Hohe Dividenden: Das Privileg der Ölkonzerne

Noch zahlen die großen Öl-Konzerne üppige Dividenden. Die Frage ist aber: Wie lange noch? –Experte Heiko Böhmer mit den Einzelheiten: (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

An dieser Stelle gehe ich schon regelmäßig auf das Thema Rohstoff-Aktien und Dividenden ein.

Ein Blick zurück

Gerade in Zeiten der hohen Rohstoff-Preise zeichneten sich viele Firmen durch hohe Dividenden aus. Das lockte auch Investoren an, die normalerweise einen Bogen um Rohstoff-Aktien machen.

Erinnern Sie sich beispielsweise an die rekordhohen Ölpreise im Jahre 2014? Damals kostete das Barrel Rohöl zwischenzeitlich mehr als 130 Dollar.

Zu der Zeit sprudelten nicht nur die Gewinne bei den Ölfirmen, zu der Zeit sprudelten auch die Dividenden – zur Freude der Aktionäre.

Seitdem ist auf dem Ölmarkt viel passiert: Die Preise haben im vergangenen Jahr ein Tiefstand von 30 Dollar pro Barrel erreicht. Jetzt kostet das Rohöl wieder etwas mehr als 50 Dollar.

Dennoch haben es die großen Ölkonzerne wie Exxon Mobil aus den USA oder auch Royal Dutch Shell und BP nicht geschafft das Geschäftsjahr 2016 mit einem ordentlichen Gewinn abzuschließen.

Ölfirmen gehen schon an die Substanz, um die hohen Dividenden zahlen zu können

Ein großer Faktor hierbei sind auf jeden Fall die Dividenden; gerade die Ölfirmen haben es unterlassen, diese massiv zu kürzen.

Bei den Minen-Unternehmen ist es oft so, dass die Ausschüttung an die Aktionäre an die Preise gekoppelt ist – fallen die Preise, dann sinken auch die Dividenden.

So etwas ist mir bei Öl-Konzernen nicht bekannt. Hier locken jetzt noch die hohen Ausschüttungen der vergangenen Jahre.

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Das Problem dabei ist aber ganz klar:

Um die hohen Dividenden überhaupt noch auszahlen zu können, gehen die Ölfirmen an die Substanz; im schlimmsten Fall müssen sogar Schulden aufgenommen werden.

Laut aktueller Analysen ist das tatsächlich passiert.

Die großen Öl-Firmen wie Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, Chevron und BP haben das Jahr 2016 mit höheren Schulden abgeschlossen als sie es begonnen haben.

Aktuelle Situation und Ausblick

Insofern erleben wir gerade ein strukturelles Problem der Öl-Unternehmen.

Die einfachste Möglichkeit wäre es hier die Auszahlungen einfach zu kürzen. Immerhin erreichen die Ölwerte derzeit noch Dividendenrenditen von 4% und mehr pro Jahr.

Noch schrecken die großen Betriebe davor zurück die Dividende zu kürzen, um auch ihre Großaktionäre nicht zu verprellen.

Sollte sich der Ölpreis in diesem Jahr nicht deutlich nach oben entwickeln, ist das auch die wahrscheinlichste Variante.


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.