Immobilienaktienboom findet ohne Patrizia Immobilien statt

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Börsengänge und Fusionen sorgen für steigende Kurse bei deutschen Immobilienaktien. Was macht die Patrizia Immobilien AG falsch? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Holprig, aber schlussendlich erfolgreich ging vor wenigen Wochen der Börsengang der Deutschen Annington über die Bühne.

Nachdem die vorherigen Eigentümer den Ausgabepreis deutlich gesenkt und die neuen Aktien nur ausgesuchten Investoren angeboten hatten, konnte die Börsennotiz, die zuvor mangels Nachfrage auf Kleinanlegerseite absagen werden mussten, doch noch vollzogen werden.

Mit der erfolgreichen Platzierung holen die Alteigentümer sich die nun Mittel zurück, die sie seinerzeit in den Zusammenkauf der 180.000 Wohnungen des aktuellen Portfolios gesteckt hatten.

Ein wenig besser gelang es zu Jahresanfang der LEG Immobilien AG ihre Aktien am Markt zu platzieren.

Hier griffen vor allem englische und amerikanische Investoren zu und sicherten sich mit ihrem Aktienbesitz einen Anteil an den 91.000 Wohnungen, die das Unternehmen derzeit besitzt und verwaltet.

Wohnungsbauunternehmen streben nach Wachstum

In das Gerangel um den Titel des größten börsennotierten Wohnungsbauunternehmens ist dann vor einer Woche die Deutsche Wohnen AG mit ihrem Übernahmeangebot in Höhe von 1,8 Mrd. Euro für die GSW Immobilien AG eingestiegen.

Kommt die Fusion zustande, entsteht ein neuer starker Mitspieler im Markt mit 150.000 Wohnungen.

Größe ist alles, so scheinbar das neue Motto der Branche. Damit scheinen die Wohnungsbau-gesellschaften richtig zu liegen und den Nerv der Anleger zu treffen.

Die Kurse von LEG, Deutsche Annington und die der Fusionspartner Deutsche Wohnen-GSW konnten im Jahresverlauf teilweise deutlich zulegen und stehen im Mittelpunkt der Analysten-betrachtungen.

Mit dem Interesse an der Branche rücken dann auch Unternehmen in den Fokus der Investoren, die ebenfalls in der Wohnungsbewirtschaftung unterwegs sind.

Die österreichische Buwog AG zum Beispiel, die ihren Börsengang für den Herbst diesen Jahres vorbereitet und mit dem Erwerb von Wohnungspaketen in Berlin und Kassel bereits ihre Fühler nach Deutschland ausgestreckt hat.

Keine Kursrally bei der Patrizia immobilen AG in Sicht

Aber auch bereits börsennotierte Unternehmen werden beobachtet und kritisch beleuchtet. So wie die im SDAX notierte Patrizia Immobilien AG (WKN PAT1AG, Ticker P1Z).

An dem Immobilienunternehmen mit Sitz in Augsburg geht der Konsolidierungsboom in der Wohnungswirtschaft komplett vorbei, es hat sich in den vergangenen Jahren konsequent aus der Wohnungsbewirtschaftung verabschiedet und besitzt derzeit nur noch knapp 5.300 Wohnungen. Ein zu geringer Bestand, um das Interesse der großen Spieler im Markt zu wecken.

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Und auch die Anleger verschmähen die Aktien des Unternehmens. Zwar konnte die Konzernspitze jüngst über gute Halbjahreszahlen und die „vermutliche“ Erreichung der selbstgesteckten Jahresziele berichten, doch fehlt den Anlegern das Zutrauen in die Erreichung der gesteckten Umsatz- und Ertragszahlen. Auch die Ausschüttung der bisher gezahlten Dividende scheint fraglich.

Der Konzernumbau vom reinen Wohnungsunternehmen zum Initiator von Spezialfonds für Gewerbe- und Wohnimmobilien stockt, da helfen auch jüngste Erfolgsmeldungen über den Erwerb eines Einzelhandelsportfolios für 178 Mio. Euro nicht weiter.

Zumal die Absicht besteht, dieses wieder in einen Fond um zu verpacken und weiter zu veräußern.

In der aktuellen Immobilienwirtschaft ist Substanz statt Handel befragt, in Zeiten niedrigere Anlagezinsen sind Unternehmen, die über einen realen Besitz verfügen, angesagt und glänzen an der Börse mit entsprechenden Kurssteigerungen.

Und so wenden sich die Anleger von den Aktien der Patrizia Immobilen AG ab und lassen den Aktienkurs seit Ende Mai regelrecht abstürzen.

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Der Point&Figure-Chart diesen Jahres zeigt, vom bisherigen Jahreshoch bei 10,00 € ist der Kurs mittlerweile meilenweit entfernt. Knapp -34% betragen die Kursverluste, Tendenz weiter steigend.

Denn die mehrfachen Point&Figure-Verkaufssignale (rote Kreise) sprechen ebenso für weiter fallende Kurse wie die abwärts gerichtete Trendlinie (rot).

Das nächste Kursziel im Bereich der 5,00 €-Marke scheint ausgemachte Sache, findet der Wert hier keine Unterstützung, besteht die Gefahr des Abrutschens in Bereich um 3,30 €.

Mein Fazit: Bei allem Hype um Immobilienunternehmen in Zeiten niedriger Zinsen gilt es zu selektieren. Nicht jede Investition in Unternehmen, die im Firmenzusatz die Bezeichnung „Immobilien“ tragen, ist automatisch ein Selbstläufer.

Achten Sie bei Ihren Kaufentscheidungen auf die richtigen Informationen und Hintergrundberichte, folgen Sie nicht blind dem vermeintlichen Trend.

Schauen Sie vor Ihren Kaufentscheidungen auf den Point&Figure-Chart der Aktie, für die Sie sich interessieren oder lassen sich eine entsprechende Analyse erstellen. Schreiben Sie mir, wenn Sie hier Unterstützung benötigen.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.