Hohe Turbulenzen im Ölmarkt: WTI schwankt stark um die 40 US-Dollar

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Sobald wir die aktuelle Zone verlassen, könnte es eine weitere Bewegung geben. Doch was die Kurse im Zaum hält, ist vermutlich das allgegenwärtige Thema: die US-Wahl. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Beginnen wir mit dem langfristigen Chart von WTI. Hier sehen Sie den Kursverlauf der letzten zwei Dekaden. Wir haben Ausreißer auf beiden Seiten, aber letztlich kommt WTI immer wieder auf den Wert zwischen 30 und 60 US-Dollar zurück.

WTI Chart über 20 Jahre

Das Hoch bei knapp 148 US-Dollar stammt aus der Zeit nach der Lehman-Pleite. Das Tief haben wir erst vor wenigen Monaten erlebt: Da fielen die Futures in den negativen Bereich.

Doch egal, ob die Kurse wie Anfang der 2000er Jahre um die 25 US-Dollar pendelten oder nach 2011 eine Weile um 100 US-Dollar pendelten, letztlich trafen sich die Preise wieder in der Mitte. Dabei schein gerade die 40 US-Dollar eine magische Anziehungskraft zu haben.

Dort liegt das Hoch von 2003 und etwa das Tief der monatlichen Schlusskurse 2009. Dieser Bereich wird auch nach Jahren Pause immer wieder angelaufen. Und wo stehen wir aktuell? Wieder bei rund 40 US-Dollar. Kein Wunder, dass es hier besonders turbulent ist: Sollte sich der Preis von dieser Marke entfernen, kann es einige Zeit dauern, bis er wieder dort ankommt. Es ist also wichtig, sich jetzt richtig zu positionieren.

Doch wie wird der Ölpreis der Zukunft aussehen? Kommt nach der Corona-Krise der nächste Wirtschaftsboom, und die Nachfrage zieht an? Dann können wir mit höheren Preisen rechnen. Vielleicht nehmen wir sogar das aktuelle Hoch bei rund 75 US-Dollar raus und WTI wird noch teurer.

Aber was ist, wenn die Wirtschaft nicht weiter hochfährt? Wenn wir die Spätfolgen von Corona jetzt erst sehen oder die nächsten Wellen und sogar Lockdowns der Wirtschaft den letzten Dolchstoß verpassen? Dann geht es sicherlich noch weiter runter. Die 20 US-Dollar waren im März ganz normal, wenn kaum ein Industriesektor produziert.

Langfristig sieht das natürlich noch ganz anders aus. Alternative Energiequellen werden gefördert. Öl gerät immer mehr ins Abseits. Dass wir noch einmal Preise über 100 US-Dollar sehen, scheint aktuell schwer vorstellbar. Allerdings hat 2007 bei einem Preis von 60 US-Dollar wohl auch niemand geglaubt, dass WTI zwei Jahre später auf 140 US-Dollar steigt.

WTI 2020 im Jahr von Corona: von Januar bis Oktober

Hier sehen Sie den Tageschart des Jahres. Gestartet sind wir bei über 60 US-Dollar. Dann haben wir der Null einmal kurz die Hand geschüttelt, bevor es wir auf die 40 US-Dollar hochging.

Die grüne 200-EMA ist seit Monaten genau dort, wo die Kurse verlaufen. Seitdem hat der Preis es nicht geschafft, sich mehr als 5 US-Dollar von dieser 200-Tagelinie zu lösen.

Insgesamt sieht es so aus, als würden wir ewig zwischen 35 und 45 US-Dollar pendeln. Sobald wir diese Zone verlassen, könnte es eine weitere Bewegung geben. Doch was die Kurse im Zaum hält, ist vermutlich das allgegenwärtige Thema: die US-Wahl.

Ob Biden oder Trump – hier können sich schon deutliche Unterschiede für die Ölgesellschaften ergeben. Trump wird vermutlich weiterhin darauf schauen, dass die Menschen Arbeit haben. Biden macht eventuell eher etwas in Richtung ökologisch, wenngleich er keine radikale Lösung anstrebt. Aber das kennen Sie schon von Wahlen generell: Davor wird gerne viel versprochen. Inzwischen ist Biden übrigens deutlicher Favorit. Warten wir ab, wie sich die Quoten ändern, wenn Trump plötzlich vollständig von Covid-19 genesen ist. Aktuell sieht es danach aus.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

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