Hochdorf unterzieht sich einer radikalen Schrumpfkur

Übernahme Symbolbild Puzzlestücke_shutterstock_701748778_NicoEINino

Auch wenn in der Schweiz die Uhren bekanntlich anders laufen, scheint es für Hochdorf langsam eng zu werden. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die 1895 gegründete Hochdorf Holding verfolgt im Prinzip ein grundsolides Geschäft: Mit knapp 700 Mitarbeitern werden drei Milchwerke in der Schweiz und in Deutschland betrieben, wo neben Milche auch hochwertige Babynahrung hergestellt werden. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen ein Cerealienwerk, eine Ölmühle sowie ein Frucht- und Gemüse-Trocknungswerk. Ein Geschäftsmodell, das seinen Charme aus seiner Langeweile bezieht.

Kraftprobe mit Hauptaktionär

Doch schon auf der Hauptversammlung des Milchproduzenten im vergangenen April kam es zu einer echten Kraftprobe. Mit Blick auf den Aktienchart, aus dem deutlich wird, dass die Aktie vor eineinhalb Jahren noch bei weit über 300 Schweizer Franken notierte und inzwischen zu Kursen von gerade einmal 85 Franken gehandelt wird, wurde unter der Führung des Hauptaktionärs, der Genossenschaft der Zentralschweizer Milchproduzenten, dem Verwaltungsrat die Entlastung verweigert. Kurzerhand wurde das Gremium mit Vertretern der eigenen Wahl besetzt.

Viel besser wurde es seitdem allerdings nicht. Was daran liegt, dass auch unter einem neuen Management für Hochdorf kaum Manövriermasse bleibt: Zu tief steckt das Unternehmen nach den zum Teil misslungenen Investitionen und Übernahmen des vormaligen Firmenchefs Eisenring in der Bredouille. Was sich auch in der Unternehmenskommunikation niederschlägt: Wurde im Mai noch ein „deutlich schlechteres“ Halbjahresergebnis in Aussicht gestellt, ist nun von einer „massiv schlechteren“ Ertragslage die Rede.

Radikale Schrumpfkur

Vermutlich bleibt dem Nahrungsmittelkonzern gar keine andere Wahl mehr, als sich von genau den Firmenteilen und Beteiligungen wieder zu trennen, die in den vergangenen Jahren erst übernommen wurde. Ob dies jedoch zur Bilanzsanierung ausreicht, ist fraglich. Der Spielraum für externe Kapitalmaßnahmen jedenfalls, sowohl auf der Eigen- wie auf der Fremdkapitalseite, ist angesichts der massive Kurseinbußen der letzten beiden Jahre: überschaubar.

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Der richtige Fokus

Bleiben nur noch Beteiligungsverkäufe. An vorderster Front steht dabei die Beteiligung an Pharmalys, einem internationalen Vermarkter von Babynahrung. 2016 hatte Hochdorf für eine 51%igen Anteil an Pharmalys einen Kaufpreis von 248 Millionen Franken bezahlt. Gerechtfertigt wurde diese exorbitante Summe damit, dass die Übernahme es Hochdorf ermöglichen solle, stärker am internationalen Geschäft zu partizipieren.

Insbesondere an den Schwellenländern war Hochdorf interessiert, Ländern also, wo die Versorgung mit sauberer Babymilch nach wie vor nicht gewährleistet ist. Doch dieser Plan ist offenkundig gescheitert, und nun wird Verkauf von Pharmalys in Erwägung gezogen.

Dass dabei Buchverluste entstehen werden, dürfte unausweichlich zu sein. So dass es aufs Gesamtjahr nicht bei der „massiven Verschlechterung“ bleiben werde. Fraglich ist nur noch, mit welchem Verbalkonstruktionen der Vorstand dann die Aktionäre überrascht. Bis dahin ist Kreativität gefragt. Solange keine Klarheit herrscht, dürfte die Talfahrt der Aktie anhalten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.