Ignorieren Sie die Tages-Zuckungen des DAX 30: Allzeithoch voraus

Ein scheinbar kluges Statement zum DAX 30 und zu den Märkten können Sie ganz einfach abgeben: Sie nehmen das Tages-Ergebnis des DAX 30.

Liegt dieses im Plus, ziehen Sie ein paar positive Meldungen des Tages heran und nehmen die als Begründung für die Kursgewinne.

Liegt das Tages-Ergebnis im Minus, kommentieren Sie es mit ein paar negativen Meldungen des Tages.

Gute und schlechte (Wirtschafts-)Nachrichten erhalten Sie täglich in Hülle und Fülle; derzeit eignen sich z. B. Nordkorea und Syrien.

Diese Themen kombinieren Sie mit ein paar Worten und können so ganz leicht ein „kluges Statement“ abgeben.

Entspannung begründet dann steigende – und zunehmende Spannung fallende Notierungen der Indizes.

Wahlweise nehmen Sie die genannten Krise als Ursache für einen schwachen DAX 30. Oder Sie kommentieren, wie robust und widerstandsfähig der DAX 30 doch gerade angesichts dieser Krisen ist.

Dauerthemen

Nach wie vor können Sie die Finanz- und Schuldenkrise zur Begründung einer Kursveränderung heranziehen.

Denn die Nullzins-Politik ist eine Folge davon. Das wurde in dieser Woche beispielsweise noch in der „Wirtschaftswoche“ aufgezeigt.

Oder Sie nehmen die Unsicherheiten durch die wenig planbare Politik der noch neuen US-Regierung.

Auch der BrExit ist ein gutes Thema, mit dem Sie viele Kursbewegungen begründen können:

BrExit wird schlimm? – Das sorgt für fallende Märkte. BrExit wird doch nicht so dramatisch wie erwartet? – Die Aktienkurse legen zu.

Sie können auch die regelmäßigen Stimmungsbilder der Marktforschungs-Institute nehmen.

Hinzu kommt, dass jeder Tag ein Tag kurz nach oder vor einer Sitzung der wichtigen Notenbanken ist. Das sind die Fed in den USA bzw. die EZB in Europa.

So hat gestern die Fed-Chefin Janet Yellen gesprochen – da lässt sich immer ein klug klingender Zusammenhang herstellen.

Sie haben es sicher gemerkt: Es ist beliebig, welches Thema Sie heranziehen. Damit ist aber auch klar: Fundiert untermauert sind solche Begründungen nicht, sie hören sich ggf. nur so an.

Meine Empfehlung dazu:

Achten Sie einfach nicht darauf, was Ihnen täglich an klug klingenden Worten zum Markt gesagt oder geschrieben wird! Es gibt nicht für jede Zuckung der Kurse eine konkrete Begründung.

Es ist viel einfacher:

Der DAX 30 konsolidiert vor dem Sprung auf Allzeithoch

Der DAX 30 notiert derzeit um 12.200 Punkte. Das liegt nur wenig über 12.000 Punkte, dem Stand von Ende Februar dieses Jahres.

Und die aktuellen rund 20.700 Punkte des Dow Jones hat dieser Index auch schon am 21.02.2017 verbucht.

Kurzum: Es passiert einmal nicht viel, die Märkte konsolidieren – auch das ist Börse.

DAX 30: Am besten einfach nicht hinschauen

Wenn Sie als Daytrader (keine Position wird über Nacht gehalten) handeln, bieten Ihnen diese Zeiten vielleicht gute Trading-Möglichkeiten.

Wenn Sie Ihr Geld aber für etliche Wochen, einige Monate oder gar noch länger angelegt haben, mein Tipp:

Schauen Sie einfach nicht hin!

Wenn Ihnen das zu schwer fällt, messen Sie den Kursbewegungen einzelner Tage einfach keinerlei Bedeutung bei!

Und wenn Sie abends bei den Börsen-Nachrichten im Fernsehen den Ton wegdrücken, dann verpassen Sie auch nichts.

Da müssen Sie durch – Belohnung wird entschädigen

Ich kenne solche Phasen, wie Sie diese derzeit erleben, zur Genüge – nerven tut es allerdings immer noch.

Ich weiß aber: Konsolidierungen sind Teil des Börsengeschäfts. Solche Zeiten werden immer durch dynamische Kursgewinne abgelöst.

So war es z. B. letztmalig von Ende 2016 bis Anfang 2017, als der DAX 30 von rund 10.000 auf über 12.000 Punkte sprintete.

So wird es auch dieses Mal sein. Dann werden Sie die verdiente Belohnung in Form von Gewinnen erhalten – aber nur, wenn Sie investiert sind.

Jetzt ist also die Zeit sich zu positionieren!

Zum guten Schluss: Am 11.04.1825, also heute vor 192 Jahren, kam mit Ferdinand Lassalle einer der Gründerväter der SPD zur Welt. Von ihm werden die Worte überliefert:

„Alle große politische Aktion besteht im Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist.“

Sehe ich die aktuelle Politik, so scheint es mir, wir haben eine Zeit der politischen Kleingeisterei.

Angesichts der bevorstehenden Wahlen, so fürchte ich, wird es auch noch etliche Monate so weitergehen. Ich sende Ihnen gleichwohl unverwüstlich optimistische Grüße!

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

11. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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