Holcim und Lafarge einigen sich auf neue Fusions-Bedingungen

Im Streit um die Bedingungen der größten Fusion in der Zementbranche hat es eine Einigung gegeben. Der französische Baustoff-Konzern Lafarge einigte sich mit seinem Schweizer Partner Holcim auf eine Nachbesserung der Deal-Bedingungen.

Man könnte auch sagen: Der Holcim-Konzern hat ohne große Gegenwehr seine neuen Forderungen durchgedrückt. Damit steht der 42 Mrd. Euro-Fusion nichts mehr im Wege – zumindest was die formale Umsetzung betrifft.

2014er Dealbedingungen werden von Schweizer Seite zurecht infrage gestellt

Rückblick: Als der Zusammenschluss der beiden Zementhersteller im April 2014 bekannt gegeben wurde, feierten die Investoren beider Lager die Fusion, die jährliche Einsparungen von 1,9 Mrd. Euro mitbringen sollte.

Als Fusion-Tauschverhältnis wurde 1 Lafarge-Aktie für 1 Holcim-Aktie beschlossen. Beide Konzerne sollten jeweils 7 Mitglieder im neuen Führungsgremium bekommen und Lafarge-Boss Bruno Lafont sollte Chef des fusionierten Konzerns werden.

Die Zustimmung der Aktionäre galt als sicher und um die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden zu erlangen, wurden Unternehmensteile abgestoßen. Alles in allem also ein reibungsloser Deal.

Doch im Frühjahr dieses Jahres begann dann auf Schweizer Seite der Unmut über die Dealbedingungen zu wachsen. Nicht nur wurde das 1:1 Tauschverhältnis in Frage gestellt – auch die Gesamtleitung durch Lafont stieß auf größer werdenden Widerstand.

Holcim setzt Forderungen durch

Holcim hatte starke Argumente, warum man nicht mehr mit den ursprünglichen Tauschkonditionen zufrieden war. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Schweizer ein größeres Wachstumstempo aufweisen und gleichzeitig die Aktivitäten weniger risikobehaftet sind.

Zudem wertete der Franken gegenüber den Euro massiv auf – eine Neuverhandlung schien daher nur fair. Lafarge war auch diesbezüglich einsichtig und der jetzige Kompromiss von 0,9 Holcim-Aktien für 1 Lafarge-Aktie stellt beide Seiten zufrieden.

Was allerdings für Unmut bei den Franzosen sorgte, war, dass Lafont nicht mehr den Chefposten bekommen sollte. Der Deal und die „Soft-Konditionen“ wurden ausgehandelt und unterschrieben. Der Chef soll aber versucht haben, Vereinbarungen zugunsten der französischen Seite zu verschieben.

Damit erzürnte er verständlicherweise die Schweizer Seite. Wenn Lafarge weiter einen Deal wollte, dann musste Lafont weg. Insidern zufolge wurde von den Investoren – nach Ansicht des Übernahme-Sensors zurecht – die Option Dealrettung bevorzugt.

Es wird jetzt einen anderen Chef aus den Lafarge-Reihen geben, Lafont wird zum Verwaltungsratsvorsitzenden degradiert.

Doppelspitze im Verwaltungsrat birgt Risiken

Im Verwaltungsrat wird es künftig eine Doppelspitze geben. Neben Lafont wird auch Wolgang Reitzle das Gremium führen. Das könnte vielleicht nicht die günstigste Konstellation sein.

Doppelspitzen bei multinationalen Unternehmen haben oft „Schwierigkeiten“. Wenn dann auch noch ein Teil der Doppelspitze der geschasste Beinahe-Chef ist, riecht das nach Ärger. Ob die angepeilten Synergien so erreicht werden können, darf hinterfragt werden. Die Zementhochzeit wurde zwar gerettet, doch wird sich zeigen müssen, ob es auch eine glückliche Ehe wird.

Für die Aktionäre ist die Rettung des Deals zumindest jetzt besser. Sowohl Holcim- als auch Lafarge-Papiere legen in einem freundlichen Umfeld zu.

20. März 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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