IAA: Autobranche im Umbruch

Volkswagen RED – shutterstock_530465854 Cineberg

Zur IAA präsentieren die Autobauer ihre neuesten Elektromodelle, doch auch die sind womöglich kein Heilsbringer. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

In Frankfurt läuft dieser Tage die Internationale Automobilausstellung. Doch die einstige Prestigeveranstaltung zeigt in diesem Jahr eine Branche auf Richtungssuche, die fast aus der Zeit gefallen scheint.

Anstatt sich im Glanz von PS-starken Spritschluckern zu sonnen, werden die Hersteller derzeit vor allem zu einem alles überlagernden Thema befragt: Wie weit seid ihr mit der Umstellung auf alternative Antriebsformen? Wie viele Elektroautos werdet ihr bis wann in die Flotte aufgenommen haben?

Die Stimmung kippt

Zwar haben die Autobauer in den letzten Jahren nachgerüstet und hastig eine Elektrifizierung ihrer Fahrzeuge bis in die frühen 2020er Jahre angekündigt, doch es wirkt fast, als fühlten sie sich überrumpelt von der politischen und gesellschaftlichen Klimadebatte.

Jahrzehntelang konnte sich Deutschlands Exportbranche Nummer eins darauf verlassen, dass die Regierung in Berlin, ganz gleich welcher Couleur, ihr den Rücken freihält. Es geht immerhin um Arbeitsplätze. Da hat sich schon so mancher Spitzenpolitiker mit Verve in Brüssel verbogen, um die ambitionierten Klimaschutzziele nicht allzu hart auf die deutschen Autobauer zurückfallen zu lassen.

Autobranche mit Gegenwind konfrontiert

Doch die Zeiten sind vorbei. Klimawandel und Umweltschutz nehmen eine immer dominantere Rolle ein. Der Dieselskandal bei VW, der vor vier Jahren aufflog und nur der Anfang einer ganzen Reihe von Manipulationsvorwürfen rund um geschönte Emissionswerte war, hat tiefe Kratzer im Lack der Hochglanzbranche hinterlassen.

Hinzu kommen Fahrverbote für ältere – und gar nicht mal so alte – Dieselfahrzeuge in immer mehr Großstädten und neuerdings eine Diskussion um die Existenzberechtigung der bei Kunden sehr beliebten SUV-Fahrzeuge im Cityverkehr.

Volkswagen RED – shutterstock_530465854 Cineberg

Die 10 wirklich sparsamsten Autos (Diesel)Diesel-Autos mit geringem Verbrauch: Volkswagen und Audi stellen die sparsamsten Diesel-Autos. › mehr lesen

E-Autos – doch nicht des Rätsels Lösung?

Aber auch der politisch seit Jahren forcierte Umstieg auf Elektroantriebe scheint noch nicht die Lösung aller Probleme zu bieten. Zum einen ist die Klimabilanz der E-Autos mit Blick auf die Produktion der Batterien weniger gut als sie auf den ersten Blick zu sein scheint: Man müsste eine mindestens fünfstellige Anzahl von Kilometern mit dem E-Flitzer zurücklegen, ehe dieser unterm Strich tatsächlich klimafreundlicher ist als ein Benziner oder Diesel.

Zum anderen sind auch die Kunden nach wie vor skeptisch in Sachen Umstieg. Zwar hat sich die Reichweite der Elektromotoren mittlerweile verbessert, doch die im Vergleich zum gewohnten Tanken immer noch recht langen Akkuladezeiten und die bislang schwach ausgebaute Ladeinfrastruktur, gerade im ländlichen Raum, schrecken nach wie vor viele potenzielle Käufer ab.

Richtungssuche dauert an

Doch die Zeit drängt: Mehrere EU-Staaten haben bereits einen Zulassungsstopp für Verbrennungsmotoren innerhalb der kommenden 20 Jahre angekündigt. Wenn der Komplettumstieg bis dahin gelingen soll, werden nicht nur die Hersteller, sondern auch die für den notwendigen Infrastrukturausbau zuständigen Politiker in den kommenden Jahren einiges investieren müssen, um Defizite der vergangenen ein bis zwei Jahrzehnte aufzuholen.

All das zeigt: Die Richtungssuche ist noch lange nicht beendet, sie fängt gerade erst an. Welche Autobauer dabei letztlich als Gewinner und welche als Verlierer der Technologietransformation hervorgehen werden, bleibt abzuwarten.

Automobilaktien legen kräftig zu

An den Märkten ist die Stimmung gemischt: Alle drei im Dax vertretenen Autobauer konnten in den vergangenen Wochen Boden gutmachen, doch die Aktien von Daimler und BMW bewegen sich auf Jahressicht nach wie vor zweistellig im Minus. Lediglich die Volkswagen Aktie kann punkten, hat aber in den vergangenen Monaten eine rasante Berg-und-Tal-Fahrt hingelegt.

Unterm Strich sind Automobilaktien zurzeit nichts für schwache Nerven.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.