IBM-Aktie: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

IBM RED_shutterstock_157995017_JuliusKielaitis

IBM-Aktie: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Trendwende hält vorerst an. Analysten trotz günstiger Bewertung skeptisch (Foto: Julius Kielaitis / shutterstock.com)

Gerade hatte der US-Konzern IBM seine Bücher geöffnet und sein Zahlenwerk für das abgelaufene zweite Quartal präsentiert. Die Erwartungen der Anleger konnte „Big Blue“ zwar schlagen und die Aktie reagierte mit einem deutlichen Kursplus von über 4%. Doch die Langfristbilanz bleibt weiterhin desaströs.

Der andauernde Konzernumbau hat kräftig Körner gekostet. Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre liegen die Papiere satte 16% im Minus, während der Index für US-Technologieaktien Nasdaq von einem Rekordhoch zum nächsten eilt. Für Sie zum Vergleich: Der Nasdaq konnte im gleichen Zeitraum um beeindruckende 117% an Wert gewinnen.

Wie geht es mit der Umstrukturierung voran? Kann IBM wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren? Wie schätzen die Analysten die Zukunft ein?

Strategieschwenk beginnt langsam zu greifen

Zugegeben, es ist ein gigantisches Projekt: Firmenchefin Ginni Rometty versucht IBM umzukrempeln und fit für die Zukunft zu machen. Sie konzentriert sich auf gewinnträchtigere Bereiche wie Cloud-Dienste, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit, um Rückgänge bei den Software- und Computer-Verkäufen auszugleichen.

Mittlerweile mit Erfolg. Inzwischen steuert der ehemalige Kernbereich, die Hardware für Computer nur noch gut 10% zu den Gesamterlösen bei. Nach jahrelangem Umsatzschwund konnte der Technologiegigant zum Jahresbeginn erstmals seit knapp sechs Jahren wieder ein Wachstum erzielen. Im zweiten Quartal hat IBM zur Freude der Investoren daran anknüpfen können.

20 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal

Ein Blick in das jüngste Zahlenwerk lohnt sich: Der Umsatz kletterte wieder leicht um 3,6% auf 20 Milliarden Dollar nach oben. Ähnlich zeigte sich die Gewinnentwicklung mit einem Zuwachs von 3% auf 2,4 Milliarden Dollar. Die Aufteilung der Geschäfte zeigt Ihnen, wie breit der Konzern mittlerweile aufgestellt ist.

IBM RED_shutterstock_789278077_Laborant

Bei diesen Aktien ist Warren Buffett neu eingestiegenDie Auflistung der Aktienpositionen von Warren Buffett ist spannend. Aktuell ist er neben IBM bei fünf weiteren Firmen eingestiegen. › mehr lesen

So haben Softwareprodukte 4,58 Milliarden Dollar (23% der Gesamterlöse), Beratungsdienste 4,2 Milliarden (21% der Gesamterlöse) und das Cloud-Segment 4,7 Milliarden Dollar (23,5% der Gesamterlöse) erwirtschaftet. Vor allem das Geschäft mit der Cloud zeigte mit einem Umsatzplus von 20% ein ordentliches Wachstum.

Überraschend stark (Umsatz +25% auf 2,18 Milliarden Dollar) entwickelte sich auch der einstige Problembereich „Systems“, zu dem sowohl die Hardware-Plattformen als auch die Betriebssysteme zählen. Hier waren die Analysten im Vorfeld nur von 1,85 Milliarden Dollar ausgegangen. In der hochprofitablen Softwaresparte enttäuschte der Konzern allerdings. Hier hatten die Marktteilnehmer im Vorfeld ein stärkeres Abschneiden erwartet.

Warren Buffetts Geduld am Ende

Auch wenn langsam die Transformation zu greifen beginnt, hat der Starinvestor Warren Buffett mittlerweile seine Geduld verloren. Über sechs Jahre hielt er an der Position fest – zeitweilig war das IBM-Papier eines seiner größten Depotwerte. Doch seit dem ersten Quartal 2017 hat die Legende aus Omaha mit dem Abverkauf begonnen. Im ersten Quartal 2018 verkaufte Buffett seine letzten Stücke und realisierte unter dem Strich einen Verlust von 14% mit diesem Investment.

Aktie optisch ausgesprochen günstig

Wie geht es nun weiter? Auf den ersten Blick wirkt die Aktie extrem günstig. Auf Grund permanenter Aktienrückkäufe ist die Aktienanzahl deutlich gesunken und der Gewinn je Anteilsschein nach oben geklettert. Für das nächste Jahr erwarten die Analysten einen Gewinn je Aktie von 14,08 Dollar. Damit ergibt sich Kurs-Gewinn-Verhältnis von gerade einmal 10.

Zugleich zahlt Big Blue eine satte Dividende. Zuletzt lag die Quartalsdividende bei 1,50 Dollar. Auf das Jahr hochgerechnet sind das 6 Dollar, was einer aktuellen Dividendenrendite von immerhin 4% entspricht. Ähnlich attraktiv sehen die Parameter aber seit Jahren aus, was der Aktie bislang wenig geholfen hat.

Gemischtes Bild bei den Experten

Skeptisch zeigen sich trotz der optisch günstigen Bewertung auch die Experten. Von 23 Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigen, stufen lediglich 8 die Papiere als Kauf ein. Mit 13 Experten votiert die Mehrheit zum Halten der Papiere, während 2 Banker die Aktie sogar auf dem aktuellen Niveau noch als Verkauf einstufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 165,31 Dollar rund 10% über dem aktuellen Kursniveau.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Alle_Sujets_Portrait_1-31_WEB_Muehlhoff
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.