Hypoport-Aktie: Höhenflug des Immobilien-Vermittlers kennt keine Grenzen

Aktien frühzeitig zu entdecken bevor der die breite Masse auf die Unternehmen aufmerksam wird, ist wohl die Königs-Disziplin der Geldanlage.

Wenn Sie dann die Geduld zeigen und abwarten können bis sich ein Geschäftsmodell voll entfaltet oder Sie von einem Sonderboom profitieren, dann können Sie hohe Gewinne einfahren.

So auch bei dem deutschen Unternehmen Hypoport, das seit Anfang 2015 regelrecht explodierte: Der Preis der Anteilsscheine schoss von 12,5 € auf zuletzt über 90 € in die Höhe.

Größter Marktplatz für Immobilien-Vermittlungen in Deutschland

Die 1999 gegründete Gesellschaft ist auf die Immobilienfinanzierungs-Vermittlung spezialisiert. Mit „Europace“ betreibt Hypoport unterdessen die größte deutsche Internet-Plattform für Immobilien-Finanzierungen und ähnliche Produkte.

Unter der Marke Dr. Klein betreibt Hypoport ein Franchise System von stationären Beratern.  Auch im Bereich institutioneller Immobilien-Finanzierung ist Hypoport (ebenfalls unter der Marke Dr. Klein) führend positioniert.

Erreichte Größe stellt Wettbewerbs-Vorteil dar

Der von Hypoport betriebene online Marktplatz für Immobilien-Finanzierungen (Europace) ist der größte dieser Art in Deutschland.

Da für Marktplätze dieser Art die Anzahl der angeschlossenen Anbieter entscheidend ist, bildet dies einen zentralen Wettbewerbs-Vorteil und eine ganz erhebliche Markteintritts-Barriere für Dritte.

Die Geschäfts-Segmente der Markte Dr. Klein (Privatkunden und institutionelle Kunden) profitieren vom Marktzugang über Europace aber auch von der jahrelangen Erfahrung im Bereich Immobilien-Finanzierung.

Dr. Klein ist regional präsent (200 Filialen) und kann so eine besondere Kundennähe darstellen.

Weiteres Wachstum im 1. Halbjahr

Kürzlich haben die Berliner ihre vorläufigen Geschäftszahlen präsentiert. Demnach wird ein Umsatz von etwa 73 Mio. € (Vorjahr 67,5 Mio. €) und ein Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 11 Mio. € erwartet.

Das Vorsteuer-Ergebnis EBIT konnte somit gegenüber dem Vorjahres-Zeitraum um 20% – und damit überproportional zum Umsatz – ausgebaut werden (Vorjahr 9,1 Mio. €).

Im gesamten Geschäftsjahr 2015 kam Hypoport bei einem Umsatz von 139 Mio. € und einem EBIT von 19,26 Mio. € auf ein Ergebnis je Aktie von 2,63 €.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass für 2016 ein Ergebnis von 3 € je Aktie oder sogar leicht darüber erreicht werden könnten.

Niedrige Zinsen befeuern das Geschäft

Während die Banken angesichts niedriger Zinsen und fehlender Zinsspanne am kämpfen sind, baut Hypoport das Geschäft profitabel aus.

Das Geschäftsmodell des Berliner Unternehmens wird hierdurch eher beflügelt- denn niedrige Zinsen kurbeln die Nachfrage im Hypotheken-Bereich naturgemäß deutlich an.

Hieran dürfte auch die neu eingeführte Wohnimmobilienkredit-Richtlinie (WIKR) nicht viel ändern. Die WIKR ist eine EU-Richtlinie, die Hypotheken-Kreditgeber dazu verpflichtet, eine verschärfte Kreditwürdigkeits-Prüfung (insbes. Softfaktoren) vorzunehmen.

Diese wurde im Q1 in deutschen Markt verpflichtend und erforderte Umstellungen im Prozess der Kredit-Vergabe.

Bewertung sehr ambitioniert

Nach dem rasanten Höhenflug erscheint die Aktie auf den ersten Blick keinesfalls mehr günstig zu sein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei fast 30. Der Börsenwert ist auf über 550 Mio. € gestiegen.

Das Geschäft über die Plattform ist zwar extrem gut skalierbar und das Modell bewährt, aber mit einem Kursverlauf wie in den vergangen Quartalen sollten Sie besser nicht mehr rechnen.

Fraglich ist auch, was passiert, wenn der Immobilien-Hype abebbt oder die Zinsen doch einmal steigen sollten…

26. Juli 2016

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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