Hörgeräte: Boom-Branche mit Gewinn-Garantie

„Wie bitte?“ – Mit dieser Frage fängt oft alles an.

Rund 15 Mio. Menschen gelten hierzulande als schwerhörig. Rund 500.000 Hörhilfen werden in Deutschland jedes Jahr angepasst. Bis 2020 soll diese Zahl jährlich um 4,5% zulegen.

Einzelnen Nischen, wie etwa Cochlea-Implantaten oder mit Funktechnik ausgestattete Hörgeräte, traue ich auch ein Wachstum von 10 – 15% pro Jahr zu.

Für Sonova ist das ein lohnendes Geschäft.

Sonova: Umsatz-Anstieg um 15,6%

Im Geschäftsjahr 2016, das am 31.3. endete, steigerte Sonova den Umsatz um 15,6% in SFr bzw. um 15,3% in Lokal-Währungen auf 2,39 Mrd. SFr.

Dabei betrug das organische Wachstum 4,3%. Sowohl das Hörgeräte-Segment als auch das Segment Cochlea-Implantate trugen zum Anstieg bei.

Entsprechend ihrer Strategie führte Sonova ausgewählte Übernahmen innerhalb ihres Hörgeräte-Segments durch.

Insgesamt trugen Akquisitionen von 244,6 Mio. SFr bzw. 11,8% zum Umsatz bei, v. a. die Akquisition von AudioNova im September 2016.

Alle wichtigen Regionen legen zu

Alle wichtigen Regionen überzeugten mit solidem Wachstum, insbesondere die für Sonova wichtige Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika), die 48% des Konzern-Umsatzes ausmacht.

In den USA stieg der Umsatz in Lokal-Währung um 1% und machte 33% des Konzern-Umsatzes aus.

Das Cochlea-Implantate-Geschäft entwickelte sich sehr gut. Im Hörgeräte-Segment profitierte v. a. die Marke Phonak von der erfolgreichen Einführung neuer Produkte.

Gewinn steigt um 9,2%

Der Brutto-Gewinn stieg um 20,1% auf 1,65 Mrd. SFr, und die Brutto-Marge verbesserte sich von 66,4 auf 68,9%.

Sie profitierte von der AudioNova-Akquisition und dem dadurch gestiegenen Anteil des Einzelhandels-Geschäfts, das eine höhere Brutto-Marge aufweist.

Trotz akquisitionsbedingter Zusatz-Kosten, Investitionen in neue Projekte und höheren Aufwendungen für Vertrieb und Marketing steigerte Sonova das operative Ergebnis (EBITA) um 7,9% auf 463 Mio. SFr.

Unterm Strich stand ein bereinigter Gewinn je Aktie von 5,58 SFr – ein Plus von 9,2%.

Hohes Innovations-Tempo

Die hohe Bedeutung von Forschung und Entwicklung zeigte sich eindrucksvoll im Wachstums-Beitrag der neuen Produkte:

Sonova erwirtschaftete einen Anteil von 80% des Gesamt-Umsatzes mit Hörgeräten, die vor weniger als 2 Jahren auf den Markt gebracht worden sind.

Damit konnte man den technologischen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern ausbauen.

Das hohe Innovations-Tempo erfordert allerdings hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E). Dafür gab Sonova 137,1 Mio. SFr bzw. 5,7% des Umsatzes aus.

Weltweites Vertriebsnetz sorgt für Wachstum

Sonova erweitert die globalen Verkaufs- und Vertriebs-Strukturen laufend, passt sie den lokalen Bedürfnissen an und baut dadurch eine starke Kundenbindung auf allen Vertriebs-Stufen auf.

Entsprechend wichtig ist eine Vertriebs-Mannschaft, die den Service-Gedanken lebt und konsequent umsetzt.

Über ein weltweites Vertriebsnetz sind Phonak und Unitron Hearing Produkte an allen wichtigen Verkaufspunkten präsent.

Der Großhandel wird über die eigenen Gruppen-Gesellschaften und unabhängige Distributoren abgewickelt.

Zusätzlich unterstützt eine repräsentative Anzahl von Vertriebs-Partnern das Unternehmen beim Einzelhandel.

Monopolartige Stellung

Sonova erfüllt 7 von 8 allgemeinen Qualitäts-Kriterien; von den messbaren Qualitäts-Kriterien zeigt das Gewinn-Wachstum einen unsteten Verlauf.

Die Brutto-Marge von knapp 70% deutet auf eine monopolartige Stellung hin. Insgesamt ergibt sich fundamental ein stimmiges Bild.

Unter Berücksichtigung konservativer Wachstumsraten habe ich einen fairen Wert von 247 SFr errechnet, der einer Sicherheits-Marge von 53% entspricht.

Mit meiner Berechnung komme ich auf eine durchschnittliche jährliche Kursrendite von 14%.

Zusammen mit der Dividendenrendite rechne ich mit einer langfristigen Gesamtrendite bis zu 16% jährlich.

Das Potenzial des Hörgeräte-Marktes ist groß

Zu den wichtigsten Wachstumstreibern gehören demografische Entwicklungen wie die Baby-Boomer-Jahrgänge sowie die steigende Lebenserwartung.

Dazu kommt das starke Wachstum in den aufstrebenden Märkten.

Sonova produziert und vertreibt keine Luxus-, sondern Medizintechnik-Produkte, die einen klaren Mehrwert generieren.

Deshalb ist die Hörgeräte-Branche auch vergleichsweise unabhängig von konjunkturellen Schwankungen.

20. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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