Hugo Boss schockt Aktionäre mit Gewinnwarnung

Der im MDax notierte Modekonzern Hugo Boss hat gestern am späten Nachmittag seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung geschockt. Die Hugo-Boss-Aktie verlor vom Zeitpunkt der Veröffentlichung der Gewinnwarnung bis jetzt rund 28% ihres Wertes und sackte von knapp 70 auf nur noch gut 50 Euro ab.

Das Unternehmen geht davon aus, dass das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im laufenden Jahr im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zurückgehen wird. Außerdem teilte Hugo Boss mit, dass das mittelfristige Margenziel wohl nicht erreicht werden könne.

Der Umsatz soll allerdings im laufenden Jahr im niedrigen einstelligen Prozentbereich vorankommen, teilte das Unternehmen weiterhin mit. Dafür sollen solide Zuwächse in Europa sorgen. Die Geschäfte in China und den USA seien aber im bisherigen Jahresverlauf schlechter gelaufen als erwartet.

Margendruck macht dem Unternehmen zu schaffen

Was dem Modekonzern vor allem zu schaffen macht, ist der Margendruck. Daher sollen die Preise in Asien und speziell in China jetzt noch stärker als bislang geplant an die Preise in Europa und Amerika angepasst werden.

Zudem soll die Warenlieferung der Boss-Kernmarke an US-amerikanische Händler begrenzt werden, um sich „dem dortigen rabattintensiven Marktumfeld bestmöglich zu entziehen“. Kosteneinsparungen könnten diese Effekte nur bedingt kompensieren.

Soll heißen: Hugo Boss will in den USA durch mehr Exklusivität wieder höhere Preise durchsetzen, da Kosteneinspaarungen allein die Gewinnmarge nicht ausreichend stabilisieren können. Bereits im vergangenen Oktober veröffentlichte der Metzinger Modekonzern eine Gewinnwarnung, in der die Ziele für das Geschäftsjahr 2015 gekappt wurden.

Im Hinblick auf die mittelfristigen Ziele und Erwartungen heißt es wie folgt in der Mitteilung von Hugo Boss: „Das Unternehmen ist zuversichtlich, seinen Umsatz mittelfristig weiter steigern und seine Marge wieder verbessern zu können. Allerdings geht der Konzern nicht mehr davon aus, die bereinigte operative Marge (EBITDA vor Sondereffekten im Verhältnis zum Umsatz) auf 25% steigern zu können.“

Kurssturz meiner Meinung nach übertrieben

Auch wenn zu erwarten war, dass ein prognostizierter zweistelliger Ergebnisrückgang im laufenden Geschäftsjahr keine Jubelstürme auslösen wird, halte ich den Kurseinbruch der Hugo-Boss-Aktie für übertrieben.

Denn: Das Unternehmen erreichte im Geschäftsjahr 2015 nicht nur die neue Prognose von Oktober 2015, sondern erreichte trotz einiger Schwierigkeiten neue Rekorde bei Umsatz und Gewinn. Zwar war zuvor mehr erwartet worden (auch vom Unternehmen selbst), doch finde ich es beachtlich, dass auch in einem schwierigen Umfeld immer noch Rekorde erzielt werden können.

Weiterhin halte ich die Marke Hugo Boss nach wie vor für stark und zugkräftig – nicht nur in Europa. Daher rechne ich fest damit, dass das Unternehmen seine Probleme in den Griff bekommen wird und teile somit die Zuversicht des Unternehmens, dass mittelfristig nicht nur der Umsatz weiter steigen wird, sondern auch die Marge nachhaltig verbessert werden kann.

Ich sehe die Hugo-Boss-Aktie auf dem aktuellen Kurs- und Bewertungsniveau eher als Kauf- denn als Verkaufskandidaten. Denn aus meiner Sicht sind sämtliche Belastungsfaktoren im aktuellen Kurs der Aktie schon mehr als deutlich enthalten.

24. Februar 2016

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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