IBM-Aktie: Technologieriese beendet Negativserie – Aktie kommt trotzdem nicht vom Fleck

Technologieriese stoppt Negativserie. Konzernumbau trägt erste Früchte. Warum die Aktie trotzdem nicht aus den Startlöchern kommt. (Foto: Laborant / shutterstock.com)

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch wenn sich die Anleger an die Negativserie schon fast gewöhnt haben dürften, zog der Aktienkurs im Vorfeld der Zahlen an. Seit 23 Quartale leidet IBM an sinkenden Umsätzen. Daran konnte auch der Konzernumbau bislang wenig ändern. Sie müssen wissen: IBM versucht schon lange, die Schwäche im Computer-Kerngeschäft mit moderneren IT-Dienstleistungen wie Cloud-Services, Daten-Analyse, künstlicher Intelligenz und Sicherheits-Software zu überwinden.

Jetzt beginnen die Bemühungen offenbar erste Früchte zu tragen. Das IT-Urgestein konnte erstmals seit nunmehr fast sechs Jahren seine Erlöse steigern. Dem Aktienkurs hat die Transformation bislang jedenfalls nicht geholfen. Auf Sicht der vergangenen 12 Monate notieren die Papiere noch leicht im Minus während der breite Aktienmarkt ein Rekord nach dem anderen knackt.

Erstes Umsatzplus seit knapp 6 Jahren

Lassen Sie uns aber erst einmal das Zahlenwerk im Detail betrachten. Der Umsatz legte im vierten Quartal um 3,6% auf 22,54 Milliarden Dollar zu. Der erste Zuwachs seit nunmehr fast sechs Jahren. Vor allem das Geschäft mit Cloud-Diensten sorgte für Rückenwind. Hier erzielte Big Blue (Spitzname für IBM) einen kräftigen Zuwachs der Umsätze von 30%. Auch das Geschäft mit Sicherheitssoftware zeigte sich erfreulich robust.

Trumps Steuerreform sorgt für hohe Sonderbelastung

Allerdings musste der Konzern eine hohe Sonderbelastung wegen der Steuerreform der Trump-Regierung verkraften. Die neuen Steuergesetze zwangen IBM zu einer Sonderabschreibung in Höhe von 5,5 Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich jedoch um eine rein bilanzielle Anpassung, die das laufende Geschäft nicht berührt. Unterm Strich fiel ein Nettoverlust von 1,1 Milliarden Dollar im Jahresschlussquartal an.

Gewinnrückgang im Gesamtjahr

Für das Gesamtjahr meldete IBM einen kleinen Umsatzrückgang um 1% auf 79,1 Milliarden Dollar. Zugleich sackte der Gewinn um 52% auf 5,8 Milliarden Dollar in den Keller. Damit ist die Technologieikone meilenweit von ihren Glanzzeiten entfernt. Für Sie zum Vergleich: In 2011 fuhr IBM noch einen Jahresumsatz von 106,9 Milliarden Dollar ein. Bei einem Jahresgewinn von 15,85 Milliarden Dollar erzielte der Konzern eine Gewinnmarge von 14,83%.

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Schwache Prognose enttäuscht die Anleger

So positiv das Ende der Negativserie auch ist, dem Aktienkurs hat es nicht geholfen. Kein Wunder, bewertet die Börse doch die Zukunft und nicht die Vergangenheit eines Unternehmens. Hier konnte Firmenchef James Kavanaugh die Anleger nicht überzeugen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Kavanaugh zwar einen Umsatzanstieg (bei gleichem Wechselkurs), aber auch nur einen Gewinn von 13,80 Dollar je Aktie. Das ist exakt soviel wie im letzten Jahr und liegt unter den Erwartungen der Analysten (13,92 Dollar).

Analysten skeptisch – IBM in der Bringschuld

Der Blick auf die Einschätzung der Analysten zeigt deutlich, dass diese noch zurückhalten sind. Bei den durchschnittlichen Gewinnschätzungen ergibt sich gerade einmal ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12. Trotzdem liegt das gemittelte Kursziel mit 163,74 Dollar nur in etwa auf dem aktuellen Kursniveau. Kein Wunder, dass der Großteil der Analysten in der Aktie nur eine Halteposition sieht.

Offenbar misstrauen die Banker dem angestoßenen Transformationsprozess. Es dauert einfach unglaublich lange, bis sich der Konzernumbau tiefgreifend bemerkbar macht. Die Ankündigungen des Konzerns vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz haben hohe Erwartungen geweckt. Jetzt muss IBM liefern.

Warren Buffett verliert die Geduld

Dem Aktienkurs dürften vorerst die Impulse fehlen. Sogar die Investmentlegende Warren Buffett, der dem Konzern lange die Stange hielt, hat im vergangenen Jahr seine Position um mehr als die Hälfte reduziert. Ein einziges Trostpflaster dürfte die für ein Technologieunternehmen recht hohe Dividende für die Anleger sein. Bei einer jährlichen Auszahlung von 6 Dollar je Aktie liegt die Dividendenrendite momentan bei immerhin 3,5%.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.