Hoffnung auf Lockerungen der Shutdowns treibt die Kurse

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Die Hoffnung auf eine Lockerung der Shutdowns gab den Anlegern Hoffnung - auch die Quartalszahlen waren teils besser als befürchtet. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Schutz des Lebens ist wichtig. Schutz derer, die überleben, ist es auch. Der Spagat zwischen Corona-Bekämpfung und Erhaltung einer funktionskräftigen Wirtschaft bewegt Gesellschaft und Börse. Die Hoffnung auf eine Lockerung der Shutdowns gab den Anlegern weltweit zum Wochenauftakt Hoffnung. Hinzu kamen auch Quartalszahlen von Unternehmen, die nach dem zurückliegenden Vierteljahr besser dastehen, als zuvor befürchtet.

Doch in dieser Zeit wird jeden Tag eine neue Rechnung aufgemacht. Und dieser Tag bringt zunächst eine Sorge zurück in die Anleger-Wahrnehmung: Ein weiter fallender Ölpreis erinnert an den Wirtschaftseinbruch wegen der Pandemiebekämpfung. Selbst wenn die Infektionszahlen zurückgehen, die Rezession hat gerade erst begonnen.

Neuer Ölpreisfall bremst asiatische Börsen – HSBC im Blick

Die Aktien in Asien bewegten sich kaum am Morgen, da die Ölpreise weiter nachgaben. Über Nacht waren diese regelrecht eingebrochen, weil es mittlerweile eng wird mit den weltweiten Lagerkapazitäten, die Nachfrage aufgrund der Coronavirus-Pandemie aber unverändert schwach ist.

In Hongkong legte der Hang-Seng-Index um 0,1% zu. Hier zogen die Geschäftszahlen von HSBC. Die Bank meldete inzwischen zwar einen Einbruch des Vorsteuergewinns auf etwa die Hälfte des Werts vor einem Jahr. Anleger hatten aber noch dramatischere Zahlen erwartet.

Aktien an den chinesischen Festlandsbörsen gaben zu Beginn des Handels nach, wobei die Indizes in Shanghai und Shenzhen um 0,2% bzw. 0,626% nachgaben.

In Japan verlor der Nikkei 225 um 0,36%, dabei hatte die japanische Notenbank gestern Stützungsmaßnahmen ungekannten Ausmaßes beschlossen. Sie wird künftig unbegrenzt Staats- und Unternehmensanleihen kaufen, um Liquidität in die Wirtschaft zu spülen. Da andere Notenbanken ähnlich agieren, hatten die Börsen diese Entscheidung schon erwartet.

Unverändert dagegen der südkoreanische Kospi. Die wichtigsten Aktien in Australien stiegen derweil im Schnitt um 0,18%.

New Yorker Börsen hoffen auf Öffnung der Unternehmen

Zuvor hatte die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität den Börsen in New York Auftrieb gegeben. Bereits am 15. Mai sollten die Unternehmen – unter strengen Gesundheitsauflagen – wieder aufmachen dürfen, hatte der Gouverneur von New York gestern verkündet. Bemerkenswert für Börsianer deshalb, weil gerade dieser Bundesstaat zuletzt mit am heftigsten von der Pandemie betroffen war.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial baute die Gewinne im Verlauf des gestrigen Handels immer mehr aus und schloss 1,51 Prozent höher auf 24.133,78 Punkten. Der marktbreite S&P 500 stieg um 1,47 Prozent auf 2.878,48 Zähler, während der Nasdaq 100 um 0,58 Prozent auf 8.837,66 Punkte weniger stark zulegte.

Tagesgewinner: Tesla und die Banken

Unter den Einzelwerten machten Tesla-Aktien mit einem Plus von gut 10 Prozent auf sich aufmerksam. Sie stiegen auf den höchsten Stand seit Anfang März. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, der Hersteller von Elektrofahrzeugen erwäge erste Schritte für eine Wiederaufnahme der Produktion in Kalifornien.

Gesucht waren ferner die Aktien von Banken. Die Kursgewinne von JPMorgan , Morgan Stanley, Citigroup, Goldman Sachs und Bank of America reichten von 3,5 bis zu 8 Prozent.

Facebook will das rasante Wachstum bei Videochats in der Corona-Krise nicht dem Aufsteiger Zoom überlassen und kontert mit einem eigenen Angebot. Das konnte Anleger jedoch nicht begeistern, die Facebook-Aktie gab um 1,4 Prozent nach. Sie war seit Mitte März allerdings auch stark gestiegen.

Quartalszahlen von Deutscher Bank, Bayer und Conti lassen Börsenwoche erfreulich starten

Der Dax ist am Montag mit kräftigen Gewinnen in die verkürzte Handelswoche gestartet. Für Freude sorgten zunächst Quartalszahlen der Deutschen Bank sowie vom Schwergewicht Bayer . Kurz vor Handelsschluss kam noch der Autozulieferer Continental mit seinem aktualisierten vorläufigen Geschäftsbericht hinzu.

Der deutsche Leitindex schloss mit plus 3,13 Prozent auf 10.659,99 Punkten auf Tageshoch. Für den MDax , in dem sich überwiegend mittelgroße Werte befinden, ging es um 1,54 Prozent auf 22.584,22 Punkte hoch.

Die Anteilscheine der Deutschen Bank legten mit 12,7 Prozent besonders kräftig zu. Analysten lobten unisono insbesondere die überraschend besser als erwartet ausgefallenen Erträge im ersten Quartal. Im Kielwasser dessen zogen die Anteilscheine des Wettbewerbers Commerzbank im MDax um knapp 6 Prozent an.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer trotzte der Corona-Krise im abgelaufenen Quartal dank einer hohen Nachfrage im Agrargeschäft sowie nach dem Gerinnungshemmer Xarelto. Dass er die Erwartungen ebenfalls übertraf, honorierten Anleger mit Käufen. Die Aktie gewann 5,8 Prozent.

Die Anteile von Continental gingen mit plus 6 Prozent aus dem Tag, nachdem der Autozulieferer seine bereits veröffentlichten vorläufigen Zahlen nochmals aktualisierte. Dabei wurde von Händlern vor allem die operative Profitabilität gelobt, die dank des Reifengeschäfts noch etwas besser ausfiel als zuvor angekündigt.

RIB Software fliegt aus wichtigen Indizes – Stratec und Draegerwerk rücken nach

Unterdessen gab es in den Indizes der kleineren Werte ein Stühlerücken. Infolge der Übernahme von RIB Software durch Schneider Electric fällt der Streubesitz von RIB Software SE unter 10 Prozent. Somit nimmt die Deutsche Börse deren Aktien aus dem SDAX- und aus dem TecDAX-Index. Nachrücker sind im SDAX die Stratec SE und im TecDAX die Lübecker Draegerwerk.

Hier dürfte es heute denn auch zu kleineren Kursverschiebungen kommen. Ansonsten hält Bayer heute als erstes deutsches Unternehmen seine Hauptversammlung als reine Online-Veranstaltung ohne Präsenz der Aktionäre ab. Der Pharmakonzern will eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 2,80 Euro je Aktie ausschütten.

Weiter Zahlenflut bestimmt den Tag – DAX kaum verändert erwartet

Ansonsten steigt die Zahlenflut. Vor Börseneröffnung warnte die UBS bereits vor Kreditausfällen wegen der Corona-Krise. Im zurückliegenden Quartal sah die Welt der Schweizer aber noch gut aus, da erzielte die UBS ein Plus beim Nettoerlös von 40%. BP spürt dagegen schon die Auswirkungen des Ölpreissturzes: Da brach der Gewinn nach Steuern um 67% ein. Weitere Geschäftszahlen kommen heute unter anderem von Delivery Hero, Kion, Siltronic, ABB, Novartis, 3M, Alphabet, AMD, Caterpillar, Ecolab, Ford, Merck & Co., PepsiCo, Pfizer, Starbucks und UPS.

Beobachter warten erst einmal ab. Der DAX wird zu Handelsauftakt kaum verändert bei 10.677 Punkten erwartet.

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Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.