Ihre große DAX-Analyse: Viel Bewegung auf der Stelle

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Der DAX dreht sich solange im Kreis, bis ein entscheidender Impuls in eine Richtung kommt. Letztlich spielt sich die Party zwischen 12.360 und 12.080 Punkten ab. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Sind wir einmal ehrlich: Der DAX hat schon spannendere Zeiten erlebt. Das einzig spannende Event jeden Tages ist, ob wir über oder unter der 200-Tageslinie schließen. So viel Seitswärts-Geschiebe ist beim DAX zwar nicht untypisch, aber irgendwann sollte jetzt auch wieder Schluss sein.

Somit gibt es noch einen spannenden Punkt: Wann kommt die Explosion aus der Seitwärtsrange und vor allem – in welche Richtung? Die Stimmen am Markt sind sich uneinig.

„Die Oberseite ist ja jetzt erst einmal bei 12.600 gedeckelt. Es kann nur nach unten ausbrechen.“ Sagen die einen.

„Vorsicht vor dem Aufwärtspotential! Der DAX kann schnell ab 12.440 Punkten nach oben durchdrehen und Ziel auf die 12.900 nehmen.“ Sagen die anderen.

Was sagt die Saisonalität?

Diese gibt beiden Meinungen Recht. Insofern, dass wir jetzt noch bis Mitte Juli etwas nach oben steigen können. Ob wir die 12.900 noch einmal sehen, müssen wir abwarten. Potential ist nach oben aber definitiv gegeben. Vor allem, weil eben noch die Power nach unten fehlt. Die Bären zeigen sich derzeit noch schwach.

Schauen wir uns den Chart von Seasonax an. Dort wird es erst ab Mitte Juli in den meisten Fällen interessant für Investoren, die auf fallende Kurse setzen wollen. Zuvor geht es noch im Durchschnitt der letzten 10 Jahre um etwa 1 Prozent nach oben.

Ab Mitte Juli bis Ende August sind es aber im Schnitt 4,63 Prozent, die der DAX in diesen knapp 7 Wochen verliert. 2011 verlor er sogar knapp 24 Prozent in der Zeit! 2015 immerhin noch 16,4 Prozent. Positive Jahre gab es natürlich auch. Allerdings waren 2012 und 2016 jeweils nicht einmal 6 Prozent Plus drin in der Zeit vom 15. Juli bis 23. August.

Nur 3 der letzten 10 Jahre waren positiv in diesem Zeitraum. Wir könnten also ein weiteres negatives Jahr sehen, es wäre zumindest eher ganz normal als überraschend.

DAX im Tageschart

Schauen wir uns den DAX im Tageschart an und überlegen, wo wir denn landen können, wenn die Saisonalität Recht hat. Hier sehen wir die Rallye nach dem Corona-Crash. Die lila Trendlinie hat der DAX bereits nach unten durchbrochen. Das gibt einen Punkt für die Bären.

Seit dieser Woche liegen aber wieder über der 200-Tageslinie – das gibt einen Punkt für die Bullen. Es ist ein bisschen wie ein Tennis-Match, in dem jeder einmal wieder Vorteil hat und der andere dann wieder ausgleicht. „Hin-und-Her macht Taschen leer“, sagte einst André Kostolany. Diese Seitwärtsphase geht aber auch vielen Tradern an die Substanz, weil Sie auf einen Ausbruch warten.

Andere traden diese Range einfach und nutzen die Bewegung, die es gibt. Alternativ können Sie auch den Computer ausschalten und das schöne Wetter – sofern vorhanden – genießen. Der DAX startete heute früh bei rund 12.300 Punkten, stieg dann 50 Punkte, um im Anschluss auf rund 12.100 zu fallen. Jetzt steht er wieder bei 12.300 Punkten. Sie verpassen also nichts, wenn Sie einmal einen Tag nicht auf die Börse schauen.

Ich habe heute die Aufwärtsbewegung kurz mitgenommen. Nachdem der DAX unter 12.150 Punkte gefallen war und dort zur Seite schob, habe ich den Kauf-Stop bei 12.170 Punkten gesetzt. Kurz nach 13 Uhr 30 wurde der dann ausgeführt und vorhin bei 12.330 habe ich den Trade geschlossen, weil der DAX in dem Bereich wieder geschwächelt hat. So können Sie diese Tage durchaus ein paar Punkte mitnehmen. Jetzt stehen wir schon wieder 60 Punkte tiefer.

Fazit

Der DAX dreht sich solange im Kreis, bis ein entscheidender Impuls in eine Richtung kommt. Letztlich spielt sich die Party zwischen 12.360 und 12.080 Punkten ab. Kurzfristig geht es auch über die Begrenzung heraus. Aber das ist typisch DAX: Kurz ein paar neue Hochs oder Tiefs machen und dann wieder schnell zurück in die Seitwärtsrange und alle austricksen.

Deshalb: Solange wir nicht auf Tagesschluss oder vielleicht sogar noch lieber auf Wochenschluss über der 12.600 oder unter der 11.800 stehen – bleibt alles so, wie es ist. Die SMA-200 verläuft aktuell bei 12.156 Punkten, die EMA-200 bei 11.839 Punkten. Beide Tageslinien schieben fast waagrecht zur Seite. Das passt auch zum DAX aktuell.

Heute gab es positive News: Der Einkaufsmanagerindex ISM in den USA des verarbeitenden Gewerbes steigt auf den höchsten Stand seit April 2019. 52,6 Punkte waren es. Die Rohöllagerbestände sind um fast 7,2 Millionen Barrel gefallen. Erwartet wurde ein Minus von 0,7 Million. Das ist irgendwie der Running Gag der „Experten“ beim Rohöl. Die Erwartungen und die tatsächlichen Ergebnisse haben oft eine Lücke, die vergleichbar mit den Rocky Mountains ist.

Morgen gibt es noch die Arbeitslosenzahlen aus den USA. Hier wird eine leichte Verbesserung erwartet. Freitag ist Unabhängigkeitstag in den USA – da muss der DAX dann alleine seine Kurse machen, während die Wall Street feiert.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.