Ihr persönlicher Börsenausblick 2020

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Ein extrem bärisches Jahr geht zu Ende. Was erwartet uns 2020? Ein heißer US-Wahlkampf, der Handelsstreit 2.0. und immer mehr Schulden. Warum sollte sich etwas ändern? (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Das war es mit dem Börsenjahr 2019. Seit 14 Uhr haben viele Indizes geschlossen. Darunter auch der DAX. Bei 10.477,77 Punkten sind wir in das Jahr 2019 gestartet und haben bei 13.249,01 heute geschlossen. Fast 3.000 Punkte Zuwachs sind gigantisch, vor allem, wenn wir uns das Umfeld anschauen: Die Weltwirtschaft ist marode, Handelskriege drohen mit Strafzöllen und letztlich kam die Rallye nur aufgrund der Notenbanken.

Gesunkene Zinsen, neues Gelddrucken, Anleihen kaufen – dank der Notenbanken sind die Kurse so weit oben. Mit Realwirtschaft hat das nichts zu tun. Aber was bringt es Ihnen als Anleger, wenn Sie das destruktive System durchschauen? Sie dürfen nicht gegen die FED handeln. Das hat auch das Jahr 2019 eindrucksvoll bewiesen. Wenn die Notenbank den Geldbeutel aufmacht, kann es nur nach oben gehen. Solange sich das nicht ändern, wird sich auch kaum die Richtung der Aktienpreise ändern.

DAX im Chart: das Jahr 2019

Betrachten Sie einfach einmal den nackten Chart – ohne Indikatoren und Linien. So sah das Jahr 2019 im DAX aus. Zwischendurch ging es schlagartig über 1.000 Punkte nach unten, nur um dann fast ein neues Allzeithoch am Ende zu schaffen.

Das knacken wir wohl erst Anfang 2020 – wenn es so weiter geht. Doch irgendwann müssten die Kurse auch wieder korrigieren. Das kann nicht ewig so weiter gehen. Glauben Sie das auch? Dann lassen Sie uns einen Blick auf den saisonalen DAX in US-Wahljahren werfen. Solch eines steht nämlich vor der Tür.

DAX in US-Wahljahren: Hopp oder Top

Sie sehen der durchschnittlichen DAX-Verlauf aus den Wahljahren 2000, 2004, 2008, 2012 und 2016. Kein Jahr verlief genauso, wie es der Chart der Durchschnitte anzeigt. Entweder sind wir ordentlich im Plus oder im Minus.

Der kumulative Profit zeigt Ihnen an, dass der DAX in den letzten fünf Wahljahren insgesamt negativ verlaufen ist. Das liegt natürlich am schlechten Jahr 2008. Dort verlor der DAX 37 Prozent und das lag kaum daran, dass es ein Wahljahr war. Lehmann Brothers brachten den Stein ins Rollen. Das Wahljahr 2012 dagegen war bombastisch: Ein Plus von 28 Prozent. 2016 kann immerhin noch mit +12,8 Prozent glänzen.

Wenn wir die Jahre 2000 und 2008 ausklammern – dort war das Wahljahr negativ – erhalten wir einen Durchschnitt von Plus 15 Prozent. Die Kurse steigen demnach einfach konstant das ganze Jahr über sehr gemächlich. Erst ab der zweiten Jahreshälfte nehmen sie etwas Fahrt auf. Hoffentlich wird das Jahr 2020 nicht derart langweilig an der Börse. Vermutlich aber nicht.

Unberechenbar: Sie könnten unterschiedlicher nicht sein

Was die Wahljahre jedoch gemein haben: Jedes verlief komplett anders. Nie war das Hoch oder Tief zu einem ähnlichen Zeitpunkt. Nie war der ideale Zeitpunkt für den Einstieg oder Verkauf identisch.

2016 hatten wir das Jahrestief am 11. Februar und schlossen das Jahr auf dem Jahreshoch. 2012 hatte der DAX sein Tief am 5. Juni ausgebildet. Danach ging es nur noch nach oben. 2008 hätten Sie gleich am 1. Handelstag verkaufen können. Es ging in der Folge nur noch abwärts. 2004 erreichten wir das Tief am 13. August und das Jahreshoch war der letzte Handelstag. Im Jahr 2000 schließlich notierte der DAX sein Jahreshoch am 7. März. Wer dort verkauft und bis Jahresende gehalten hat, konnte seinen Reibach machen.

Wie Sie sehen, gleicht kein US-Wahljahr im DAX dem anderen. Insofern können wir wohl dieses Jahr nicht zu sehr auf die Saisonalität pochen. Vielleicht ergibt sich ein Verlauf, der einem anderen Jahr ähnelt. Aber mit Trump & Co. wird es sowieso in 2020 nicht langweilig werden. Wichtig ist nur, dass die Anleger an die Börse zurückkehren. Die massiv geschrumpfte Volatilität ist für viele Trader ein rotes Tuch. Wenn nur die Institutionellen kaufen und verkaufen, geschieht nicht viel an der Börse.

Fazit für 2020

Entscheidend ist und bleibt, was die Notenbanken machen. Schweden hat letztens die Zinsen wieder angehoben. Das ist bei FED und EZB noch unvorstellbar. Aber so ein Schaltjahr ist lang und es kann viel passieren. Schreiben Sie fallende Kurse nicht ganz ab, wenn Sie darauf gerne wetten.

Für den Rest der Anleger sind das natürlich rosige Zeiten. Gerade die zukünftigen Pensionäre in den USA haben eine ordentliche Finanzspritze bekommen. Dort liegt das meiste Geld in Aktien. Wer zu einem guten Zeitpunkt in Rente geht, hat also viel davon. Gab es das Jahr zuvor einen Crash, hätte man sich auch das letzte Jahr Arbeit ersparen können.

Insofern wird das Jahr 2020 sicherlich auch turbulent. Einige Analysten sprechen von einer Korrektur ab März. Das wäre nicht untypisch. Doch wie gesagt: Die FED und zur Not auch Trump bestimmen die Kurse. Was die Weltwirtschaft macht und wie sich die Kurse üblicherweise verhalten, ist vorerst noch Nebensache.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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