Icahn warnt vor neuem Crash

Der nächste Crash kommt – und er wird noch schlimmer als 2008. Das zumindest prophezeit Großinvestor Carl Icahn – und macht die Fed dafür mitverantwortlich. (Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock.com)

Viele versuchen es, doch nur einige Wenige schaffen es wirklich, durch erfolgreiches Investment zum Milliardär zu werden. Diesen Investmentlegenden wird so einiges nachgesagt – und immer wieder horchen die Marktteilnehmer auf, wenn von Größen wie Warren Buffett oder Carl Icahn wahlweise Tipps oder Warnungen bekanntwerden.

Gerade bei Icahn muss man nach griffigen Schlagzeilen nicht lange suchen: Der berüchtigte Finanzguru gilt als besonders durchsetzungsstark gegenüber den Managementetagen der Firmen, in die er investiert – selbst beim Kultkonzern Apple nimmt er mittlerweile spürbar Einfluss auf die Finanzpolitik, ganz im Sinne der Aktionäre versteht sich.

Steht der nächste große Crash bevor?

Seit einiger Zeit jedoch ist Icahn darüber hinaus auf allen Kanälen präsent – und warnt vor einer Kernschmelze der Finanzmärkte, die das Ausmaß des Crashs von 2008 noch zu übertreffen droht. Insbesondere das Geschäft mit den äußerst riskanten Hochzinsanleihen sieht er dabei als problematisch an.

Zu dieser Annahme passt die jüngste Meldung um die Schwierigkeiten des Investmentunternehmens Third Avenue Management: Die Firma hatte wegen mangelnder Liquidität an den Anleihemärkten Einlagen von Kunden de facto eingefroren, niemand konnte mehr Geld aus dem Fonds abziehen. Betroffen waren Investitionen in einem Gesamtvolumen von einer Milliarde US-Dollar. Marktteilnehmer reagierten alarmiert auf den Ausfall, es herrschte Ausverkaufsstimmung an den Anleihemärkten.

Trägt die Fed eine Mitschuld?

Auch für die Geldpolitik der Federal Reserve hat Icahn nicht viel übrig. Zwar habe die US-Notenbank die Krise nach dem großen Crash einerseits gut gemanagt, andererseits habe sie aber auch ursächlich dazu beigetragen, dass es überhaupt so weit kam – und lege nun mit ihrer billigen Geldschwemme den Grundstein für einen neuerlichen Kollaps an den Finanzmärkten.

Sowohl das QE-Programm („Quantitative Easing“), das über mehrere Jahre Milliarden an die Märkte spülte, als auch die anhaltende Niedrigzinspolitik würden demnach dazu beitragen, neuerliche Verwerfungen zu begünstigen.

Auch Konzerne rechnen sich reicher als sie sind

Die Unternehmen agieren indes nicht besser: Icahn wirft ihnen vor, durch Tricks in der Buchhaltung die Gewinne je Aktie künstlich zu erhöhen. Im Zusammenwirken mit oftmals umfangreichen Aktienrückkaufprogrammen bläht das die Kurse künstlich auf und erschafft eine Illusion von Wachstum, wo eigentlich keines ist. Die Fundamentaldaten zahlreicher Konzerne sehen weit schlechter aus als ihre Bewertung an den Aktienmärkten.

Ist also bereits eine neue riesige Blase entstanden, die demnächst zu platzen droht und das gerade wieder auf die Beine kommende globale Finanzsystem erneut implodieren lässt? Denkbar – zumal Carl Icahn bei weitem nicht der einzige ist, der vor einer erneuten, noch größeren Finanzkrise warnt.

Er tut es jedoch auf besonders drastische Weise, wählt dramatische Formulierungen und scheut auch die Öffentlichkeit der sozialen Medien nicht und verschafft sich auf diese Weise eine Menge Aufmerksamkeit.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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