Humira-Patent abgelaufen: Preisschlacht im Pharmasektor

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Für das erfolgreichste Rheumamittel der Welt dürfen jetzt Generika vertrieben werden. Pharmafirmen, Krankenkassen und Patienten jubeln. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Es ist so etwas wie ein Jackpot in der Pharmabranche, wenn es einem Unternehmen gelingt, einen neuartigen Wirkstoff oder Therapieansatz zu entwickeln und bis zur Zulassung durch die zuständigen Behörden zu bringen, der alle bisherigen Medikamente in den Schatten stellt und fortan für ein paar Jahre als Blockbuster Milliardenbeträge in die Firmenkassen spült – solange, bis der Patentschutz abläuft.

Genau das ist vor wenigen Tagen geschehen mit Humira, einem der umsatzstärksten Medikamente der Welt. Das Rheumamittel wurde vom US-Pharmakonzern AbbVie entwickelt und von diesem bislang exklusiv vermarktet – zu entsprechend hohen Preisen.

In Europa ist damit nun Schluss, der Patentschutz ist vorbei und die Konkurrenz stand schon lange in den Startlöchern. Umgehend wurden drei Nachahmerprodukte, sogenannte Generika, am Markt platziert und weitere werden wohl in absehbarer Zeit folgen.

Humira-Patent läuft aus: Konkurrenz steht bereit

Fresenius Kabi beispielsweise plant die Zulassung seines Humira-Biosimilar im ersten Halbjahr 2019, das entsprechende Genehmigungsverfahren läuft bereits seit Dezember 2017. Weltweit forschen rund 30 Firmen an Humira-Nachfolgern.

Wie hart umkämpft das Segment ist, zeigt sich im massiven Preiskampf, den sich die Generikaanbieter liefern. Während Produkte von Amgen oder Sandoz mit 18 beziehungsweise 21 Prozent unter Originalpreis Rabatte in üblicher Größenordnung gewähren, greift der US-Konzern Biogen mit einem Kampfpreis von 40 Prozent unter Original an.

Für die Gesundheitssysteme ergeben sich dadurch deutliche Einsparpotenziale, die allerdings relativiert werden dürften durch den Umstand, dass günstigere Medikamente öfter verordnet werden als teure Therapien. Eine gute Nachricht ist das Ende des Patentschutzes somit vor allem für Rheumapatienten, die künftig einfacher Zugang zu dem höchst erfolgreichen Therapieansatz bekommen dürften.

Am US-Markt weiterhin geschützt

Während in Europa also bereits Goldgräberstimmung herrscht, müssen Pharmaunternehmen am US-Markt noch eine Weile die Füße stillhalten. Dort hat AbbVie eine komplexe Mauer aus Patentgeflechten um sich und sein Präparat errichtet, sodass der Schutz womöglich erst im Jahr 2023 ausläuft.

Für AbbVie ein fairer Kompromiss, immerhin werden rund zwei Drittel des Humira-Umsatzes am Heimatmarkt USA erzielt, da kann man den ebenfalls attraktiven europäischen Markt schon mal etwas leichter der Konkurrenz überlassen.

Seit der Markteinführung im Jahr 2002 hat AbbVie mit Humira einen Gesamtumsatz von stolzen 123 Milliarden US-Dollar erzielt. Damit zählt das Mittel zu den kommerziell erfolgreichsten Medikamenten überhaupt.

Bei AbbVie-Anlegern kam das Ende des Humira-Patents gar nicht gut an, die Aktie verzeichnete zuletzt ein deutliches Minus und notiert auf Monatssicht rund 10 Prozent schwächer bei etwa 82 Dollar.

Unter den Wettbewerbern hat der Konkurrenzkampf gerade erst begonnen. Er dürfte den Preis für das Rheumamittel in den kommenden Jahren deutlich sinken lassen. Welcher Anbieter sich hier langfristig als Marktführer wird durchsetzen können, ist derzeit noch offen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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