Hexen sorgen für Kursturbulenzen + 2 Tipps

Janet Yellen und die US-Notenbank Fed und die Zinsen, Mario Draghi und die Europäische Zentralbank (EZB) und die Zinsen, dazu ein paar Konjunktur-Nachrichten.

Aufgefrischt wird das Ganze durch die Diskussion um das Referendum zum EU-Verbleib oder -Austritt der Britten (Brexit) und das Auf und Ab des Ölpreises.

Legt der DAX 200 Punkte zu lesen Sie von den o. g. Stichworten. Verliert er diese 200 Punkte dann wieder: dieselben Themen.

Man mag es kaum noch hören. Sicher spielt das Ganze eine Rolle. Aber es ist, als trügen viele Kommentatoren Scheuklappen. Die verhindern den Blick auf alles, was links und rechts vom Fokussierten liegt.

Hexen sorgen (auch) für Kursturbulenzen

Ein aktuell besonders wichtiger Kurstreiber der Märkte wird übersehen. Es sind die Hexen. Sie tanzen. Seit Tagen. Auf und ab. Ein wilder Hexentanz. Und sie tanzen noch weiter: bis zum Montag der übernächsten Woche.

Das ist der sogenannte Hexentanz an der Börse

4x im Jahr kommt es an den Börsen zum sogenannten Hexensabbat. Der richtige Ausdruck ist großer oder 3-facher Verfallstag. Das ist jeweils der 3. Freitag im März, Juni, September und Dezember eines jeden Jahres.

Der nächste 3-fache Verfallstag ist also der 17.06.2016; das ist Freitag kommender Woche.

Am Hexensabbat laufen an den Terminbörsen viele Kontrakte aus. An der Eurex sind das beispielsweise Optionen auf den DAX 30 Index und auf Einzelwerte.

Der Hexensabbat fällt an allen wichtigen Börsen dieser Welt auf denselben Tag. Es verfallen also auch Kontrakte auf andere Indizes, wie Dow Jones und auf die Einzelwerte in den USA.

Hintergrund zum großen Verfallstag an der Börse

Käufer von Calls haben das Recht, die Basiswerte (beispielsweise Aktien) zum Basispreis der Calls zu beziehen.

Und Käufer von Puts haben das Recht, die Basiswerte der Puts zum Basispreis zu verkaufen. Das wirkt sich auf den Hexensabbat aus.

Institutionelle Anleger halten typischerweise sehr große Optionen-Positionen. In den Tagen vor dem Verfall am Hexensabbat versuchen institutionelle Anleger oft, Aktien (Basiswerte ihrer Optionen) durch Kauf und Verkauf an der Börse im Kurs zu bewegen.

Am Verfallstag, dem Hexensabbat, sollen dadurch die für sie günstigsten Kurse zur Abrechnung erreicht werden. Mit optimalen Kursen lassen sich Depot-Bilanzen aufpolieren.

Vor dem Hexensabbat sind große Kursbewegungen typisch

Die durch den Hexensabbat begründeten Käufe und Verkäufe führen in den Tagen vor dem Verfallstag oft zu großen Kursbewegungen der Aktien und Indizes. Und so ist es derzeit auch, wie Sie in den letzten Tagen sehen konnten.

Diese Kursturbulenzen sind nicht logisch begründbar. Sie werden deshalb mit dem mystischen Tanz der Hexen auf dem Reisigbesen verglichen. Daher der Name „Hexensabbat“.

Hexensabbat wirkt 1 Tag nach

Über Optionen werden am Hexensabbat große Aktienbestände gekauft und verkauft. Diese werden i. d. R. am nächsten Handelstag an der Börse (montags nach dem Hexensabbat) glattgestellt.

Deshalb ist oft auch der Montag nach dem Hexensabbat noch von den Auswirkungen des Verfallstages betroffen. Das kann nochmals zu erheblichen Kursschwankungen führen.

Diese Woche Freitag ist wieder Hexensabbat – dazu 2 Tipps:

Die eingangs genannten Themen bewegen natürlich die Kurse. Der Hexensabbat kommt aber hinzu. Deshalb meine Empfehlung:

1. Beachten Sie die Kursausschläge nicht

Messen Sie den hohen Kursausschlägen kurz vor und nach dem Hexensabbat keine große Bedeutung bei. Sie sind durch den Hexensabbat begründet und kündigen keinen neuen Trend an.

2. Nutzen Sie Abstauberlimits

Wenn Sie rund um den Hexensabbat Käufe oder Verkäufe von Optionen planen, versuchen Sie diese mit Limits durchzuführen, die deutlich niedriger (beim Kauf von Optionen) oder höher (beim Verkauf von Optionen) als der aktuelle Kurs an der Börse sind.

Mit ein bisschen Glück können Sie zum Schnäppchenpreis kaufen oder zu einem sehr guten Kurs verkaufen.

Zum guten Schluss: Heute vor 140Jahren, also am 08.06.1876, verließ die französische Schriftstellerin George Sand diese Welt. Von ihr stammen die Worte:

„Geduld ist nichts anderes als eine Art Energie.“

Ich weiß, dieses ist die schwerste Energie für die meisten Börsianer. Diese Energie prüft aktuell der DAX. Die im Zitat genannte Energie ist jetzt wieder gefragt, um Erfolg zu haben. Diese Energie wünsche ich Ihnen.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

8. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rainer Heißmann. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt