollar. Jetzt schluckt der Konzern mit Cray einen weiteren Supercomputerhersteller.

Für den Deal muss der Konzern 1,3 Milliarden Dollar oder 35 Dollar pro Aktie und damit einen Aufschlag von über 17% auf den letzten Börsenkurs von Cray auf den Tisch legen. HPE rechnet damit, die Übernahme bis zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020 abzuschließen.

Cray mit zwei Verlustjahren in Folge

Cray wurde 1972 gegründet und ist nach wie vor ein wichtiger Lieferant von Supercomputern für amerikanische Behörden und Forschungseinrichtungen. Damit dürfte der Zukauf das Geschäft von HPE mit diesen Kunden deutlich stärken. Zuletzt erwirtschafte Cray einen Jahresumsatz von 456 Millionen Dollar (+16% zum Vorjahr), verharrte allerdings in der Verlustzone. In den zurückliegenden beiden Jahren summierten sich die Verluste auf immerhin auf 205,5 Millionen Dollar. Auch im ersten Quartal schaffte Cray mit einem Verlust von 29 Millionen Dollar nicht in den Sprung über die Gewinnschwelle.

Allerdings konnte Cray zuletzt einen Großauftrag von dem US-Energieministerium über 600 Millionen Dollar in trockene Tücher bringen, was die zukünftige Geschäftsentwicklung deutlich voranbringen dürfte.

HPE auf dem Weg zum Marktführer

HPE hält den Markt für High-Performance Computing für hochattraktiv und geht davon aus, dass sich das Markvolumen bis auf 35 Milliarden Dollar im Jahr 2021 ausweitet (vs. 28 Mio. Dollar in 2018). Mit Cray im Rücken entsteht laut Unternehmensangaben ein neuer Marktführer im Bereich Supercomputer und Künstliche Intelligenz. Bis sich der Deal allerdings in den Zahlen bemerkbar machen wird, dürfte es noch dauern. Daher werden die Anleger erst einmal das Augenmerk auf die aktuellen Ergebnisse richten, die am Donnerstag präsentiert werden.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.