Im Fokus: Schwellenländer und Rohstoffe

An den Aktienmärkten setzt sich die Erholung nach dem Börsen-Sommergewitter fort. Der deutsche Leitindex DAX legte heute um über 1,5% zu und kletterte auf 7.960 Punkte.

Auch an den US-Börsen sieht es wieder besser aus. Der Aktienindex Dow Jones steigt Richtung 15.000 Punkte.

Wie im Schlussgong mehrfach berichtet, will die US-Notenbank Fed voraussichtlich ab 2014 die Geldpolitik leicht straffen. Da es der US-Wirtschaft wieder besser geht, muss weniger Geld in den Markt gepumpt werden.

Dieser Strategiewechsel hat nicht nur in den USA und Europa für Hektik an den Börsen gesorgt. Besonders stark betroffen sind die Schwellenländer und damit verbunden die Rohstoffmärkte.

Schwellenländer sind aktuell die Verlierer

Die jüngste Ankündigung der US-Notenbank Fed hat die Schwellenländer gleich doppelt negativ getroffen.

Zum einen haben die Investoren Angst, dass die Fed den Geldhahn zudreht und damit dem Markt Liquidität entzogen wird.

Ein Teil der überschüssigen Liquidität ist in der Vergangenheit in die Schwellenländer geflossen. Billiges Geld traf hier auf hohe Wachstumsraten der aufstrebenden Volkswirtschaften.

Die Fed-Ankündigung sorgt jetzt dafür, dass dieses Kapital teilweise wieder abgezogen wird. Die Folgen: Die Aktienmärkte müssen hohe Kursverluste hinnehmen und auch die Währungen der Schwellenländer stehen unter Druck.

Innerhalb weniger Wochen haben der Mexikanische Peso, die Indische Rupie und der Brasilianische Real 6 bis 8% gegenüber der US-Währung verloren.

Zum anderen führte die Begründung der Fed zu einem Favoritenwechsel.

Waren die Märkte in Europa und Nordamerika zuletzt wenig attraktiv, da es dort kein oder nur ein geringes Wachstum gab, wecken die jüngsten Fed-Kommentare die Hoffnung, dass die US-Wirtschaft zukünftig wieder kräftiger wachsen könnte.

Die Investoren lösen daher Investitionen in den Schwellenländern auf und legen das Geld in den USA neu an. Auch dieser Trend schwächt aktuell die Aktienmärkte und Währungen der Schwellenländer.

Die Rohstoffe verlieren im Windschatten der Schwellenländer

In den vergangenen Jahren hat sich ein gewisser Gleichlauf zwischen den Schwellenländern und den Rohstoffpreisen entwickelt.

Die vereinfachte Formel lautet: Geht es den wachstumsstarken Schwellenländern gut, dann steigen auch die Rohstoffpreise.

Besonders wichtig für die Rohstoffpreise ist die Entwicklung in China. Leicht abgewandelt könnte man sagen: Hat China einen Schnupfen, leiden die Rohstoffmärkte unter einer Lungenentzündung.

Die Kursverluste in den Schwellenländern und an den Rohstoffmärkten hängen also eng zusammen.

Ängste übertrieben

Meine Einschätzung lautet, dass die Ängste, dass die Schwellenländer aufgrund der Erholung der US-Wirtschaft austrocknen könnten, übertrieben sind.

Betrachten wir die beiden oben genannten Einflussfaktoren: Richtig ist, dass die US-Notenbank Fed die Anleihenkäufe ab 2014 reduzieren will. Es wird von der Fed weniger Geld in den Markt gepumpt.

Eine Ersatzlösung für die geldhungrigen Investoren ist aber bereits in Sicht. So will zum Beispiel die japanische Notenbank den Geldhahn im nächsten Jahr noch stärker aufdrehen.

Wie hier im Schlussgong bereits berichtet: Japan will die Geldmenge in relativ kurzer Zeit verdoppeln! Es wird am Markt also weiterhin genug billiges Geld geben.

Zweites Argument: Die US-Wirtschaft zieht wie ein Magnet Kapital an, das dann in anderen Märkten fehlt.

Das stimmt in der ersten Phase der Erholung. Wenn aber dann der Motor der US-Wirtschaft wieder rund läuft, werden in der zweiten Phase auch die Handelspartner profitieren.

Die US-Wirtschaft lebt auch von starken Importen. Wenn also die größte Volkswirtschaft der Welt um 3% pro Jahr wächst, werden davon auch die Exportnationen wie China profitieren.

Die USA verdrängen die Schwellenländer nicht, sondern es kommt zu einer Win-Win-Situation. Beide Seiten gewinnen. Und davon werden auch die Rohstoffmärkte profitieren.

Schrittweise einsteigen

Die Aktien und Währungen der Schwellenländer stehen aktuell extrem unter Verkaufsdruck. Darunter leiden auch die Rohstoffmärkte, wie in dieser Schlussgong-Ausgabe berichtet.

Viele Ängste sind jedoch übertrieben. Die Schwellenländer profitieren unter dem Strich von einer wirtschaftlichen Erholung der US-Wirtschaft. Auch die Rohstoffnachfrage (und damit die Preise) werden steigen.

Noch sind diese Märkte angeschlagen. Interessant ist für Sie ein Einstieg in mehreren Schritten.

So bietet sich zum Beispiel ein Sparplan auf einen Schwellenländer-Fonds an. So können Sie über 2 oder 3 Jahre eine größere Position aufbauen und erhalten dabei einen attraktiven Durchschnittspreis beim Kauf.

Eine ähnliche Strategie empfehle ich Ihnen auch bei Rohstoff-Investments: Steigen Sie nicht sofort mit der vollen Summe ein, sondern in mehreren Schritten.

26. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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