Hugo Boss enttäuscht mit Gewinnwarnung

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Hat Hugo Boss ein strukturelles Problem? Die jüngste Gewinnwarnung verheißt nichts Gutes. (Foto: BOOCYS/Shutterstock)

Wie schnell ein Unternehmen vom gefeierten Börsenstar zu einem veritablen Problemfall absteigen kann, beweist dieser Tage Hugo Boss. Nachdem die Aktie am vergangenen Freitag um mehr als 14 % auf knapp über 38 Euro eingebrochen war, kam es auch in dieser Handelswoche zu weiteren, deutlichen Kursverlusten. Mittlerweile notiert die Aktie des MDAX-Konzerns auf einem Niveau, das Anleger zuletzt Mitte 2010 gesehen haben.

Neuerliche Umsatz- und Gewinnwarnung

Auslöser ist eine Gewinnwarnung, die der Vorstand Ende letzter Woche aussprechen musste. Nun geht das Unternehmen davon aus, den Konzernumsatz auf währungsbereinigter Basis im niedrigen einstelligen Prozentbereich steigern zu können. Die zuvor ausgegebene Guidance des Vorstands, wonach die Erlöse das „untere Ende eines Anstiegs im mittleren einstelligen Prozentbereich“ erreichen würde, wurde kassiert. Angesichts der verwendeten Formulierung dürften darüber aber bestenfalls Deutschlehrer oder Grammatikenthusiasten traurig sein.

Zudem rechnet der Vorstand nun mit einem adjustierten operativen Ergebnis von 330 bis 340 Millionen Euro, in dem jedoch die Auswirkungen der Umstellung von IFRS 16 noch nicht berücksichtigt wurde, nachdem im Vorjahr noch ein EBIT in Höhe von 347 Millionen Euro erwirtschaftet worden war. Hier war der Vorstand bislang von einem Wachstum des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern „am unteren Ende eines Anstiegs im hohen einstelligen Prozentbereich“ ausgegangen.

Aktie nachhaltig unter Druck

Abgesehen davon, dass der Vorstand nun wieder Formulierungen verwendet, die ein durchschnittlich gebildeter Kapitalanleger ohne größere Schwierigkeiten nachvollziehen kann, waren die neuen Umsatz- und Ertragsziele für die Börsianer aus naheliegenden Gründen: enttäuschend. Zumal auch die angeführten Begründungen – anhaltend gesamtwirtschaftliche Unsicherheiten, insbesondere in Nordamerika – wenig Hoffnung auf baldige Besserung lassen.

Hier steht das Unternehmen schon seit längerer Zeit unter Druck. Und es zeigt sich, dass die Strategie, sich von einigen Großhandelspartnern zu trennen, offenbar nicht ausreichend ist. Stattdessen wirken sich die Rabattschlachten, an denen sich Hugo Boss nach eigenen Worten nicht beteiligt, nun doch stärker auf den Umsatz der US-Tochter aus als gedacht. Was auch die Eckdaten für das dritte Quartal zeigen, die das Management in die Ad-hoc-Meldung einfließen ließ. Sie lagen durch die Bank unter den Konsensschätzungen der Analysten – die dann mit zu Teil massiven Herabstufungen reagierten.

LVMH zuletzt deutlich besser

Dabei waren die Anleger in den vergangenen Monaten ohnehin vorsichtiger in ihrer Einschätzung zu Hugo Boss geworden, schließlich war es naheliegend, dass schon die anhaltenden Proteste in Hongkong Schleifspuren in der Ertragsentwicklung hinterlassen würden. Dass diese jedoch so deutlich ausfallen würden, war dann wohl zu viel für die Anleger, die zuletzt von guten Umsatzdaten des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH verwöhnt worden waren.

Letztlich steht zu befürchten, dass Hugo Boss auch das vor knapp einem Jahr ausgegebene Konzernziel, bis 2022 währungsbereinigt um durchschnittlich 5% bis 7 % zulegen zu wollen, verfehlen bleibt. Möglicherweise hat Hugo Boss ein strukturelles Problem, und die jüngste Kursschwäche nur der Anfang.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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