HP: David und Goliath – Xerox will PC-Ikone Hewlett Packard schlucken

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Xerox schielt auf HP: Steht ein Milliardendeal der Druckerhersteller vor der Tür? HP-Aktie nach Übernahmespekulationen im Haussemodus (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Die Gerüchteküche brodelt: Laut dem üblicherweise gut informierten Wall Street Journal steht die ehemalige Druckerikone Xerox vor dem Kauf des PC- und Druckherstellers HP. Der Deal wäre ein Hammer und würde zwei altgediente Technologiefirmen vereinen. Den Anlegern scheint der Gedanke zu gefallen. Nicht nur die HP-Aktie zog um 11% an, auch die Papiere von Xerox notierten zeitweilig über 5% in der Gewinnzone.

Steht ein Megadeal in der Druckerbranche bevor?

Xerox zieht offenbar eine Übernahme von HP in Erwägung. Das Deal-Volumen wäre gewaltig. Immerhin wird HP nach dem gestrigen Kurssprung mit rund 32 Milliarden Dollar an der Börse bewertet. Damit ist der Konzern dreimal größer als der Bieter Xerox. Einzelheiten zu den Verhandlungen oder offizielle Stellungnahmen der beteiligten Firmen liegen allerdings noch nicht vor.

Verkauf von Fujifilm sorgt für Cash-Zufluss

Offen ist auch, wie der Deal finanziert werden soll. Laut informierten Kreisen hat Xerox bereits Gespräche mit Banken aufgenommen und sich eine Finanzierungszusage sichern können. Helfen könnte aber auch der Verkaufserlös durch den Verkauf der Anteile am Joint Venture mit Fujifilm, der 2,3 Milliarden Dollar in die Kassen spült. Über das Joint Venture hatte Xerox Jahrzehntelang seine Produkte im asiatischen und pazifischen Raum vertrieben.

Megafusion dürfte massive Synergien freisetzen

Ein Zusammenschluss könnte den Unternehmen, die mit dem Wandel der Branche ringen, frischen Schwung verleihen. Zudem wären in überlappenden Bereichen wohl deutliche Einsparungen möglich. Insidern zufolge planen beide Firmen mit Kosteneinsparungen von 2 Milliarden Dollar, die durch die Zusammenlegung erzielt werden sollen.

Die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit sind vielfältig: So könnte HP schnell die Vertriebslücke von Xerox im asiatisch-pazifischen Raum stopfen, die durch den Verkauf des Joint Ventures entsteht. HP hat bereits zahlreiche Kooperationen und Niederlassungen in China und ist dort gut aufgestellt. Zum anderen könnte für Xerox auch der lukrative Markt mit 3 Druck für Industriekunden interessant sein, in dem sich HP, nicht zuletzt durch zahlreiche Übernahmen, positioniert hat.

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Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand

Zuletzt standen die Geschäftsmodelle beider Firmen auf dem Prüfstand. Kurz zum Hintergrund: Xerox stellt Drucker und Kopierer her und macht den meisten Umsatz mit Vermietung und Wartung. HP verkauft kleinere Drucker und ist zugleich einer der größten PC-Hersteller weltweit. HP verkaufte in der Vergangenheit Drucker oft mit Verlusten und verdiente dann Geld mit dem Verkauf von Druckerpatronen. Mit einem neuen Geschäftsmodell will HP Kunden beim Kauf eines Druckers mit wiederkehrenden Rabatten an Tintenpatronenkäufe binden.

Ein Größenvergleich der beiden Firmen

Beide Konzerne hatten in den zurückliegenden Jahren mit dem schleppendem Druckergeschäft zu kämpfen. Während Xerox in 2018 bei einem Jahresumsatz von 9,83 Milliarden Dollar einen Reingewinn von 361 Millionen Dollar einfuhr, gingen bei HP zuletzt Umsätze von 58,47 Milliarden Dollar durch die Bücher. Unter dem Strich blieb ein Gewinn in Höhe von 5,32 Milliarden Dollar übrig.

Zuletzt kündigte HP eine deutliche Verschärfung seines Sparkurses an. Um den Konzern neu aufzustellen, sollen rund 7.000 bis 9.000 Stellen wegfallen. Insgesamt sollen jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Dollar erreicht werden.

Ob die Übernahme aber tatsächlich zustande kommt, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch völlig unklar. Ebenso die Details eines möglichen Deals.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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