Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Gewinnwarnungen explodiert

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Seit der Finanzkrise gab es in einem ersten Halbjahr noch nie so viele Gewinnwarnungen wie 2019. Vorbote für ein schwaches zweites Halbjahr? (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Man verliert ja leicht den Überblick, wenn gefühlt an jedem zweiten Tag ein deutsches Unternehmen seine Gewinnprognosen kassiert. Schließlich waren die prominenten Blue Chips aus dem DAX wie etwa BASF, Daimler oder Continental nur die Spitze des Eisbergs. Die, über die in den Medien lang und breit diskutiert wird. Weniger prominent blieben die Gewinnwarnungen der Nebenwerte, unter denen es im ersten Halbjahr ebenfalls massenweise Gewinnwarnungen hagelte. So viele, wie seit der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht mehr. Das belegt eine Auswertung des globalen Wirtschaftsprüfungsnetzwerkes Ernst & Young, kurz EY.

Dynamische Entwicklung

Nicht weniger als 54 der 308 im Prime Standard gelisteten Unternehmen mussten im ersten Halbjahr ihre Gewinn- oder Umsatzprognosen (oder beides) nach unten nehmen. Wie schlecht sich die Lage derzeit anfühlt belegt ein Blick auf die Vorjahreszahlen: Damals waren es nur 39 Unternehmen, die ihre Erwartungen für das Geschäftsjahr zurückschrauben mussten. In Prozentzahlen entspricht dies einem Anstieg um 38%.

Damit beschleunigte sich ein Trend, der schon vor drei Jahren begann: Damals, 2016, wurden im ersten Halbjahr 24 Gewinnwarnungen gezählt. In den Jahren 2017 und 2018 stieg ihre Anzahl dann auf 30 und 39. Wer mitrechnet wird feststellen, dass sich der prozentuale Anstieg in den letzten Jahren verstärkt hat. Schlimmer noch: Würde man die Zuwächse bei den Gewinnwarnungen im ersten Halbjahr in der zweite Jahreshälfte fortschreiben, käme man für das Gesamtjahr 2019 auf insgesamt 194 Gewinnwarnungen. Das wären dann fast zwei Drittel aller Prime-Standard-Werte.

Vor allem Autohersteller rudern zurück

Weil als Gründe für die Prognoseverfehlungen meist eine schwächelnde Konjunktur und die zunehmenden Handelskonflikte angegeben werden, kommt es wenig überraschend, dass der Anteil der Gewinnwarnungen in der Automobilindustrie ganz oben rangiert: Fünf von zwölf im Prime Standard gelisteten Autoherstellern und -zulieferern mussten ihre Prognosen zurücknehmen. Auf den Plätzen folgen mit dem Technologiesektor und dem Handel zwei Branchen, die eigentlich als wenig konjunktursensibel gelten. Andere, ebenfalls als zyklisch geltenden Sektoren, erwiesen sich dagegen als vergleichsweise stabil. So haben nur 8% der Chemie- und 4% der Finanzdienstleistungsunternehmen eine Gewinnwarnung ausgesprochen.

Doch nicht allein die schiere Anzahl ist entscheidend, sondern auch das Ausmaß der Gewinnwarnungen. So haben die gewinnwarnenden Unternehmen ihre Ertragserwartungen, bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), im ersten Halbjahr um durchschnittlich ein Drittel gesenkt. Als Ursache für die rückläufigen Prognosen wurde in der Mehrheit der Fälle eine unter den Erwartungen verlaufende Konjunktur angegeben.

Und was sind die Konsequenzen für die Aktionäre der betroffenen Unternehmen? Nachdem Unternehmen eine Gewinnwarnung abgegeben haben, gaben ihre Aktienkurse am Tag der Ankündigung um durchschnittlich 5% nach. Die Streubreite der Kursrückgänge war dabei, wie nicht anders zu erwarten, relativ breit.

Auch Gewinnanhebungen

Bemerkenswert: Es gab im ersten Halbjahr auch Unternehmen, die ihre Erwartungen nach oben genommen haben. Und zwar 51, acht mehr als Vorjahr. In diesem Fall wurden die EBIT-Prognosen um satte 21% angehoben. Der Effekt auf die Aktienkurse lag in diesen Fällen bei durchschnittlich 2%. Was Ihnen einmal mehr vor Augen führt, wie wichtig es ist, die richtigen Werte im Depot zu haben.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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