Holidaycheck: Online-Reisekonzern rudert bei den Jahreszielen zurück

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HolidayCheck-Aktie: Zweite Prognosesenkung in Folge. Aktie des Online-Reisekonzerns nach gekappter Prognose im Sinkflug. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Das Modewort Disruption ist in aller Munde. Gemeint ist damit die ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ wird. Als Paradebeispiel ist der Einzelhandel zu nennen, der zunehmend durch dem konkurrierenden Online-Handel in Bedrängnis gerät. Auch die Reisebranche gilt als klassischer Markt, der durch die Digitalisierung aufgerollt wird.

Trotzdem profitieren offenbar nicht alle Onlinefirmen gleichermaßen von der Umwälzung. So musste der Online-Reiseportalbetreiber Holidaycheck gerade zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose kappen. Entsprechend schwach verlief zuletzt die Kursentwicklung. Seit dem Jahreswechsel liegen die Holidaycheck-Papiere und 20% in der Verlustzone, auf Fünfjahressicht summieren sich die Verluste sogar auf beinahe 40%. Inzwischen liegt der Börsenwert bei knapp unter 130 Millionen Euro.

Holidaycheck im Portrait

Die HolidayCheck Group AG (ehemals Tomorrow Focus AG) ist eines der führenden europäischen Digitalunternehmen für Urlauber. Die rund 400 Mitarbeiter zählende Gesellschaft vereint unter ihrem Dach die HolidayCheck AG (Betreiberin der gleichnamigen Hotelbewertungs- und Reisebuchungsportale und des Mietwagenportals MietwagenCheck) sowie die WebAssets B.V. (Betreiberin der Zoover-Hotelbewertungsportale und der MeteoVista-/WeerOnline-Wetterportale).

Großaktionär der Gesellschaft ist die Burda Digital GmbH, eine Tochtergesellschaft der Hubert Burda Media, die 56% aller Stimmrechte hält.

Von hohen Margen keine Spur

Auch wenn das Geschäftsmodell durchaus aussichtsreich klingt, für hohe Gewinne hat es bislang nicht gesorgt. In 2018 erwirtschaftete Holidaycheck einen Umsatz von 138,9 Millionen Euro und damit in etwa soviel wie im Jahr 2011 (135,9 Millionen Euro). Unter dem Strich blieb ein Minigewinn von 1,9 Millionen Euro übrig, nach zwei Verlustjahren in Folge zuvor. Die Gewinnspanne lag demnach bei 1,39% und damit weit entfernt von den hohen Margen, die sich Investoren bei der Investition in ein Technologieunternehmen erhoffen.

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Jahresziele werden gekappt

Wenig förderlich für die Stimmung der Anleger war die erneute Prognosesenkung vor wenigen Tagen. Ursprünglich sollte Umsatz des Online-Reiseportals im Geschäftsjahr 2019 zuletzt noch um 7 bis 9% (zuvor: 7 bis 12%) steigen. Beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) peilte das Unternehmen eine Bandbreite von 8,5 Mio. bis 11,5 Millionen Euro an (zuvor: 8,5 bis 13,5 Millionen Euro).

Nun geht die Konzernführung nur noch von einem Umsatzwachstum von 3 bis 6% aus. Gleichzeitig wird beim EBITDA nur noch eine Range von 7,5 bis 10,5 Millionen Euro angepeilt.

Schwaches erstes Halbjahr kann nicht ausgeglichen werden

Als Grund führte der Konzern eine unter den ursprünglichen Erwartungen liegende Geschäftsentwicklung im dritten Quartal an, die sich offenbar auch im vierten Quartal fortsetzen und nicht spürbar zu verbessern scheint.

Hohe Investitionen notwendig

Dabei waren die Hoffnungen der Anleger groß. Sie müssen wissen: Holidaycheck versucht sich mit seiner gleichnamigen Online-Plattform Holidaycheck verstärkt zum Reisevermittler zu wandeln. Letztlich sollen Pauschalurlaube verkauft werden. Im Gegenzug fließen an Holidaycheck Provisionen von Drittanbietern, die die Reisen zur Verfügung stellen. Dieser Bereich soll in Zukunft noch stärker wachsen. Auch Kreuzfahrten sollen angeboten werden.

Allerdings gilt der Markt als hart umkämpft. Die Markteintrittsbarrieren sind Im Onlinegeschäft extrem niedrig. Deshalb muss Holidaychek massiv in das eigene Marketing investieren, um den Wiedererkennungswert aufrechtzuerhalten beziehungsweise die Marke zu stärken. Ob sich diese Investitionen bezahlt machen, wird sich erst noch zeigen müssen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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