IBM-Aktie: IT-Riese nach Zahlen weiter im Rückwärtsgang

Warum sich IBM-Anleger weiter auf schwierige Zeiten einstellen müssen und mehr zum Konzern, all das erfahren Sie in diesem Beitrag: (Foto: Laborant / shutterstock.com)

Und täglich grüßt das Murmeltier… Bei dem IT-Giganten IBM erleben Anleger im Moment ein Déjà-vu nach dem anderen.

Die gerade vorgelegten Zahlen machen eines deutlich:

Der Konzern-Umbau hin zum Wachstums-Geschäft mit künstlicher Intelligenz, Big Data Analyse, Cloud Computing und Cyber-Sicherheit gestaltet sich deutlich schwieriger und v. a. langwieriger als gedacht.

Der Aktienkurs spricht eine deutliche Sprache: Nach dem satten Kurs-Minus von über 4% nach den Zahlen liegen die Papiere seit Jahresbeginn bereits 12% hinten.

WDies geschieht wohlgemerkt in einer Zeit, in der die US-Märkte von einem Hoch zum nächsten geeilt sind.

Immerhin konnten der Nasdaq-Index im gleichen Zeitraum um 17% und sogar der auf große Unternehmen fokussierte S&P 500-Index um 9% an Wert zulegen.

21 Quartale mit sinkenden Umsätzen

Die nackten Zahlen sind beeindruckend und machen deutlich, wo die Reise hingeht.

Denn auch nach sage und schreibe 21 Quartalen mit rückläufigen Erlösen ist ein Ende noch nicht absehbar:

Die Umsätze purzelten immerhin um 5% auf 19,3 Mrd. Dollar. Im Gegenzug sank der Gewinn auf 2,3 Mrd. Dollar, was einem Rückgang von 7% entspricht.

Cloud-Geschäft enttäuscht

Besonders enttäuschend war, dass sich nicht nur das Wachstum im alten Kerngeschäft mit Großrechnern, sondern auch in den Zukunftsmärkten verlangsamt hat.

So stiegen die Erlöse im Geschäft mit der Cloud, künstlicher Intelligenz und Sicherheits-Software nur noch um 5%.

Bisher waren die Anleger in dieser Sparte noch mit 2-stelligen Zuwachsraten verwöhnt worden. Zusätzlich musste der Konzern Gegenwind durch den starken Dollar verkraften.

Da der IT-Gigant den Großteil seiner Erlöse außerhalb der USA erzielt, sinken die Auslands-Einnahmen nach Umrechnung in die Heimat-Währung.

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Konkurrenz drückt aufs Geschäft

Besonders das Geschäft mit flexiblen Cloud-Lösungen gilt unter Experten als struktureller Wachstumsmarkt.

Denn der Trend ist ungebrochen: Die Konzerne nutzen immer weniger klassische Software. Gesucht sind Anwendungen, die auf Servern fernab vom Kunden laufen.

Aber auf Grund des hohen Absatz-Potenzials sieht sich IBM in diesem Bereich mit zahlreichen Konkurrenten konfrontiert.

Denn in diesem Geschäft mischen Rivalen wie Amazon, Microsoft, Oracle und auch die deutsche SAP kräftig mit.

Konzernführung hält an Jahreszielen fest

Trotz des schwachen Quartals hält die Konzernführung von IBM an seinen Zielen für das laufende Geschäftsjahr fest.

Der Konzern stellt unverändert einen bereinigten operativen Gewinn von mind. 13,8 Dollar pro Aktie in Aussicht.

Damit sieht die Aktie auf den ersten Blick mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp über 10 verhältnismäßig günstig aus.

Auch Warren Buffett hat genug

Sogar der Star-Investor Warren Buffett scheint langsam die Nase voll zu haben.

Er war bereits vor über 5 Jahren bei IBM eingestiegen und hatte seine Position bis zum 4. Quartal 2016 noch ausgebaut.

Mit einem Einstiegskurs von durchschnittlich 171 Dollar pro Aktie liegt die Investment-Legende gut 14% im Minus.

Offenbar hat aber auch die Geduld des als extrem langfristig denkenden Investors jetzt ein Ende:

In den vergangenen Monaten hat Buffett seine Position um mehr als 1/5 zurückgefahren.

Ob der Umsatz-Schwund schnell gestoppt und der Kursrückgang alleine durch Aktienrückkäufe aufgefangen werden kann, darf im Moment stark bezweifelt werden.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.