Hexensabbat: Kurse dieser Woche haben wenig Aussagekraft

„Beachten Sie die Kursbewegungen dieser Woche überhaupt nicht“, empfiehlt unser Börsenexperte Rainer Heißmann. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Diese Woche Freitag ist „Hexensabbat“ beziehungsweise der „große Verfallstag“. Rund um den Hexensabbat kommt es oft zu deutlichen Kursbewegungen. Diese haben aber wenig Aussagekraft.

Deshalb meine Empfehlung: Messen Sie möglichen hohen Kursausschlägen vor dem Hexensabbat keine große Bedeutung bei. Sie sind durch den Hexensabbat begründet und kündigen keinen neuen Trend an.

4-mal im Jahr ist Hexensabbat …

… und zwar jeweils am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. Diese Woche Freitag ist es wieder soweit.

An diesen Terminen, dem großen Verfallstag, laufen an den Terminbörsen Kontrakte (Optionen und Futures) aus. An der Eurex sind das beispielsweise Optionen und Futures auf die Indizes DAX, TecDAX und EuroStoxx sowie Optionen auf Aktien.

Der Hexensabbat fällt auch an anderen Börsen auf denselben Tag. In den USA Kontrakte verfallen entsprechend Optionen und Futures auf die Indizes Dow Jones, Nasdaq, S&P500 und auf Aktien.

Hexensabbat: Kurse werden oft „passend gemacht“

Anleger mit großen Depots, typischerweise Banken und Hedgefonds, halten meist auch sehr große Optionen- und Futures-Positionen. Damit haben diese Anleger Rechte oder Pflichten bei bestimmten Kursnotierungen am Verfallstag.

Vor dem Verfall versuchen diese Anleger oft, Aktien oder Indizes, auf die sie Optionen oder Futures halten, durch Kauf und Verkauf an der Börse im Kurs zu bewegen. Sie wollen damit am Verfallstag günstige Kurse für ihre betroffenen Positionen erreichen.

Hexensabbat führt oft zu erhöhter Volatilität

Viele Umsätze in den Tagen vor dem Hexensabbat sind damit durch den Verfall der Optionen und Futures begründet.

Diese Trades führen nicht selten zu deutlichen Kursbewegungen der Basiswerte (Aktien und Indizes). Dieses scheinbar unerklärliche Auf und AB der Kurse wird mit dem „Tanz der Hexe auf dem Besen“ verglichen. Daher der Name: „Hexensabbat“.

Hexensabbat: Auch noch am Montag danach

Freitag dieser Woche ist wieder der große Verfallstag. Viele der betreffenden Optionen werden ausgeübt.

Das heißt, es wird das Recht auf Kauf (Call-Optionen) oder Verkauf (Put-Optionen) der Basiswerte wahrgenommen. Somit werden große Aktienbestände ge- und verkauft.

Diese Positionen werden oft am ersten Handelstag nach dem großen Verfallstag, also montags, glattgestellt.

Optionen-Handel – Leicht gemacht: So starten Sie ganz einfachHandeln Sie mit Optionen? – Prima! Sie können diesen Kommentar querlesen. Vielleicht gibt es ja auch für Sie die eine oder andere interessante Information. Sie handeln noch nicht mit Optionen;… › mehr lesen

Aus diesem Grund kommt es oft auch am Montag danach noch zu spürbaren Kursbewegungen, die nicht durch aktuelle Unternehmensnachrichten oder fundamental zu begründen sind.

Normalisierung nach dem Hexensabbat

Wenn alle Positionen ein- und ausgebucht beziehungsweise glattgestellt sind, notieren die Indizes und Aktien nicht selten wieder auf dem Niveau von etlichen Tagen vor dem Hexensabbat.

Erst dann zeigt sich, ob die Märkte in dieser Zeit wirklich eine nachhaltige Bewegung vollzogen haben, die einen Trend einleitet oder fortsetzt.

2 Empfehlungen zum Hexensabbat dieser Woche:

1. Wie schon vorne geschrieben: Messen Sie möglichen hohen Kursausschlägen vor dem Hexensabbat keine große Bedeutung bei. Sie sind durch den Hexensabbat begründet und kündigen keinen neuen Trend an.

2. Wenn Sie vor dem Hexensabbat Käufe oder Verkäufe von Optionen planen, versuchen Sie diese mit Limits durchzuführen, die deutlich niedriger (beim Kauf von Optionen) oder höher (beim Verkauf von Optionen) als der aktuelle Kurs an der Börse liegen (Abstauberlimits).

Ein durch die „Hexen“ ausgelöster Kurssprung in die „richtige“ Richtung kann zu einem günstigen Kurs für Kauf oder Verkauf führen. Ein versuch ist es wert.

Zum guten Schluss: Am 18.06.1915, also heute vor 98 Jahren, kam Red Adair, der US-amerikanische Feuerwehrmann und Spezialist für brennende Ölquellen, zur Welt. Er sagte von sich selbst, er habe eine

„Erfolgsliste, die bei 100% liege“.

Das werden Sie an der Börse nie erreichen. Aber es ist ein gutes Ziel für jeden neuen Trade. Ich bemühe mich, Ihnen zu helfen, dass Sie diesem Ziel nahe kommen. In der Hoffnung, dass mir das gelingt, sende ich Ihnen sommerliche Grüße

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.