Home Office – ein Dauermodell?

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Verabschieden sich deutsche Büros von der Präsenzpflicht? Die Erfahrungen mit Home Office während Corona eröffnen neue Möglichkeiten. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

In Zeiten von Corona wirken nicht nur Innenstädte oder Grundschulen wie ausgestorben. Auch zahlreiche Büros stehen weitgehend leer.

In vielen Betrieben, deren Kerngeschäft sich hauptsächlich auf Arbeiten am PC fokussiert, hält nur noch ein kleiner Stamm einzelner Mitarbeiter die Stellung vor Ort, um beispielsweise die Post abzuarbeiten oder den notwendigen Infrastruktur-Support sicherzustellen.

Ein Großteil der Beschäftigten aber sitzt nicht mehr mit den Kollegen im Büro vor dem Monitor, verbringt die Mittagspause gemeinsam in der Kantine und plaudert bei der Kaffee- oder Zigarettenpause. Stattdessen ist der Schreibtisch zuhause zum neuen Hauptarbeitsort geworden, seit wegen der Corona-Pandemie alle, für die es möglich ist, ins Home Office geschickt wurden.

Erfolgsmodell oder Herausforderung?

Wie gut diese Regelungen im Einzelfall funktionieren, ist stark abhängig von den Rahmenbedingungen. Zunächst einmal müssen die Betriebe in der Lage sein, ihre Beschäftigten mit den notwendigen Gerätschaften auszustatten. Dazu zählt neben einem Laptop beispielsweise auch der Zugriff auf interne Netzwerke, um arbeitsfähig zu bleiben.

Zudem kommt es auf die persönliche Technikaffinität des Einzelnen an: Wer tagtäglich am PC arbeitet, wird zwar grundsätzlich damit zurechtkommen. Wenn jedoch neue Software eingeführt wird, etwa zum Abhalten von Videokonferenzen, die zuvor kaum zum Einsatz kamen, stößt manch einer womöglich bereits an seine Grenzen.

Entscheidende Rahmenbedingungen

Hinzu kommen die Rahmenbedingungen zuhause: Gibt es überhaupt einen Arbeitsraum, einen eigenen Schreibtisch, oder wird am Küchentisch improvisiert? Lebt der Arbeitnehmer allein und kann sich somit auf seine beruflichen Tätigkeiten fokussieren oder gibt es Mitbewohner, Partner, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, die gerade tagsüber einen Teil der Aufmerksamkeit für sich beanspruchen?

Wie steht es um die Flexibilität der Arbeitszeiten? Können anstehende Aufgaben päckchenweise mal morgens, mal abends bearbeitet werden? Oder sind die üblichen 9-to-5-Bürozeiten auch im Home Office obligatorisch?

All diese Fragen sind für Betriebe und Beschäftigte derzeit hochrelevant – und könnten es auch in Zukunft bleiben. Noch ist nicht absehbar, wann überall die Rückkehr zur Normalität vollzogen werden kann. Bis auf Weiteres werden wohl viele von zuhause aus arbeiten.

Wird Home Office zur Dauereinrichtung?

Manch einer sieht darin aber auch vor allem Vorteile – und rechnet damit, dass sich das Modell der Heimarbeit auch über die Pandemie hinaus langfristig durchsetzen wird. So kündigte der US-Konzern Twitter bereits an, seinen Mitarbeitern künftig grundsätzlich das Arbeiten von Zuhause freizustellen. Auf Wunsch kann dort also auch künftig im Home Office gearbeitet werden. Ähnlich äußerte sich kürzlich Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Er rechne damit, dass mittelfristig etwa 50 Prozent der Beschäftigten von zuhause aus arbeiten würden.

Nun sind die hippen Internetkonzerne im Silicon Valley ohnehin recht flexibel aufgestellt, was Präsenzpflicht und Arbeitszeiten betrifft. Doch dank der Corona-Pandemie könnte ein Stück dieser Flexibilität nun auch in Europa um sich greifen. Gerade in Deutschland, wo die Präsenzkultur noch vergleichsweise stark ausgeprägt ist, könnte sich hier mittelfristig eine echte Trendwende in der Arbeitswelt abzeichnen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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