Hochfrequenzhandel: Der Irrsinn nimmt seinen Lauf

Vom Wettrüsten habe ich in einem meiner früheren Kommentare geschrieben, als es um den Hochfrequenzhandel (HFT) ging.

Und an anderer Stelle habe ich zum Thema Hochfrequenzhandel gefordert: Dieses gefährlich Gezocke muss weg!

In der Internetausgabe der britischen Tageszeitung „The Telegraph“ gab es einen Bericht, der aus technischer Sicht hochspannend, aus Sicht des eingangs genannten Wettrüstens im Hochfrequenzhandel aber sehr bedenklich ist.

Mehr zum Thema: So funktioniert der Hochfrequenzhandel an der Börse

Beschreibung des Hochfrequenzhandels

Unter Hochfrequenzhandels (HFT) versteht man automatisierten Handel von Wertpapieren durch Computerprogramme. Diese kaufen und verkaufen Wertpapiere in Bruchteilen von Sekunden und setzen dabei Milliarden um.

Auf die Sinnlosigkeit, den Irrsinn und die Gefährlichkeit habe ich schon öfter aufmerksam gemacht. Das können Sie hier nachlesen:

Hochfrequenzhandel: Dieses gefährliche Gezocke muss weg“

DAX minus 32% / Dow Jones minus 15% – Ursachenforschung“.

DAX: Millisekunden entscheiden“

Aber das Rad dreht sich immer schneller.

300 Mio. US-$ für 6 Millisekunden

„The Telegraph“ titelte in seinem technisch ausgerichteten Bericht mit: „The $300m cable that will save traders milliseconds.“ Auf Deutsch: das 300 Mio. US-$ teure Kabel, dass Tradern weitere Millisekunden Vorteil bringen wird.

In dem Bericht geht es darum, dass zwischen London und New York ein 6.021 km langes Transatlantikkabel verlegt wird. Das ist die von Ingenieuren berechnete kürzestmögliche Verbindung zwischen den Börsenplätzen von London und New York.

Der Irrsinn: Das in den 90er-Jahren verlegte Kabel überträgt die Daten zwischen diesen beiden Finanzplätzen in 65 Millisekunden.

Das neue Transatlantikkabel verkürzt diese Zeit auf 59 Millisekunden, ist also um 6 Millisekunden (6 Tausendstel Sekunden) schneller.

1 Millisekunde schneller bringt 100 Mio. Gewinn pro Jahr

Die Rechnung, die der Auftraggeber und die das Transatlantikkabel verlegende Firmen aufmachen: Pro schnellere Millisekunde bringt das entsprechend großen Anlegern rund 100 Mio. US-$ mehr Gewinn im Jahr.

„Vorteile“ nur für Hedgefonds und Investmentbanken

Dass beim Handel mit Geschwindigkeiten, die in Tausendstel Sekunden gemessen werden, kein Mensch mehr eingreifen kann, ist völlig klar.

Also geht es bei diesem Aufrüsten einzig und allein um den Hochfrequenzhandel, betrieben von großen Hedgefonds und Investmentbanken.

Diese Branchen, die mit dazu beigetragen haben, dass das weltweite Finanzwesen fast kollabiert wäre, rüsten also weiter auf.

Weltwirtschaftsforum Davos: Man wird doch mal träumen dürfen

Derzeit tagen die „Reichen und Mächtigen“ beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Es wäre dort möglich, die Weichen zu stellen, diesen Irrsinn, der volkswirtschaftlich schädlich ist, zu unterbinden.

Die einfach Lösung: An der Börse wird z. B. jede Minute nur ein Kurs gestellt. Von mir aus wird auch jede Sekunde ein Kurs gestellt. Für die Aktiengesellschaften würde sich nichts, aber auch gar nichts ändern.

Dasselbe gilt für den lang-, mittel- oder kurzfristig orientierten Anleger, selbst für den Daytrader. Nun, es wird nicht geschehen.

Ich gehe davon aus, dass es nichtmals thematisiert wird. Es hindert mich nicht, diesen irrsinnigen Wahnsinn immer wieder zu kritisieren.

Zum guten Schluss: Am 26.01.1715 (andere Quellen sagen 26.02.1715), also heute vor 297 Jahren, kam der französische Philosoph Claude Adrien Helvétius zur Welt. Er sagte:

„Wahrheit ist eine Fackel, die durch den Nebel leuchtet, ohne ihn zu vertreiben.“

Ich bemühe mich, dass hier die „Fackel für die Börse und das Wirtschaftsgeschehen“ so oft wie möglich im Sinne der Worte von Claude Adrien Helvétius leuchtet. In der Hoffnung, dass es gelingt, sende ich Ihnen beste Grüße.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

26. Januar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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