Hillary Clinton war es nicht!

Aktien aus der Biotechnologie-Branche gehörten gestern an der Wall Street zu den großen Verlierern: Der Sektoren-Index, der Dow Jones US-Biotechnology, verlor -5,2%.

Nicht ganz so heftig fielen die Abschläge im Bereich der Pharma-Aktien aus: Das Minus von -3,6% lag aber immerhin über den Tagesverlusten bei den Technologie-Titeln.

Nach Ansicht der Börsenmedien war es die demokratische Präsidentschafts-Kandidatin Hillary Clinton, die Mitte vergangener Woche den Kursrutsch bei den Biotech- und Pharma-Werten ausgelöst haben soll.

Das ist natürlich blanker Unsinn, wie Sie gleich noch sehen werden:

Hillary Clinton will für preiswertere Arzneien sorgen

Mrs. Clinton hatte angekündigt, im Falle Ihrer Wahl zum Nachfolger von Barack Obama, die häufig extrem hohen Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel drastisch zu senken.

Das hätte zweifellos Folgen für die Gewinnmargen der gutverdienenden US-Biotech- und Pharma-Branche: Die größten Unternehmen dieser Sektoren verdienen zusammen zwischen 80 und 90 Mrd. USD pro Jahr.

Hohe Arzneikosten treffen beinahe alle Amerikaner

Verschreibungspflichtige Medikamente sind ein Thema, das nahezu jeden amerikanischen Haushalt betrifft: Laut Schätzungen benötigen rund die Hälfte aller Amerikaner und etwa 90% aller Senioren verschreibungspflichtige Arzneien.

Ein US-Rentner muss dafür pro Jahr zirka 500 US-Dollar aus eigener Tasche aufwenden. Amerikanische Bürger mit chronischen oder schweren Erkrankungen sind noch übler dran: Hier beziffern sich die Kosten schnell auf tausende von US-Dollars im Jahr.

Jeder 4. dieser besonders betroffenen Patienten kann die finanzielle Belastung aus diesen Kosten für nicht selten lebensnotwendige oder lebensverlängernde Medikamente nicht tragen.

Kein Wunder, dass Hillary Clinton mit ihren Plänen einen Nerv bei den amerikanischen Wählern getroffen hat. Daraus indes einen Zusammenhang mit den heftigen Kursrückgängen zu knüpfen, ist weit hergeholt.

Kursrückgang war bereits eingeleitet

Es ist wie immer: Nicht die Nachrichten machen die Kurse, sondern die Kurse generieren die Nachrichten. Die nachfolgende Grafik macht dies schnell deutlich:

dj us biotechnology index-29-09-2015

DJ US Biotechnology Index: Aufwärtstrend schon im August gebrochen

Sie sehen den Monats-Chart des Dow Jones US-Biotechnology Index: Ein Balken zeigt hier die Kursentwicklung eines Monats.

Gut zu erkennen: Der seit dem Jahr 2011 bestehende Aufwärtstrend wurde nicht in diesem Monat beendet. Der Branchen-Index durchbrach bereits im August seine langjährige Aufwärtstendenz (blauer Kreis).

Divergenz kündigte Trend-Bruch frühzeitig an

Dieser Trend-Bruch kündigte sich indes schon seit Ende des vergangenen Jahres an, wie Ihnen der Relative Stärke Index RSI zeigt:

Während der Sektor-Index immer neue Rekordhöhen erklomm, markierte der Indikator tiefere Tops (pinkfarbene Linien).

In der Charttechnik wird dies als Divergenz (Abweichung) bezeichnet: Die Stärke im Index wird vom Indikator nicht bestätigt.

Das Dumme an Divergenzen ist: Sie lassen keine präzisen Voraussagen bzgl. des Zeitpunktes eines Trend-Wechsels zu. Sie warnen mithin „nur“ davor, DASS jederzeit ein solches Ereignis eintreten kann.

Langfristiger Trend-Bruch im RSI noch mit Vorsicht zu genießen

Wie Sie an der blau gestrichelten Linie ablesen können, ist in diesen Tagen ein seit 2005 bestehender Aufwärtstrend im RSI durchbrochen worden (gelber Kreis).

Dieses Signal muss allerdings „noch“ mit Vorsicht genossen werden: Denn der Monat September endet erst morgen. Entsprechend ist der aktuell zu sehende Durchbruch noch nicht endgültig.

Fazit

Gleichwohl spricht derzeit viel für eine Fortsetzung der begonnenen Abwärtsbewegung: Mit dem gestrigen Kursrückschlag wurde das Augusttief unterboten.

Weiterhin: Während des extrem langen Aufwärtstrends seit 2011 hat sich der Branchenindex etwas mehr als verviereinhalbfacht!

Aus Sicht der Charttechnik wäre daher eine Korrektur von 50% der Aufwärtsbewegung ein völlig normaler Vorgang.

Das würde ein Kursziel von rund 1.340 Punkten bedeuten. Somit hätte der Biotech-Index noch weiteres Abwärtspotenzial von knapp -20%.

Es sollte sich daher lohnen, mit Einstiegen in US-Biotech-Unternehmen noch etwas abzuwarten.

29. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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