HP-Aktie: Technologieriese nimmt massiven Stellenabbau ins Visier

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HP: Technologieikone verschreckt Anleger mit gigantischem Stellenabbau. Konzern muss massive Einmalkosten verdauen. (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Die Schrumpfkur bei dem US-Technologiekonzern HP geht in die nächste Runde. In den vergangenen 10 Jahren hat sich HP bereits konstant verkleinert und mehr als 36.000 Mitarbeiter entlassen. Jetzt folgt die nächste massive Entlassungswelle. Nochmals 16% der kompletten Belegschaft sollen wegrationalisiert werden. Auch wenn die Maßnahmen langfristig zu hohen Einsparungen führen sollen, kurzfristig sind die Belastungen für die Bilanz erheblich.

Die Aktionäre stehen den Plänen offenbar skeptisch gegenüber. Allein am Freitag sackten die Papiere nach der jüngsten Gewinnrevision um beinahe 10% in den Keller. Auf 12-Monatssicht summiert sich das Kursminus derzeit auf knapp 35%.

HP im Portrait

Die HP Inc. (ehemals Hewlett-Packard Co.) ist ein weltweit führender Anbieter von Produkten und Lösungen rund um die Bereiche Informationstechnologie und Bildbearbeitung. Die Produkte von HP werden vielfältig in Wirtschaft, Industrie, Wissenschaft, Behörden und Verwaltung sowie im Gesundheits- und Bildungswesen eingesetzt.

Die Bandbreite reicht von Computern, Peripheriegeräten wie Druckern und Multifunktionsgeräten, Netzwerkprodukten und Software-Lösungen bis hin zu Taschenrechnern. 2015 spaltete sich die Hewlett Packard Co. in zwei eigenständige Unternehmen auf; dabei zählt das Geschäft mit Dienstleistungen und Technik für Unternehmen nun zur Hewlett Packard Enterprise.

Bis zu 9.000 Stellen sollen wegfallen

In den zurückliegenden Jahren sorgte der schrumpfende Markt für PCs und Drucker für kräftigen Gegenwind bei HP. Dieser strukturellen Schwäche versucht die Konzernführung mit rigiden Sparmaßnahmen zu begegnen und lässt den Rotstift kreisen. Zwischen 7.000 und 9.000 Stellen sollen nun gestrichen werden, was rund 16% der Gesamtbelegschaft entspricht. Ziel ist es, die Kosten im Unternehmen deutlich zu senken. Neben Entlassungen sollen auch Vorruhestandsregelungen genutzt werden. Ende 2022 will man so rund eine Milliarde Dollar jährlich einsparen.

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Restrukturierungsprogramm drückt auf die Bilanz

Bevor der Konzern die Früchte des Programms ernten kann, müssen aber erst einmal hohe Belastungen verdaut werden. Bis zum Abschluss des Konzernumbaus zum Ende des Geschäftsjahres 2022 rechnet das Unternehmen mit Sonderkosten in Höhe von etwa 1 Mrd. Dollar. Bereits im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sollen rund 100 Millionen Dollar anfallen, im folgenden Geschäftsjahr dürften die Belastungen bei 500 Millionen Dollar liegen.

Jahresprognose wird konkretisiert

Mit Vorlage des Programms zum Stellenabbau hat der Konzern auch seine Jahresprognose vorgestellt. Für das kommende Jahr rechnet der Konzern nur noch mit einem Gewinn von 1,98 bis 2,10 Dollar je Aktie und einem freien Cash-flow von 3 Milliarden Dollar. Damit läge der freie Cash-flow unter dem Niveau, dass in diesem Geschäftsjahr bereits nach neun Monaten erwirtschaftet worden war.

Zugleich kündigte HP auch an, mindestens 75% des freien Cash-flows an seine Aktionäre im Rahmen der Quartalsdividende auszuschütten sowie 10% über Aktienrückkäufe wieder an seine Anleger weiterzureichen. Insgesamt sollen fünf Milliarden Dollar bereitgestellt werden, um Konzernanteile von Aktieninhabern zurückzukaufen.

Analysten zeigen sich zurückhaltend

Die Anleger reagierten erschrocken auf das unerwartet umfangreiche Stellenabbauprogramm. Offenbar sind die Probleme des Konzerns tiefer als gedacht. Zudem kritisieren Experten, dass sich der Konzern nur auf Kostensenkungen, nicht aber auf Produktinnovation fokussiert. Die zurückhaltende Sichtweise macht sich auch in den Analystenschätzungen bemerkbar. Von 16 Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigen, rät nur ein Banker zum Kauf der Aktie. Der Großteil (14 Analysten) sehen in der Aktie nur eine Halteposition, während ein Bankhaus den Titel sogar als Verkauf einstuft.

Die Bewertung mit dem 7-Fachen der erwarteten Gewinne erscheint wenig ambitioniert. Ob dies vor dem Hintergrund der fehlenden strategischen Perspektiven ausreicht, um dem Aktienkurs wieder auf die Sprünge zu helfen, darf vorerst aber bezweifelt werden.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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