Home24 geht mit einem innovativen Modell an die Börse

Mit home24 geht eine weitere Beteiligung von Rocket Internet an die Börse. Die haben sich dabei etwas einfallen lassen. (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Kurz vor der Sommerpause steigt üblicherweise die Zahl der Börsengänge. Auch home24 wagt nun den Sprung aufs Parkett. Seit vergangenen Montag können die Aktie gezeichnet werden. Erstmals gehandelt werden die Aktien voraussichtlich am 15. Juni.

Das 2009 gegründete Unternehmen ist einer der führenden Online-Versandhändler für Möbel, Gartenmöbel und Wohnaccessoires. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben 1,1 Millionen Kunden, die mindestens einmal im Jahr bestellen, und hat mehr als 100.000 Artikel im Angebot. Laut dem Wertpapierprospekt, der seit Anfang der Woche zum Download auf der Website des Unternehmens zur Verfügung steht, wurden im vergangenen Jahr Erlöse in Höhe von 275,7 Mio. Euro erwirtschaftet. Dem steht allerdings noch ein betrieblicher Verlust von 46,8 Mio. Euro gegenüber, doch dieser soll über die kommenden Jahre sukzessive abgebaut werden.

Margenverbesserung im Visier

Möglich machen soll dies der Ausbau des Anteils der margenträchtigen Eigenmarken, für die das Unternehmen bei Design und Produktion mit externen Partnern zusammenarbeitet. Sie machen derzeit zwar nur ein Viertel der Artikel aus, sind aber für mehr als die Hälfte der Konzernerlöse verantwortlich. Dabei profitiert home24 von seiner führenden Marktstellung: Nachdem ermittelt wurde, was im Massengeschäft gerade gut läuft, werden datengesteuert Eigenmarken für die Bestseller-Kollektion aufgebaut. Diese können dann günstiger als die Konkurrenz angeboten werden und sind überdies schnell lieferbar.

Auch eine vorsichtige Internationalisierung soll die Margenverbesserung vorantreiben. Fürs erste, so der Vorstand Marc Appelhoff, ist es nämlich nicht vorgesehen, die Aktivitäten in neue Märkte außer den bereits adressierten voranzutreiben. So bleibt der Online-Händler auf absehbare Zeit nur in sieben europäischen Ländern und in Brasilien aktiv.

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Innovatives Modell zum Börsengang

Der Online-Möbelhändler will bei seinem Gang an die Frankfurter Börse mindestens 150 Mio. Euro einstreichen. Ungewöhnlich an dem Börsengang ist, dass nicht das Volumen des IPOs variabel ist, sondern die Anzahl der neuen Aktien, die ausgegeben werden.

Zu welchem Preis die Aktien innerhalb der Preisspanne von 19,50 bis 24,50 Euro platziert werden, entscheidet damit lediglich darüber, wie viele Papiere ausgegeben werden: Ist die Nachfrage nach den Aktien des Börsenkandidaten schwach, müssen 7,7 Mio. Stück ausgegeben werden; läuft es dagegen gut, reicht bereits die Ausgabe von 6,1 Mio. Aktien, um das geforderte Mindestemissionsvolumen von 150 Mio. Euro zu erreichen.

Kein Kasse-Machen der Altaktionäre

Von der Anzahl der ausgegebenen Aktien hängt es damit ab, wie hoch der Streubesitz nach dem Börsengang letztlich sein wird. Bei schwacher Investorennachfrage und der Ausgabe von 7,7 Mio. Aktien liegt der Streubesitz bei maximal 32,4 %. Besonders positiv zu vermerken ist dabei, dass die bisherigen Großaktionäre Rocket Internet (41 %) und der schwedische Internet-Investor Kinnevik (17 %) im Zuge des Börsengangs keine Aktien abgeben werden.

Sollte der Börsengang erfolgreich verlaufen, wäre home24 wäre nach dem Essenslieferdienst Delivery Hero und dem Lebensmittel-Lieferanten Hellofresh bereits die dritte Beteiligung von Rocket Internet an der Börse. Insidern zufolge steht der nächste Kandidat bereits in den Startlöchern: Die afrikanische Online-Plattform Jumia. Rocket Internet selbst war im Herbst 2014 an die Börse gegangen – allerdings mit überschaubarem Erfolg.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.