Ihr großer Vorteil gegenüber Warren Buffett

So gut hat es Warren Buffett gar nicht: Was Sie besser machen können, als das Invest-ment-Genie. (Foto: FOTOimage Montreal / Shutterstock.com)

Warren Buffett gilt zu Recht als einer der größten Investoren unserer Zeit.

Über die Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway verwaltet das Investment-Genie teils gigantische Beteiligungen an zahlreichen Konzernen.

Damit Sie einmal eine Vorstellung davon bekommen, wie groß Berkshire Hathaway eigentlich ist:

Der im vergangenen Jahr erzielte Umsatz betrug 194,673 Mrd. USD.

Der aktuelle Kurs der an der Börse gehandelten Berkshire Hathaway A (BRK/A) Aktie notiert bei 196.898,99 USD (Das ist kein Schreibfehler!).

Bigger ist not always better (Größer ist nicht immer besser)

Doch trotz dieses Gigantismus haben Sie, wenn Sie Privatanleger sind, Warren Buffett 2 unschätzbare Vorteile voraus:

Sie können die Charttechnik für Ihr eigenes Portfolio nutzen und damit weitaus flexibler auf Markt-Entwicklungen reagieren, als es Buffett jemals tun kann.

Falls Sie jetzt entgegnen, dass Buffett eh nur langfristige Investments tätigt: Richtig. Allerdings ist er aufgrund der schieren Größe seiner Beteiligungen dazu ohnehin quasi „verdammt“.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Freund der „Buy-and-hold-Strategie“ (Kaufen-und-liegen-lassen) bin.

Der Grund ist simpel: Wenn eine Aktienposition in einen Abwärtstrend gerät, dann wissen Sie nie vorher, wo dieser einmal enden wird.

Wal-Mart-Aktie reißt riesiges Loch ins Berkshire-Portfolio

Ob Buffetts Co-Manager Charles Munger gestern wohl die „Ohren geklingelt haben“? Noch im Februar hatte er sich in einem Brief zu einer der großen Berkshire-Beteiligungen, der Supermarktkette Wal-Mart, wie folgt geäußert:

„Die größten Berkshire-Irrtümer waren, keine Investments zu tätigen, darin eingeschlossen, keine Wal-Mart-Aktien zu kaufen, als es sicher war, dass sich diese enorm gut entwickeln würden.“

Gestern verlor die Wal-Mart-Aktie nämlich satte -10%. Das war der größte Kursrückschlag in den vergangenen 27 Jahren!

Der Auslöser: Der Konzern kündigte für das Geschäftsjahr 2017 (das im Januar 2017 endet) einen Gewinnrückgang von -6% bis -12% an. Analysten hatten einen Zuwachs von +4% erwartet.

Der Hintergrund: Wal-Mart hat das Internet-Zeitalter „verschlafen“ und bemüht sich nun, den Rückstand zu Online-Marktführern wie Amazon aufzuholen.

Dazu sind enorme Investitionen, u. a. in die Ausbildung des Personals, notwendig.

Berkshire Hathaway hielt zur Jahresmitte rund 67,7 Mio. Wal-Mart-Anteile im Portfolio. Der gestrige Kursrutsch allein in der Supermarkt-Aktie ist also gleichbedeutend mit einem Tagesverlust des Depots in Höhe von rund 450 Mio. USD.

Mit Charttechnik wäre das nicht passiert

Tatsächlich hat Buffett mit seinem Wal-Mart-Investment in diesem Jahr jedoch schon weit mehr Geld verloren:

Noch im Januar markierte die Aktie mit 90,97 USD ein Allzeithoch. Somit hat das Wal-Mart-Engagement bis gestern bereits mehr als 1/3 an Wert eingebüßt!

Und damit sind wir beim Kern meines heutigen Beitrags: Als Privatanleger mit Charttechnik-Kenntnissen hätte ein Wal-Mart-Investment weit weniger Schaden in Ihrem Depot angerichtet.

wal-mart aktie monats-chart-15-10-2015

Wal-Mart Monats-Chart: RSI generierte schon Ende April ein Verkaufssignal

Ende April (Kurs: 78,05 USD) hat der Relative Stärke Index (RSI) ein bedeutsames Verkaufssignal generiert: Der seit 2005 (!) bestehende Aufwärtstrend wurde nach unten durchbrochen.

Wie der senkrechte blaue Balken zeigt, ist der RSI dabei wieder einmal seiner Vorlauf-Funktion gerecht geworden: Der Aktienkurs hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht den seit 2011 gültigen Aufwärtstrend verlassen.

Selbst wenn Sie dieses Verkaufssignal auch noch abgewartet hätten, wäre am 1. Juni noch ein Verkauf zu 74,69 USD möglich gewesen: Das hätte Ihnen bis heute immerhin –19,6% Verlust erspart.

Fazit

Wenn Sie also demnächst wieder einmal von den Heldentaten Warren Buffetts lesen, dann denken Sie daran: Auch dieses Finanzgenie ist nicht unfehlbar.

Und: Sie haben es weit besser als Buffett. Denn Sie können Ihre Verluste mit Hilfe der Charttechnik sofort begrenzen.

Für Buffett hingegen wäre es ein ziemliches Problem, mal eben 67,7 Mio. Wal-Mart-Aktien „auf den Markt zu werfen“.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.