IBM-Aktie: Trendwende lässt weiter auf sich warten

Die IBM-Aktie ist nach schwachen Zahlen weiter unter Druck. Trotz Umsatzanstieg sind die Gewinne rückläufig. (Foto: Laborant / shutterstock.com)

Die Technologieikone hat es wieder einmal geschafft. Mit den gerade vorgelegten Zahlen hat Big Blue seine Anleger abermals enttäuscht. Der Aktienkurs sackte direkt nach den Zahlen um über 7,5% in den Keller. Damit wurden gut 11 Milliarden Dollar Börsenwert innerhalb weniger Stunden vernichtet. Auch die langfristige Entwicklung ist erschreckend. Auf Sicht der letzten fünf Jahre liegen die Papiere mit 22% im Minus. Für Sie zum Vergleich: Der marktbreite S&P 500 Index, der die 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst, legte im gleichen Zeitraum um mehr als 75% zu.

Zweites Quartal mit Umsatzplus

Das ist die gute Nachricht. Denn nachdem die Umsätze über mehrere Jahre rückläufig waren, zeigt der Technologiekonzern nun das zweite Quartal in Folge wieder ein leichtes Wachstum. Unter dem Strich kletterten die Erlöse um 5% auf 19,1 Milliarden Dollar nach oben.

Sie müssen wissen: IBM versucht bereits seit fast sechs Jahren, seine schwindenden Geschäfte im Computer-Kerngeschäft zu kompensieren. Dabei positioniert sich der Konzern auf Trendthemen wie Cloud-Computing, Cybersicherheit, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz. Mittlerweile machen die neuen Geschäftsbereiche 47% der Gesamterlöse aus.

Konzernumbau verschlingt massig Geld

Dennoch zeigten sich die Anleger unzufrieden. Das lag vor allem an der schwachen Entwicklung des Nettogewinns, der sich im Jahresvergleich um 4% reduzierte. Die Bruttomarge sank von 44,5% auf 43,7%. Finanzvorstand James Kavanaugh begründete den Rückgang mit hohen Investitionen und einer Sonderabschreibung in Höhe von 610 Millionen Dollar.

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Schwacher Ausblick sorgt für Unmut

Zugleich hatten sich die Anleger offenbar mehr Optimismus bei dem Ausblick des Konzerns erhofft. Fehlanzeige: Für 2018 stellte der weltgrößte IT-Dienstleister einen bereinigten Gewinn je Aktie in Höhe von mindestens 13,80 Dollar in Aussicht und blieb damit unter den Erwartungen der Analysten.

Warren Buffett schmeißt das Handtuch

Auch Warren Buffett hat die Geduld mittlerweile verloren. Der Starinvestor fing bereits im ersten Quartal 2012 mit dem Aufbau der Position an. In der Spitze (Q1 2016) hielt Buffett 81,23 Millionen Aktien, was immerhin 12,3 Milliarden Dollar und damals 9,57% seines Gesamtportfolios ausmachte.

Mittlerweile hat die Investmentlegende die Position nahezu komplett abgebaut. Buffett hält nur noch 2,04 Millionen IBM-Papiere. Damit stecken nur noch 0,16% der gesamten Vermögenswerte in der IBM-Aktie. Mit seinen Verkäufen realisierte Buffett bislang einen Verlust in Höhe von 14%.

Aktie optisch günstig

Nach dem kräftigen Kursrutsch handelt die IBM-Aktie nur noch mit dem 11-Fachen des erwarteten Jahresgewinns. Zugleich liegt die Dividendenrendite bei fast 4%. Ob sich daraus allerdings eine interessante Einstiegsgelegenheit mit Fokus auf zukünftige Megatrends ableitet, wird sich erst noch zeigen müssen. Die Anleger haben ihr Urteil vorerst gefällt und scheinen noch nicht an eine nachhaltige Trendwende zu glauben.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.