IAG legt Aer Lingus-Offerte vor: Ryanair dürfte annehmen

Ein halbes Dutzend mal hat Ihnen der Übernahme-Sensor schon vom irischen Luftfahrtkonzern Aer Lingus berichtet. Die ersten Übernahme-Berichte sind am Samstag exakt 3 Jahre alt.

Damals – im Juni 2012 schrieb ich Ihnen unter der Überschrift „Ryanair, Etihad oder doch kein Deal – Was wird aus Aer Lingus“, dass ein Deal mit beiden Bietern vermutlich nicht zu Stande kommt.

Nach langem hin und her war dann auch im Frühjahr 2013 der Übernahme-Versuch durch Ryanair endgültig gescheitert. Es dauerte anderthalb Jahre, bis das Thema wieder aktuell wurde. Diesmal allerdings nicht mit Ryanair oder Etihad auf der Käuferseite, sondern mit der British Airways Mutter IAG.

Lange Zeit war unklar, ob es mit einem Deal klappt oder nicht. Erst nachdem die Politik und die Gewerkschaft dem Bieter zwei Preis-Nachbesserungen und Job-Garantien abringen konnten, wurde ein Deal wahrscheinlich.

Inzwischen kann man sogar sagen, dass es danach aussieht, als wenn Aer Lingus nach 9 Jahren als Übernahme-Kandidat wirklich übernommen wird. Das letzte Wort ist zwar immer noch nicht gesprochen – doch nie war ein Deal näher.

Großzügiges Angebot dürfte hohe Annahme-Quote nach sich ziehen

Heute hat IAG offiziell ein Übernahme-Angebot vorgelegt. Die Offerte liegt mit 2,55 Euro je Aktie zwar leicht unterhalb der ersten Offerte aus dem Jahr 2006 – doch das war vor der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise.

2012 war die Aer Lingus-Aktie für 1 Euro zu haben und selbst im Vorjahr war das Papier zwischenzeitlich nur die Hälfte wert. Dass das Angebot großzügig ist, wird nicht angezweifelt.

Dementsprechend große Zustimmung wird auch auf der Aer Lingus-Aktionärsversammlung erwartet. Der Verwaltungsrat der Iren empfiehlt die Angebotsannahmen und auch der irische Staat hat bereits angekündigt, seinen 25,1%-Anteil abzugeben.

Deal hängt von der Zustimmung Ryanairs ab

Die letzte Unsicherheit ist Ryanair. Der direkte Aer Lingus-Konkurrent verfügt über einen Anteil von knapp unter 30%. „Ausgerechnet Ryanair“ möchte man denken. Die Airline die 3 Mal mit einer Übernahme-Offerte scheiterte soll jetzt für den Erfolg eines anderen Bieters sorgen.

Das riecht nach strategischer Entscheidung und Ablehnung. Also doch wieder nichts mit einer Aer Lingus-Übernahme? – Doch! Der Übernahme-Sensor rechnet mit einem Deal.

Ryanair hat gute Gründe, das Angebot anzunehmen

Nicht weil Ryanair es kaum abwarten kann, die Anteile an IAG abzugeben – sondern weil ansonsten ein juristisches Hickhack über den 30%-Anteil weitergeht. Denn die Wettbewerbsbehörden haben nicht nur entschieden, dass Ryanair Aer Lingus nicht übernehmen darf, sondern auch, dass der Einfluss des Konkurrenten zu groß ist.

Ryanair wurde aufgefordert, den Anteil zu verringern. Erst in der Vorwoche wurde von der nächsthöheren Instanz die ursprüngliche Entscheidung bestätigt. Ryanair soll den Anteil auf 5% zurückfahren. Das Unternehmen kündigte zwar an, dagegen Einspruch einzulegen, doch ist es fraglich ob das oberste Gericht sich mit dem Fall befassen wird.

Das muss Ryanair berücksichtigen. Selbst wenn sich das Gericht damit befasst, besteht das hohe Risiko, dass die Entscheidungen der beiden unteren Instanzen bestätigt werden.

Wenn dann das Übernahme-Angebot weg ist, wird wohl kaum ein Preis von 2,55 Euro je Aktie zu erlösen sein. Mit anschließend 5% der Aer Lingus-Anteile muss Ryanair zudem damit rechnen, dass Aer Lingus dann trotzdem übernommen wird.

Am einfachsten ist also die Abgabe der Anteile an Bieter IAG. Vielleicht wird Ryanair noch irgendeine Seiten-Vereinbarung treffen können, dafür das der Anteil abgegeben wird. Dann aber ist eine Aer Lingus-Übernahme nach 9 Jahren endlich durch.

19. Juni 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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