HTC-Aktie: Unternehmen an Börse für wertlos erklärt

Die Krise beim taiwanesischen Smartphone-Hersteller HTC weitet sich aus. Zu Beginn der Woche brach der Aktienkurs nach Bekanntgabe der aktuellsten Geschäftsprognose um fast 9 % ein. Zum Börsenschluss am Montag war eine HTC-Aktie damit nur noch 57,50 TWD (Neuer Taiwan Dollar) wert, umgerechnet knapp 1,66 €. Damit ist das Wertpapier seit dem Hoch im Januar um fast zwei Drittel gefallen. In den ersten Wochen des Jahres hatte die HTC-Aktie noch bei 159 TWD notiert.

Für das Unternehmen ist dieser Aktienkurs eine halbe Bankrotterklärung, denn durch die weiteren Einbrüche fiel der Börsenwert des Unternehmens unter den Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar. Diese Summe hatte HTC im Halbjahresbericht als Bargeldreserven angegeben. Dies bedeutet, dass die Investoren sowohl die Marke an sich als auch das sonstige Vermögen des Unternehmens wie Fabriken und Geschäfte für wertlos erachten.

HTC-Aktie leidet unter starker Konkurrenz

HTC leidet bereits seit Monaten unter der starken Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt. Neben Marktführer Samsung zählt vor allem der chinesische Anbieter Huawei zu den größten Widersachern von HTC. Huawei greift die etablierten Marken vor allem im Geschäft mit Mittelklasse-Geräten verstärkt an und gewinnt auf diesem Gebiet immer stärker an Einfluss.

Konnte HTC vor einigen Jahren noch einen weltweiten Marktanteil von 10 % für sich verbuchen und war sogar für kurze Zeit Spitzenreiter bei verkauften Smartphones auf dem umkämpften US-Markt, ist der Marktanteil inzwischen auf unter 2 % gesunken.

HTC: Geschäftsprognose für Q3 katastrophal

Und der Ausblick für die kommenden Monate sieht weiterhin wenig rosig aus. Die neue Geschäftsprognose des Unternehmens, die den Börsenkurs zu Wochenbeginn auf Talfahrt schickte, sieht für das dritte Quartal diesen Jahres eine weitere Abwärtsentwicklung vor. So rechnet das Unternehmen inzwischen nur noch mit der Hälfte an Umsätzen, die Analysten noch vor wenigen Wochen prognostiziert hatten. Außerdem dürften die Verluste im dritten Quartal die letzten Prognosen um das Fünffache übersteigen.

Bereits im zweiten Quartal hatte HTC einen Nettoverlust von umgerechnet 236 Millionen Euro eingefahren. Als Grund wurden dabei schwindende Marktanteile auf dem Premiumsegment und in Wachstumsmärkten wie China genannt.

Stellenabbau und Neuausrichtung sollen HTC-Aktie retten

Analysten sprechen nun davon, dass sich das Unternehmen nur durch eine konsequente Neuausrichtung am Markt halten könnte – wenn überhaupt. In Zukunft will sich das Unternehmen verstärkt auf den Markt mit High-End-Smartphones konzentrieren und die weite Produktpalette stark verkleinern. Auch ein drastischer Stellenabbau in sämtlichen Unternehmensbereichen wurde bereits angekündigt.

Dennoch wird dieser Umbau wohl Monate, wenn nicht sogar Jahre in Anspruch nehmen – mit ungewissem Ausgang. Durch den immer weiter sinkenden Börsenwert des Unternehmens könnte allerdings auch eine Übernahme durch einen Konkurrenten möglich sein.

Die weitere Entwicklung der HTC-Aktie bleibt daher wohl noch auf längere Sicht spannend. Ein Einstieg in das Wertpapier ist aktuell jedoch nur für risikobereite Anleger interessant.

10. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Felix Reinecke
Von: Felix Reinecke. Über den Autor

Felix Reinecke war in der Vergangenheit als Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen tätig und verstärkt seit 2011 das Team von GeVestor.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt