High Frequency Trading – Definition

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Niemand benötigt den Handel an der Börse in Bruchteilen von Sekunden. Aber dieser sogenannte Hochgeschwindigkeitshandel (High Frequency Trad (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Märkte unterliegen ständiger Wandlung. Das ist grundsätzlich gut und richtig so.

Denn wer kann sich heute noch vorstellen, wie in den 80-er oder 90-er Jahren zu handeln.

Den Auftrag an die Bank gab es per Telefon oder per Post. Die Bestätigung über Kauf oder Verkauf folgte ebenfalls per Post. Ohne Internet ist der Börsenhandel nicht mehr vorstellbar.

Jetzt vollzieht sich aber eine dramatische und ungute Wandlung.

Maschinen beherrschen das Geschehen. Wenn diese einmal programmiert und auf die Menschheit, sprich Börsen, „losgelassen“ sind, hat der Mensch keinen Einfluss mehr auf das Geschehen.

High Frequency Trading (auf Deutsch: Hochgeschwindigkeitshandel), heißt der Trend, den millionenschwere professionelle Investoren betreiben.

High Frequency Trading – Definition

Unter High Frequency Trading versteht man automatisierten Handel von Wertpapieren durch Computerprogramme. Diese kaufen und verkaufen Wertpapiere in Bruchteilen von Sekunden  und setzen dabei Milliarden um.

Sie nutzen dabei die Preisdifferenz eines Wertpapiers an zwei Börsen aus, der bei einem zehntel Cent oder weit niedriger liegen kann. Kauf und Verkauf haben eine Zeitdifferenz, die bei hundertstel Sekunden und viel weniger liegt.

Das, millionenfach gemacht, sorgt für Gewinne. Der Nutzen für den „Rest der Welt“ liegt exakt bei null. Das Risiko tragen wir aber alle.

High Frequency Trading – Die Gefahr

Die große Gefahr ist, dass diese Maschinen so schnell handeln (es geht dabei auch um Millionstelsekunden), dass der Mensch nicht mehr eingreifen kann.

Und genau dadurch kann sich an der Börse ein verhängnisvoller Dominoeffekt ergeben. Wenn die Kurse einmal fallen, fallen Sie immer schneller, weil immer mehr Maschinen automatisiert Papiere verkaufen.

Das geht so unvorstellbar schnell, dass der Mensch noch nichtmals begriffen hat, was da passiert, wenn es schon längst vorbei ist. So ist es durchaus möglich, dass der Kurssturz von über 1.000 Punkten im Dow Jones am 06.05.2010 genau durch das High Frequency Trading ausgelöst wurde.

Selbst wenn das nicht der Grund war, zeigt es die Gefahren auf. Denn das High Frequency Trading hat diesen Kurssturz zumindest gefördert.

Die Märkte sind kurzzeitig völlig außer Kontrolle geraten. Das kann sich täglich wiederholen.

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Die Dramatik zeigt sich daran, dass das High Frequency Trading in Deutschland seit dem Jahr 2005 von 1% auf 38% des gesamten Aktienhandels hochgeschnellt ist. Und in den USA liegt der Prozentsatz im Jahr 2009 bei 61%.

Also mehr als 60% des gesamten Aktienhandels wird in den USA durch diese Maschinen bestimmt (Quelle, Der Spiegel).

High Frequency Trading – Die Lösung wird nicht gewollt

Die Lösung wäre einfach. Es könnte festgelegt werden, dass es nur alle 5 Minuten einen Kurs zu einem Wertpapier gibt. Was würde sich ändern?

Die Aktiengesellschaften benötigen sicher keinen Kurs mehrfach pro Sekunde. Aber lassen Sie uns einen Kurs in jede Minute runter gehen.

Der Effekt wäre positiv: Die Maschinen mit ihrem High Frequency Trading wären wertlos. Und der „normale“ Börsianer, vom Einsteiger mit 1.000 Euro bis hin zu Warren Buffett mit mehreren Milliarden USD, hätte keine Veränderung, außer einer: Sein Kapital wäre sicherer.

Die oft genannte Liquidität, die die Daytrader zur Verfügung stellen, wäre bei einem Kurs jede Minute auch vorhanden. Und selbst wenn wir die Kursfrequenz auf alle 10 Sekunden runterschrauben würden, wäre das o.k. Allein, es ist nicht gewollt.

Die Gewinner des High Frequency Trading, das sind die, die Millionen in diese Maschinen (Computer und Computerprogramme) investieren und Milliarden gewinnen, die haben die Politik so fein im Griff, dass es nur wenig Änderungen gibt.

Immerhin denkt die US-Börsenaufsicht darüber nach, Kurse von Aktien auszusetzen, wenn die in kürzester Zeit um 10% oder mehr abstürzen.

Sie müssen und können Ihre Investitionen schützen

Vor diesem Hintergrund müssen (ja müssen!) Sie Ihre Investitionen an der Börse schützen. Sie können es auch.

Es ist ganz einfach.

Halten Sie einfach zu jeder Zeit, und ich meine in jeder Sekunde, Put Optionen im Depot. Geraten die Märkte dann außer Kontrolle ist Ihr Kapital (in Aktien oder Call Optionen) geschützt.

Und kommt es durch das High Frequency Trading zum Crash, dann erzielen Sie sogar Gewinne.


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Rainer Heißmann
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Mit Heißmanns Börsenkommentar bringt er wochentäglich die Börse auf den Punkt. Seine Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie jedem verständlich und nachvollziehbar werden.