Icahn torpediert Xerox-Deal mit Fujifilm

Icahn will Xerox nich an Fuji verschenken und fordert Aktionäre auf, gegen den Zusammenschluss zu votieren. Ein unsicherer Deal rückt weiter in die Ferne. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Anfang Februar teilte der traditionsreiche Drucker- und Fotokopiergeräte-Hersteller Xerox mit, dass man sich mit dem japanischen Branchenkollegen Fujifilm auf einen Deal geeinigt hat.

Es sollte eine Milliarden-Transaktion werden, um dem schwieriger werdenden Marktumfeld zu begegnen und auch um sich dem Druck von Finanzinvestoren zu entziehen, die zuletzt die Xerox-Unternehmensspitze offen herausforderten.

Jetzt zeigt sich, dass der Plan nicht wie erhofft aufgeht. Die Finanzinvestoren, die nicht über die Deal-Absicht in Kenntnis gesetzt wurden, wollen den Zusammenschluss verhindern.

Angebot zu niedrig: Icahn will Xerox nicht verschenken

Der US-amerikanische Aktivist Carl Icahn, berühmt und berüchtigt für seinen Umgang mit dem Management strauchelnder Unternehmen, ist der Ansicht, dass ein Zusammenschluss mit Fujifilm nicht im besten Interesse der Xerox-Aktionäre sei.

Wie gewohnt für den Finanzinvestor, nimmt er in einem offenen Brief an die übrigen Xerox-Aktionäre kein Blatt vor dem Mund. Fuji versucht, uns Xerox zu stehlen, schreibt Icahn und schließt mit dem Satz: Wählt gegen den Deal, um eine klare Botschaft an das Xerox-Management zu senden, dass wir uns nicht reinlegen lassen und die Kontrolle unseres Unternehmens für 9,80 Dollar in bar abgeben.

Mit den 9,80 Dollar je Aktie meint Icahn die in Aussicht gestellte Sonderdividende.

Deal nach Ablehnung durch Finanzinvestoren fraglich

Icahn hält zusammen mit dem Finanzinvestor Darwin Deason gut 15% an Xerox und seine Stimme hat viel Gewicht. Die Zustimmung zu dem Deal ist durch seine ablehnende Haltung jetzt äußerst fragwürdig.

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Icahn zerpflückt das Angebot regelrecht und verweist darauf, dass im Zuge des Deals ein US-amerikanisches Traditionsunternehmen ohne Prämie für den Kontrollwechsel verscherbelt wird.

Seiner Meinung nach kann Xerox durch Managementwechsel und Beendigung eines 50 Jahre währenden Joint Ventures mit Fujifilm zu neuem Glanz verholfen werden. Die Xerox-Aktie habe enormen Wert.

Analysten erachten Zusammenschluss als strategisch richtig und angemessen eingepreist

Nicht jeder teilt die Ansicht des aggressiven Investors. Xerox selbst teilte mit, dass man verschiedene Optionen detailliert geprüft habe und dieser Weg der richtige sei, um Wert zu schaffen.

Einige Analysten gehen sogar noch weiter und sehen in dem Zusammenschluss den einzigen Weg für Xerox, um zu überleben. Der Preis für den Deal inklusive der Sonderdividende sei dabei angemessen.

Schwaches Management, schlechte Perspektive: Xerox-Aktie als Übernahme-Investition nicht erste Wahl

An der Börse hat die Xerox-Aktie trotz der Deal-Vereinbarung nicht profitieren können. Mit aktuell 29,95 Dollar notiert das Papier sogar noch unter dem gerüchtegetriebenen Stand kurz vor Bekanntwerden des Deals und über 20% unter dem Hoch bei Deal-Bekanntgabe am 01. Februar.

Offenbar hatten verschiedene Investoren auf eine Komplett-Übernahme gesetzt, die jedoch nicht gekommen ist. Voraussichtlich wird auch nach der Ablehnung der Finanzinvestoren der Plan nicht noch einmal zu Gunsten von Xerox verändert.

Denn Fujifilm durchläuft gerade selbst eine Restrukturierung und hat nicht das große Geld für eine Angebotsnachbesserung oder eine Komplett-Übernahme. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass letztendlich Xerox unabhängig bleibt und die Hoffnung auf steigende Xerox-Aktienkurse an die Hoffnung auf eine erfolgreiche Restrukturierung geknüpft ist. Nur mit Blick auf eine Übernahme-Chance ist Xerox nicht erste Wahl.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.