Hugo Boss will mehr eigene Geschäfte eröffnen

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Der Online-Handel und neue, eigene Läden in den USA und in Asien sollen den Gewinnturbo zünden. (Foto: Maly Designer / shutterstock.com)

Auch wenn es derzeit viel zu heiß ist, um sich über die neueste Herbst- und Wintermode Gedanken zu machen, für die Bekleidungsindustrie ist diese Saison schon größtenteils abgehakt.

Der Großhandel hat seine Bestellungen für das restliche Jahr schon längst aufgegeben, in wenigen Wochen hängen die ersten Pullover und Winterjacken in den Geschäften und warten auf Kunden.

Doch der traditionelle Großhandel übt sich in vornehmer Zurückhaltung, die Kunden strömen nicht mehr so kräftig in die Geschäfte des Einzelhandels, sondern orientieren sich in Richtung Internet und Onlinehandel. Dort steigen die Bestellzahlen und explodieren die Umsätze.

Doch die Nachfragemacht der Onlinehändler wie Zalando schmeckt längst nicht allen Herstellern, drücken diese doch kraft ihrer Nachfragemacht die Marge ins Unerträgliche und  lassen die Gewinne schrumpfen.

Auch der lokale Einzelhandel spürt die Konkurrenz aus dem Web, jammert, findet aber keine Lösung.

Dadurch wächst der Druck auf die großen Bekleidungshersteller, ihre Umsätze schwinden und  die Gewinne verfallen rapide.

So berichtete Hugo Boss im April diesen Jahres von einem Gewinneinbruch im 1. Quartal von

-14% und einem sehr schwachen Geschäften mit dem Großhandel.

Den Feind erkennen und bekämpfen

So martialisch es sich auch anhören mag, so erfreulicher ist der daraus resultierende Erfolg für Hugo Boss nun bei der Vorlage der Unternehmensergebnisse für das 2. Quartal.

Denn das Unternehmen aus dem schwäbischen Metzingen steuerte rechtzeitig dem Negativtrend im Großhandel entgegen und eröffnete früh einen markeneigenen Webshop, in dem die Kundinnen und Kunden bequem von zuhause aus bestellen können.

Gleichzeitig wurden für die Hauptmarken der Herren- und Damenkollektionen die Lieferverträge mit Zalando und weiteren Online-Shops gekündigt.

Mit dem eigenen Internetauftritt will man die Handlungshoheit über die Produkte, vor allem aber die Preisführerschaft stärken, reduzieren doch sowohl der Einzelhandel als auch die großen Shop-Betreiber gerne einmal die Herstellerpreise, sobald der Abverkauf sinkt und beschädigen damit die Marke.

Hugo Boss-Markenmode zu Rabatten von 30, 50 oder 70% soll es in Zukunft einfach nicht mehr geben.

Eigene Markenshops stoppen den Preisverfall

Dazu sollen auch die eigenen Markenshops beitragen, die Hugo Boss betreibt und deren Präsenz in der Fläche zukünftig noch stärker ausgebaut werden soll.

So wurde mit den jüngsten Zahlen bekannt, dass Hugo Boss noch in diesem Jahr 50 weitere Läden unter eigenem Namen eröffnen will und damit die Zahl der  Geschäfte auf weltweit knapp 950 erhöht.

Denn in den eigenen Geschäften liegt die Gewinnmarke trotz teurer Ladenmieten und hoher Personalkosten höher als im Geschäft über die traditionellen Vertriebswege des Einzelhandels.

Das Betreiberrisiko ficht Hugo Boss nicht an, man vertraut ganz auf die Marke und den eigenen Bekanntheitsgrad.

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Den Kunden gefällt das neue Konzept, der Onlinehandel und die eigenen Läden trugen nach Auskunft von Vorstandschef Claus-Dieter Lahrs im 1. Halbjahr mit 52,2% zum Konzernumsatz bei und ermöglichten einen, auf das Halbjahr bezogenen, Konzerngewinn von +135 Mio. Euro.

Für das 2. Halbjahr geht die Konzernspitze von weiter steigenden Erlösen und einem parallel dazu steigenden Gewinn aus.

Nach guten Zahlen steigt der Aktienkurs wieder

Gute Zahlen und steigende Gewinne, das ist es, was wir Börsianer hören und sehen wollen.

Und so zieht der Aktienkurs von Hugo Boss (WKN A1PHFF, Ticker BOSS) mit der Bekanntgabe der Zahlen wieder an. Nachdem er im Juni diesen Jahres in Erwartung schlechter Zahlen deutlich gefallen war.

Schauen wir auf den Chart, gibt es aus Sicht der Point&Figure-Charttechnik allerdings noch keine Entwarnung für die Hugo Boss-Aktie oder gar ein klares Kaufsignal.

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(anklicken zum Vergrößern)

Sie sehen es im Bild an dem roten Kreis, der Wert notiert in einem intakten Point&Figure-Verkaufssignal, die Aktie notiert unterhalb einer abwärts gerichteten Trendlinie.

Das Kursziel, das mir meine Chartsoftware hierbei errechnet, beträgt 62,00 € und birgt beim aktuellen Kurs von 90,20 € noch ein erhebliches Abwärtspotential.

Doch deshalb stelle ich Ihnen die Hugo Boss-Aktie heute nicht vor, für mich ist sie keineswegs ein Kandidat zum Aufbau von Short-Positionen.

Denn der geübte Chartleser sieht es auch ohne meine Hilfe, steigt der Aktienkurs auf 91,00 € war es das mit dem Verkaufssignal, im Point&Figure-Chart ist ein Kaufsignal entstanden, das höhere Kurse signalisiert.

Doch Vorsicht beim Einstieg, denn trotz der Kurschancen gibt es auch Risiken zu berücksichtigen. Und die liegen bei dem zu wählenden Stopp für den Fall, dass das potentielle Kaufsignal sich als Fehlsignal erweisen sollte.

Denn der müsste nach Point&Figure unter dem Tief der letzten O-Säule und damit bei 80,00 € liegen.

Ob Sie dies dann noch als ein Investment mit gutem Chance-Risiko-Verhältnis erachten, muss ich Ihnen überlassen.

Ich jedenfalls schaue für meine Leser des Point&Figure-Trader nach besseren Trades, mit besserem Chance-Risiko-Verhältnis.

Wer sich für die Aktie interessiert, die ich gerade heute Morgen meine Lesern empfohlen habe, sollte sich rasch ein Abonnement sichern und mir seine ihm zugeteilte Kunden-Nummer mitteilen.

Die entsprechende Kaufempfehlung maile ich Ihnen dann kurzfristig zu.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.