Hewlett-Packard schnappt sich Supercomputer-Spezialist Cray

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HPE will den Supercomputerbauer Cray für 1,3 Mrd. Dollar schlucken. Die Aktie steigt über Angebotspreis, ein Hinweis darauf, dass einige Investoren nicht mit einem reibungslosen Deal rechnen. (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Kurz vor dem Wochenende platzte die Bombe: Hewlett Packard Enterprises (HPE) übernimmt den Pionier im Supercomputerbereich – die in Seattle ansässige Cray Inc. für stolze 1,3 Mrd. US-Dollar. Nach dem bereits in 2016 getätigten Zukauf der Supercomputing-Firma SGI baut HPE damit seine Position im Zukunftmarkt des High-Performance Computing (HPC) weiter aus.

Aktie steigt über Angebotspreis

HPE zahlt den Cray-Aktionären 35 USD je Aktie in bar. Das entspricht einem Aufschlag von über 17 Prozent auf den Cray-Schlusskurs vom vergangenen Donnerstag. Nach Bekanntgabe des 1,3 Milliarden Übernahme-Deals schnellten die Cray-Papiere an der von 29,81 USD auf 36,52 USD hoch, was einen Kursanstieg von 22,5 Prozentpunkte bedeutete.

Dass die Aktie über den Angebotspreis stieg, ist ein Hinweis darauf, dass einige Investoren auf ein noch besseres Angebot hoffen. Da die Vertragsstrafe für die Dealgröße relativ klein gewählt wurde, könnte es durchaus sein, dass es noch zu einer Konkurrenzofferte kommt. Möglich ist auch, dass Finanzinvestoren sich in Cray einkaufen, um einen höheren Preis zu fordern.

Wachstumsmarkt High-Performance Computing

Supercomputer werden in großen Rechenzentren eingesetzt, um riesige Datenmengen zu bearbeiten bzw. zu analysieren. Dass in dieser großangelegten Datenanalyse ein großes Potential liegt, hat auch Antonio Neri, Präsident und CEO von HPE  erkannt: “Antworten auf einige der dringendsten Herausforderungen unserer Gesellschaft sind in riesigen Datenmengen vergraben.

Nur durch die Verarbeitung und Analyse dieser Daten werden wir in der Lage sein, Antworten auf kritische Herausforderungen in den Bereichen Medizin, Klimawandel, Raumfahrt und mehr zu finden.“

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HPE erwartet, dass der HPC-Markt und die damit verbundenen Speicherkapazitäten sowie  Dienstleistungen in den nächsten drei Jahren von rund 28 Milliarden Dollar im Jahr 2018 auf rund 35 Milliarden Dollar im Jahr 2021 wächst. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 9 Prozent.

Dieses Wachstumspotential war laut HPE-CEO Antonio Neri auch ein Hauptgrund für den Übernahmedeal: „Durch die Kombination unserer erstklassigen Teams und Technologien haben wir die Möglichkeit, die nächste Generation des High-Performance-Computings voranzutreiben und einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsweise der Menschen zu leisten.”

Cray-Supercomputer mehrfach unter den TOP 10 vertreten

Dass HPE sich den Supercomputer-Hersteller Cray einverleibt hat, ist nicht verwunderlich. So sind Cray-Rechner gleich dreimal in den TOP 10 der weltweit größten HPC-Rechenzentren verbaut. Eingesetzt werden die schnellsten Cray-Supercomputer z. B. im Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) in Lugano, dem Los Alamos National Laboratory in New Mexico und den Oak Ridge National Laboratory im US-Bundesstaat Tennessee zu Forschungszwecken in den Bereichen Wettervorhersage, Energieversorgung und Grundlagenforschung.

Cray ist Pionier im Supercomputing

Cray Inc. wurde bereits 1972 unter dem Namen Cray Research durch den Ingenieur und Vater aller Supercomputer Seymour Cray gegründet. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Seattle/Washington und beschäftigt weltweit rund 1.300 Mitarbeiter. Cray Inc. erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 456,47 Millionen US-Dollar, ein Plus von 16,25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Allerdings verzeichnete Cray in den letzten drei Geschäftsjahren  Verluste, was sich allerdings bald ändern kann. Denn erst vor wenigen Wochen gab Cray Inc.  bekannt, dass es vom Oak Ridge National Laboratory bzw. vom US-amerikanischen Energieministerium mit dem Bau des weltweit schnellsten Supercomputersystems beauftragt wurde.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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