Ifo-Geschäftsklimaindex: Die Hoffnung ist zurück

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Deutsche Unternehmenschefs sehen einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt stärker als gedacht. (Foto: Deutsche Börse AG)

Neuer Schwung für den Dax schon heute – und in mittelfristiger Zukunft womöglich auch für die deutsche Wirtschaft. Zumindest lässt sich das am Montag vorgestellte Barometer zum Ifo-Geschäftsklimaindex entsprechend deuten.

Demnach hellt sich die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen im Mai wieder etwas auf. Noch im April war das Barometer auf einen historischen Tiefststand von 74,2 Zählern abgestürzt, nun ging es wieder aufwärts auf 79,5 Punkte. Damit fiel die Stimmung sogar etwas besser aus als von Ökonomen erwartet: Diese hatten im Schnitt lediglich mit einem Anstieg auf 78,3 Zähler gerechnet.

Der Dax schoss daraufhin an einem – bedingt durch Feiertage im angelsächsischen Raum – eher ruhigen Handelstag in die Höhe auf knapp 11.300 Punkte.

Experten warnen vor verfrühter Euphorie

Unternehmen hoffen offenbar auf bessere Geschäfte in absehbarer Zeit. Experten warnen jedoch davor, die jüngsten Zahlen überzubewerten: Zum einen kam der Ifo-Index von einem extrem niedrigen Stand. Dass es von dort aus aufwärts gehen würde, war abzusehen – und auch das Mai-Niveau ist im Großen und Ganzen noch relativ gering.

Zum anderen war das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 um 2,2 Prozentpunkte eingebrochen und damit so stark wie seit der globalen Finanzkrise vor gut 10 Jahren nicht mehr. Für das zweite Quartal rechnen sämtliche Beobachter mit einem erneuten, noch drastischeren Rückgang – denn erst ab Ende März begannen die Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie tatsächlich zu greifen und wirkten sich umso stärker auf das individuelle Leben, aber eben auch auf die Geschäftsentwicklung aus.

Q1 war schlimm – Q2 wird schlimmer

Das laufende zweite Quartal, das noch bis Ende Juni andauert, dürfte dementsprechend verheerend ausfallen. Doch für die Sommermonate rechnen Unternehmenschefs nun offenbar mit einem Hoffnungsschimmer. Beflügelt wird diese Hoffnung nicht zuletzt durch voranschreitende Lockerungen der bisher geltenden Einschränkungen.

So hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow jüngst angekündigt, bereits Anfang Juni die landesweiten Beschränkungen weitgehend zurückzufahren und nur noch regional auf akute Ausbruchsgeschehen reagieren zu wollen. Abstandsgebot und Maskenpflicht in bestimmten öffentlichen Räumen sollen jedoch auch in Thüringen weiterhin Bestand haben.

Droht eine zweite Infektionswelle?

Unterdessen empfahl die Bundesregierung, die Maßnahmen noch mindestens einen Monat länger gelten zu lassen, wenn auch mit allmählich weniger strikten Vorgaben. So sollen sich künftig bis zu zehn Personen treffen dürfen, zuvor war diese Zahl deutlich geringer angesetzt.

Eine große Unbekannte bleibt jedoch in diesem Gesamtkomplex: Wie wird sich das Virus verhalten? Dass das Schlimmste schon überstanden ist, halten Gesundheitsexperten für unwahrscheinlich, solange weder ein Impfstoff noch ein wirksames Medikament auf dem Markt ist. Mit einer zweiten, womöglich noch heftigeren Welle des Ausbruchsgeschehens ist daher zu rechnen – spätestens im Herbst, wenn die nächste Erkältungs- und Grippesaison ansteht.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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