IBM-Aktie: Weiterhin kein nachhaltiges Wachstum in Sicht

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IBM: Technologieikone meldet Umsatz- und Gewinneinbruch. Anleger schmeißen das Handtuch und warten weiter auf die operative Trendwende (Foto: Laborant / shutterstock.com)

Einen Schock erlebten gestern die Aktionäre des weltgrößten IT-Dienstleisters IBM. Wer dachte, die Durststrecke sei überwunden, lag leider komplett daneben. Die Realität sieht nämlich anders aus: Es läuft weiterhin alles andere als rund bei dem US-Konzern. Die am Mittwoch nachbörslich präsentierten Zahlen zur Geschäftsentwicklung zeigen deutlich, dass der Konzernumbau immer noch nicht die gewünschten Früchte trägt.

Entsprechend enttäuscht zeigten sich die Aktionäre. Ein schrumpfender Umsatz und Gewinneinbruch wurde mit kräftigen Kursabgaben quittiert. Die Papiere von IBM rutschten um 6% in den Keller und büßten damit 5 Milliarden Dollar an Börsenwert ein.

Rückläufige Zahlen treiben Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn

IBM, umgangssprachlich auch als Big Blue bezeichnet, lieferte im abgelaufenen dritten Quartal ein enttäuschendes Zahlenwerk ab. Der Umsatz schrumpfte auf 18 Milliarden Dollar zusammen, was einem Rückgang um 4% entspricht. Noch stärker gingen allerdings die Gewinne zurück. Unter dem Strich musste IBM einen Gewinneinbruch um 38% auf 1,7 Milliarden Dollar ausweisen.  Das Ergebnis je Aktie lag damit bei 1,87 Dollar (Vorjahr: 2,94 Dollar).

Nur der Cloud-Bereich wächst deutlich

Von einer Trendwende beim Wachstum ist also nichts zu spüren gewesen. Einzig die Cloud-Sparte, also das Geschäft mit Software- und Speicher-Angeboten über das Internet, steigerte ihren Umsatz um 11% auf 5,3 Milliarden Dollar. Der Bereich Global Business Services (Consulting, Application Management und Global Process Services) erzielte einen Umsatz von 4,1 Milliarden Dollar und lag damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (+1%).

Stark rückläufig verliefen hingegen die Geschäfte im Segment Global Technology Services (Infrastructure and Cloud Services sowie Technology Support Services), wo die Erlöse um 5,6% auf 6,7 Milliarden Dollar in den Keller sackten. Im Bereich Systems rauschten die Umsätze sogar um 14,7% auf 1,5 Milliarden Dollar nach unten.

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Konzernumbau ist ein zäher Prozess

Damit zeigt sich erneut, dass der seit Jahren laufende Umbauprozess von einem Hardwarekonzern zu einem IT-Dienstleister noch immer nicht die erhofften Erfolge bringt. Die Technologieikone setzt auf neue Geschäftsbereiche wie Cloud-Dienste, Datenanalyse und künstliche Intelligenz und verbucht hier teilweise auch ordentliches Wachstum. Das reicht allerdings nicht, um die Probleme in der klassischen Hardware-Sparte mit Servern und Großrechnern auszugleichen.

Zugleich spürt Big Blue auch Gegenwind an der Währungsseite, da dem Konzern der starke Dollar zu schaffen macht. Nach Umrechnung in die Heimatwährung schmälern Währungsverluste die Umsatzentwicklung. Bedenklich: Der Rückgang im jüngsten Quartal markiert das fünfte Quartal in Folge mit einem Umsatzminus. Abgesehen von einem kurzen Ausreißer ging es mit der Geschäftsentwicklung auch zuvor schon Jahre lang nur abwärts.

Übernahme soll es richten

Im Fokus des Geschäftsberichts standen diesmal auch die Zahlen des Zukaufs Red Hat, die bisher größte Übernahme von IBM. Für die auf das Betriebssystem Linux spezialisierte US-Software-Firma hatte IBM im vergangenen Jahr 34 Milliarden Dollar hingeblättert. Red Hat lieferte jetzt ein Umsatzplus von 19%, verursachte aber auch hohe Kosten, die am Gewinn schmälerten. Red Hat war vor 25 Jahren mit einer eigenen Variante des Open-Source-Betriebssystems Linux gestartet, die vor allem auf Servercomputern verwendet wird. Heute entfällt der meiste Umsatz auf das Softwarepaket und Serviceangebot Red Hat Enterprise Linux sowie andere Technik, die häufig in Rechenzentren eingesetzt wird.

Ausblick wird nach unten geschraubt

Für das laufende Jahr zeigt sich der IT-Riese nun etwas zurückhaltender. IBM rechnet jetzt nur noch mit einem Ergebnis je Aktie von mindestens 10,58 Dollar. Für Sie zum Vergleich: Bislang peilte der Technologiekonzern noch einen Gewinn je Anteilsschein in Höhe von 12,45 Dollar an. Der Free Cash-Flow soll hingegen weiterhin rund zwölf 12 Milliarden Dollar in etwa auf Vorjahresniveau liegen. Die Aktionäre sind skeptisch und scheinen ihre Zweifel an einer Trendwende zu haben.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.