IBM-Aktie: Milliarden-Deal für Supercomputer Watson treibt Neuausrichtung voran

E gibt wenige Megakonzerne, an denen die positive Börsenentwicklung der vergangenen Jahre so spurlos vorbeigegangen ist wie an IBM. Denn mit einem Kursverlust von über 20% in den letzten fünf Jahren liegt die Aktie des weltweit größten Anbieters von Hardware, Software und Dienstleistungen im IT-Bereich weit abgeschlagen hinter dem Gesamtmarkt (S&P 500 Index: +45%).

Auf Grund des starken Kursverfalls gibt es aber auch immer mehr Anleger, die in den Papieren deutliches Potenzial sehen. Immerhin wird IBM an der Börse gerade einmal mit dem knapp 10-Fachen der erwarteten Gewinne bezahlt. Auch die Dividendenrendite von immerhin 4,3% kann sich für einen Technologiekonzern durchaus sehen lassen.

Seit fünf Jahren rückläufige Erlöse – Gewinnrendite aber stabil

Beim ersten Blick in die Historie lässt sich erahnen, warum bei IBM die Skeptiker so zahlreich vertreten sind. Seit 2011 sind die Erlöse rückläufig. Wurde damals noch ein Jahresumsatz von fast 107 Milliarden Dollar erwirtschaftet, so waren es im vergangenen Geschäftsjahr „nur“ noch 81,7 Milliarden Dollar. Nicht vergessen sollten Sie aber, dass unterm Strich immer noch ordentlich die Kasse klingelt.

Denn die Gewinnmarge lag zuletzt bei 16,14% und damit auf dem zweitbesten Niveau seit 2001. Nur in 2013 lag die Nettorendite mit 16,76% noch leicht höher. Unterm Strich fielen damit Gewinne von 13,19 Milliarden Dollar an.

Kerngeschäft schmilzt ab

Wie viele andere internationale Konzerne aus den USA leidet auch IBM unter dem starken Dollar, der sich negativ auf die Gewinne auswirkt. Außerdem muss der Tech-Riese mit sinkenden Hardware- und Softwareerlösen kämpfen.

Zwar engagiert sich IBM auch erfolgreich in den Bereichen Cloud und Analytics, doch das Wachstum ist nicht groß genug, als dass es die Rückgänge in den anderen Segmenten auffangen könnte.

IBM setzt auf Supercomputer Watson

Unterdessen baut der US-Konzern seine Stellung im Gesundheitsmarkt weiter aus. Mit der Übernahme von Truven Health Analytics für 2,6 Milliarden Dollar wird der hauseigene Supercomputer zum virtuellen Arztassistent ausgebaut. Die Übernahme bringt unter anderem Krankheitshistorien von rund 215 Millionen Patienten mit in das IBM-Portfolio.

Anhand von Informationen über Diagnosen, Therapien, Rechnungen und Behandlungserfolgen soll die Watson-Technologie für den Gesundheitsbereich verbessert werden. Damit erweitert IBM die Patientendaten massiv. Rund 95 Millionen Krankheitsgeschichten waren bereits beim Zukauf von Explorys und Phytel im April vergangenen Jahres in den Besitz von IBM gelangt.

Der Supercomputer Watson ist mittlerweile ein selbst lernendes Computersystem, dass sich permanent verbessert, die menschliche Sprache versteht und bereits in der Krebsdiagnose eingesetzt wird. Während beispielsweise Radiologen minutenlang für die Auswertung von Röntgenbildern benötigen, schafft dies Watson innerhalb von Sekundenbruchteilen. Auch im Finanzbereich wird der Computer bereits eingesetzt.

Warren Buffett setzt weiter auf IBM

Seit dem zweiten Quartal 2011 hat die Investmentlegende Warren Buffett bereits begonnen, IBM-Aktien am Markt aufzukaufen. Mittlerweile hat der Starinvestor 11 Milliarden Dollar in den Technologiekonzern gesteckt.

Damit hält Buffett 8,35% aller ausstehenden IBM-Anteile. Im Portfolio von Warren Buffett ist IBM mittlerweile die viertgrößte Position. Über alle Käufe hinweg liegt die Investmentikone mit der Aktie aktuell noch gut 23% im Minus.

Es bleibt also weiter spannend. Der jüngste Zukauf geht mit Sicherheit in die richtige Richtung. IBM muss die sinkenden Erlöse des traditionellen Kerngeschäfts kompensieren. Von dem Gelingen dürfte auch die Entwicklung des Aktienkurses entscheidend abhängen.

22. Februar 2016

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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