Immer ein ähnliches Kursmuster

Ich hoffe doch sehr, Sie erkennen das Muster nach dem heutigen Wochenauftakt ganz klar!?

Es geht konkret um das gestern in Italien absolvierte Referendum zur Reform der italienischen Verfassung, von manchem Zeitgenossen auch spöttisch als „Renzirendum“ bezeichnet:

Ministerpräsident Renzi hatte – muss man nun sagen: unvorsichtigerweise? – mit der Abstimmung auch sein politisches Schicksal verbunden.

Inzwischen wissen wir: Die Verfassungs-Reform wurde von den italienischen Bürgern mit 59% Nein-Stimmen abgeschmettert. Matteo Renzi hat bereits seinen Rücktritt angekündigt.

Wo bitte ist der Renzi-Crash?

Die Marktteilnehmer hatten genau einen solchen Ausgang befürchtet, weil dann die Frage nach einem „ItaleExit“, also einem Austritt Italiens aus der Europäischen Union (EU), von den politischen Gegnern aufgegriffen werden dürfte.

Entsprechend war der DAX 30 im Vorfeld von seinem letzten Zwischenhoch bei 10.802 um 400 Punkte bzw. -3,7% abgerutscht.

Da der Ausgang des Referendums wie befürchtet ausfiel, hätte dann nun also heute der „Renzi-Crash“ folgen müssen.

Doch, oh Wunder:

Fatale Fehleinschätzung der Marktteilnehmer?

Der DAX 30 notiert am Vormittag um +1,6% höher gegenüber dem Freitags-Schlusskurs. Also eine fatale Fehleinschätzung der Marktteilnehmer?

Ja und Ja:

Ja, weil die Aktienkurse ja in der Tat exakt das Gegenteil von dem tun, was erwartet worden war.

Ja, weil die Marktteilnehmer aufgrund ihrer Sorge schon VOR einer Entscheidung (obwohl sie deren Ausgang noch gar nicht kannten) Aktien verkauften, um auf „Nummer Sicher“ zu gehen und damit die Kurse drückten.

Aktienmärkte „hassen“ Unsicherheit

Nachdem nun die Entscheidung steht, steigen die Kurse, weil niemand mehr verkaufen mag – TROTZ des negativen Ausgangs.

Die Börse hält dafür eine Weisheit parat: „Aktienmärkte hassen nichts so sehr wie Unsicherheit.“

Sobald die Unsicherheit raus ist, wissen die Marktteilnehmer woran sie sind – gleich wie der Ausgang der Entscheidung auch war.

In diesem Fall, wie auch in allen anderen Fällen aus der jüngeren Vergangenheit, die ich Ihnen gleich noch zeigen werde, gilt zusätzlich noch der Spruch: „Politische Börsen haben kurze Beine.“

Gleichwie liegt allen 5 von mir hier gezeigten „wichtigen Entscheidungen für die Aktienmärkte“ das ähnliche Kursmuster zugrunde:

dax-2016_05-12-2016

DAX 2016: 3 politische Entscheidungen, 3x ähnliche Kursmuster

  1. Am 23. Juni entscheiden die Briten, dass sie aus der Europäischen Union ausscheiden wollen. Im Vorfeld waren die Kurse kräftig gesunken. Auf den befürchteten Ausgang des Referendums reagierte der DAX nur 2 Tage negativ – Mitte August notierte der deutsche Leitindex +17,2% höher und 437 Punkte über dem Mai-Hoch.
  2. Am 8. November wurde der Mann zum neuen US-Präsidenten gewählt, der es aus Sicht der Privatanleger und Großinvestoren niemals hätte werden dürfen: Donald Trump! Der DAX rutschte im Vorfeld deutlich ab. Am Tag nach der Wahl knickte der Leitindex kurz ein, notierte aber nur wenige Tage später +6,2% höher. Der vorausgegangene Rückgang wurde bis auf 25 Punkte wieder kompensiert.
  3. Am 4. Dezember nun das eingangs erwähnte „Renzirendum“. Auch diesmal tendierte der deutsche Aktienindex im Vorfeld schwächer. Hier müssen wir noch abwarten, was weiter geschieht. Doch das heutige Plus von +1,6% bestätigt das Kursmuster.

Schauen wir nun noch auf das Jahr 2015, das v. a. von der Schuldenkrise in Griechenland dominiert war:

dax-2015_05-12-2016

DAX 2015: 2 politische Entscheidungen, 2x ähnliche Kursmuster

  1. Am 5. Juli 2015 hielt Griechenland ein Referendum zu den von der EU verordneten Sparmaßnahmen ab. Die Investoren sahen einer Ablehnung mit großer Sorge entgegen. Nach dem „Nein“ der Griechen gab der DAX noch 2 Tage nach. Dann startete er eine +10,8%-Rallye und notierte letztlich 167 Punkte über dem Juni-Top.
  2. Am 20. September 2015 rief Griechenland zur vorzeitigen Neuwahl der Regierung auf. Die Sorgen vor einem Sieg der SYRIZA-Partei, die den Sparmaßnahmen (und damit der darauf basierenden Schuldenhilfe der EU) kritisch gegenüber stand, ließen den DAX im Vorfeld kräftig sinken. Diesmal schwächelte der DAX noch 7 Handelstage. Dann spurtete er um +22,6% nach oben. Ende November notierte er 918 Zähler über dem September-Hoch.

Fazit

Für die Investoren wichtige Entscheidungs-Termine belasten die Börsen stets nur kurze Zeit und lösen sich danach – unabhängig vom Ausgang – stets in Wohlgefallen auf.

Die vorgelegten Charts belegen eindeutig:

Es lohnt sich für Sie als Investor nicht, dem Medien-Hype im Vorfeld einer Entscheidung zu folgen und aus Angst vor einem Ausgang, den Sie ohnehin weder beeinflussen, noch vorhersehen können, Aktien zu verkaufen.

Hier macht „Hin und her, Taschen leer“, da Sie nicht nur unnötige Transaktionskosten verursachen, sondern regelmäßig NICHT am Top verkaufen und am Boden wieder einkaufen.

5. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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