Ich trage einen großen Namen

Finanzen in der Schweiz – das klingt gut, oder? Doch was birgt die Aktie von Julius Bär für ein Potenzial? (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Es gibt Unternehmen, die tragen einen großen Namen. Julius Bär ist eines davon. In der Finanzwelt haben viele große Namen ihre Karriere in der Schweiz gestartet oder vorangetrieben. Heute fokussiert sich das Unternehmen auf Vermögende. Doch lohnt sich auch ein Investment? Wir haben die Aktie für Sie analysiert. Die Julius Bär Gruppe ist in der Vermögensverwaltung und Anlageberatung tätig. Dabei konzentriert sich das 1890

gegründete und in der Schweiz ansässige Unternehmen auf wohlhabende Privatkunden und Family Offices sowie externe Vermögensverwalter. 2015 wurde die Integration der Vermögensverwaltungsaktivitäten außerhalb der USA von Merrill Lynch abgeschlossen.  Julius Bär ist so stark gewachsen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Nettomittelzuflüsse von mehr als 10 Mrd SFr übertrafen die eigenen Erwartungen.

Bringt Renommee auch Rendite?

Die Einstellung zahlreicher neuer Kundenberater macht sich bemerkbar. Insgesamt stieg der Umsatz im 1. Halbjahr um 11,7% auf 1,6 Mrd SFr. Dazu trug vor allem ein 25%iger Anstieg aus dem Kommissionsund Dienstleistungsgeschäft bei. Auch der Zins- und Dividendenertrag konnte um 11% gesteigert werden. Im Eigenhandel mussten hingegen Rückgänge hingenommen werden. Allerdings ist Julius Bär dort insgesamt nicht so stark engagiert.

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Den höheren Erträgen stehen jedoch auch deutlich gestiegene Kosten gegenüber. Die Erweiterung des Beraternetzwerks ließ die Personalkosten um 21% ansteigen. Ein Teil davon sind jedoch Einmalkosten. Unter dem Strich steht dennoch lediglich ein stagnierender Gewinn von 357 Mio SFr. Mittelfristig wird Julius Bär jedoch dank der Ausweitung des Geschäfts seine Position als eine der weltweit renommiertesten Investmentbanken verteidigen können. Das sollte sich letztlich auch im Gewinn niederschlagen. Die Bank plant weiterhin, pro Jahr Nettoneugelder im Umfang von 4 bis 6% des aktuellen Bestands einzuwerben.

So sehen wir die Aktie!

Dafür verstärkt Julius Bär die Präsenz in Großbritannien. Andere Banken ziehen sich wegen des Brexits gerade zurück. Die Aktie hat einen Teil der guten Entwicklung vorweggenommen und ist kräftig angestiegen. Dennoch sehen wir für die Aktie von Julius Bär wenig Potenzial. Das Zinsumfeld ist herausfordernd. Auch die Kosten steigen und steigen. Diese Gemengelage hat sich schon auf das Ergebnis niedergeschlagen.

Halten Sie von der Aktie unbedingt Abstand. Ein großer Name reicht nie aus, um ein Investment zu rechtfertigen. Die Dividendenrendite von 2,5% ist zwar ein nettes Zubrot, aber kein wirkliches Argument. Bleiben Sie Julius Bär fern!


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.