Ifo-Geschäftsklimaindex steigt zum dritten Mal in Folge

Lufthansa Flugzeug RED – shutterstock_577658362 Dawid Lech

Der Ifo-Geschäftsklimaindex erholt sich weiter – dennoch ist das nicht als Entwarnung zu verstehen. Die Krise ist längst nicht überstanden. (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Der Ifo Geschäftsklimaindex ist im Juli erneut deutlich gestiegen – und das zum dritten Mal in Folge.

Im April hatte das Barometer einen historischen Tiefststand erreicht und war auf 74,2 Zähler zurückgefallen. Das war während der Hochphase der Coronapandemie und in Zeiten der heftigsten staatlich verordneten Beschränkungen, als das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen kam und die meisten Geschäfte geschlossen bleiben mussten.

Ifo-Index steigt zum dritten Mal in Folge

Ab Mai setzten dann erste Lockerungen ein, Geschäfte durften unter bestimmten Auflagen wieder öffnen, ebenso die Außengastronomie. Das schlug sich auch im Ifo-Index nieder, der im Mai bereits wieder deutlich nach oben zeigte. Dieser Trend setzte sich im Juni fort, als auch Grenzöffnungen Auslandsreisen wieder möglich werden ließen.

Im Juli nun stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex ein weiteres Mal um 4,2 Zähler auf nunmehr 90,5 Punkte. Im Zuge der Erhebung werden rund 9.000 Manager befragt und um eine Einschätzung gebeten hinsichtlich der aktuellen wirtschaftlichen Lage ihres Unternehmens sowie der Perspektive für die kommenden Monate.

Schon bald droht eine zweite Welle

Diesbezüglich machte sich zuletzt vorsichtiger Optimismus breit, auch scheint sich die tatsächliche Lage innerhalb der Momentaufnahme zu verbessern. Beobachter warnen jedoch davor, die jüngste positive Entwicklung überzubewerten. Immerhin mehren sich zuletzt die Hinweise auf eine zweite Infektionswelle mit möglicherweise weniger lokaler Begrenzung, etwa durch Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die das Coronavirus einschleppen und womöglich unbemerkt dezentral weiterverbreiten könnten.

Virologen warnen bereits seit langem vor einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen im Herbst, parallel zur jährlichen Grippesaison. Die Situation könnte dann noch verheerender ausfallen als während der ersten Phase der Pandemie im Frühjahr. Ob es erneut zu flächendeckenden Lockdowns und Grenzschließungen kommen wird oder die Politik diesmal auf eine Herdenimmunisierung durch eine unregulierte Infektionsverbreitung setzt, wie es etwa in Großbritannien eine Zeit lang versucht wurde, bleibt abzuwarten.

Nur eine Momentaufnahme

Doch unabhängig davon, ob hohe Todesraten in Kauf genommen oder ein zweiter Lockdown durchgesetzt werden wird, die Folgen dürften auch für die Unternehmen erneut deutlich spürbar werden. Insofern ist auch die aktuelle Momentaufnahme des Ifo-Geschäftsklimaindex nicht mehr als eben genau das: eine Momentaufnahme, basierend auf den zum jetzigen Zeitpunkt verfügbaren Informationen.

Dass sich die Lage jedoch sehr schnell verändern kann, haben die vergangenen Monate schmerzlich verdeutlicht. Wer hätte vor einem Jahr für möglich gehalten, dass ein solide aufgestellter Traditionskonzern wie die Lufthansa binnen kürzester Zeit knapp an der Insolvenz vorbeischrammen, mit staatlicher Hilfe gerettet werden und aus dem Dax in den MDax absteigen würde?

Zudem ist von einer umfassenden Pleitewelle in den Wintermonaten auszugehen, die vor allem kleine und mittelständische Betriebe treffen dürfte. Spätestens dann könnten auch Lieferketten betroffen sein, was sich wiederum im Ifo-Index widerspiegeln dürfte.

Lufthansa Flugzeug RED – shutterstock_577658362 Dawid Lech

DAX-Urgestein Lufthansa steigt in 2. Börsenliga abDie Deutsche Lufthansa muss den DAX verlassen, Deutsche Wohnen steigt dafür auf. Doch wie wirken sich die Anpassungen aus? › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz