Hohe Verluste katapultieren Nanofocus ins Aus

Gute Technologie macht noch kein börsenreifes Unternehmen aus (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Wie oft muss man es an der Börse erleben: Technologisch durchaus interessante Unternehmen schaffen es jahrein, jahraus nicht, eine ihrer vermeintlichen Marktstellung entsprechende Ertragslage zu erreichen.

Bestes Beispiel für meine Beobachtung: Nanofocus. Gestern erst musste das Unternehmen, das nach eigenen Angaben als „Wegbereiter und Technologieführer in der optischen 3D-Oberflächenmesstechnik“ ansieht, ihre Umsatz- und Gewinnprognose für das abgelaufene Geschäftsjahr zurücknehmen. Statt eines Umsatzes von 13 Mio. Euro konnte Nanofocus nur Erlöse von 11,8 Mio. Euro erwirtschaften, statt eines ausgeglichenen operativen Ergebnisses lag das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) im deutlich negativen Bereich.

Als Begründung für die Verfehlung werden ausbleibende Auftragseingänge (0,4 Mio. Euro) und Umsatzverschiebungen (0,8 Mio. Euro) durch Kunden in das Jahr 2018 angegeben.

Diese Meldung ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Zum einen wurde die Prognose erst auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz am 13.12. bestätigt. Da mag es schon verwunderlich erscheinen, mit welchem Optimismus die Finanz-Controller im Unternehmen die Auslastung ihrer Produktionskapazitäten in den ausstehenden zehn Arbeitstagen geplant haben.

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Dabei war es nicht das erste Mal, dass der Vorstand seine Finanzzahlen nicht im Griff hat. Erst im August musste der Vorstand nach verheerenden Halbjahreszahlen die Erwartungen für das Gesamtjahr nach unten anpassen. Und vor genau einem Jahr schien der Vorstand geradezu überrascht worden zu sein, als sich nämlich „herausgestellt“ hat, dass sowohl der Jahresumsatz als auch das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2016 niedriger ausfallen werden als prognostiziert. In der Strafjustiz würde man Nanofocus als Gewohnheitstäter bezeichnen.

Das Unternehmen, das von sich selbst behauptet, seinen Kunden „exzellente Technologie und ausgereifte Produkte“ anzubieten, soll einen ausgewiesenen Track Record im Verfehlen seiner eigenen Erwartungen haben? Dabei ist die Messlatte schon niedrig, geradezu deprimierend niedrig: In nicht weniger als vier der fünf abgelaufenen Geschäftsjahre hat das Unternehmen ein negatives operatives Ergebnis erwirtschaftet.

Für diese völlig unbefriedigende Entwicklung werden aber stets unterschiedliche Gründe herangezogen. Einmal sind es langfristige Entscheidungsprozesse, dann neue Messstandards, ein andermal sind es verschobene Geräteauslieferungen. Das Management scheint sein Unternehmen nicht einmal ansatzweise im Griff zu haben.

Eigentlich ist es schon egal, was da letztlich zur Beruhigung der bemitleidenswerten Aktionäre angeführt wird. Die Wahrheit ist ganz einfach, sie muss nur ausgesprochen werden: Offensichtlich hat der Markt nur ein begrenztes Interesse an den Produkten von Nanofocus. Aktionäre sollten es zur Kenntnis nehmen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.