Immobilienblase verschärft soziale Spaltung in Deutschland

Immobilien Kauf Makler – kurhan – shutterstock_88694731

Das wilde Treiben am deutschen Immobilienmarkt besorgt jetzt selbst die Vereinten Nationen. Die Kosten für Wohnen sind zum Armutsrisiko geworden. (Foto: kurhan / Shutterstock.com)

Seit Jahren beobachten wir ja das böse Treiben am deutschen Immobilienmarkt mit großer Skepsis. Fast schon gebetsmühlenartig haben wir insofern auf die gravierenden Risiken und Nebenwirkungen der Flucht ins Betongold hingewiesen. Angesichts der dramatischen Zuspitzung der Lage ist nun selbst die Weltgemeinschaft, die Vereinten Nationen, hellhörig geworden.

Erst kürzlich war zu lesen, dass der Uno-Ausschuss, der den völkerrechtlich verbindlichen Uno-Sozialpakt überwacht, sich „besorgt über die sehr hohen Mietpreise und Mietpreissteigerungen in der Bundesrepublik“ zeigt. Ferner wird in dem Bericht der akute Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Deutschland beklagt.

Wohnen als Armutsrisiko

Fakt ist, dass in den vergangenen zehn Jahren die Mieten insbesondere in den gefragten Boomstädten der Republik regelrecht nach oben geschossen sind. Für Mieter einer 60 bis 80 Quadratmeter-Wohnung in Suttgart oder München stieg die Nettokaltmiete in dem Zeitraum um die 50 Prozent an. Den Vogel schoss aber die Hauptstadt, Berlin, ab. Hier müssen Mieter fast 90 Prozent mehr für die gleiche Wohnung zahlen als im Jahr 2008. Kein Wunder, dass hier mittlerweile offen über die Enteignung von großen Wohnungsunternehmen diskutiert wird.

Die Kosten für das reine Wohnen sind für Millionen Menschen in Deutschland zum Armutsrisiko geworden, zumal im selben Zeitraum zwischen 2008 und 2018 die Durchschnittsbruttoverdienste nur bestenfalls um ein Viertel gestiegen sind. In den gefragten Städten der Republik können sich Polizisten, Lehrer, Pfleger, Bauarbeiter, Verkäuferinnen oder Büroangestellte oftmals die Viertel, in denen sie arbeiten, nicht mehr leisten.

Wohnkosten steigen immer weiter dramatisch an

Wir haben an der Stelle ja schon auf die Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2017 hingewiesen. Da kam ja raus, dass in den deutschen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern mehr als 40 Prozent der Haushalte mehr als ein Drittel des Haushaltsnettoeinkommens für das reine Wohnen aufbringen musste. Der Studie zufolge muss fast eine Million Haushalte mehr als die Hälfte des Monatseinkommens für die Miete verwenden; sage und schreibe 1,3 Millionen Haushalte haben nach Abzug der Ausgaben für das Wohnen weniger als den Hartz-Regelsatz zum Überleben übrig.

Ja, liebe Leser, die exorbitanten Steigerungsraten bei den Wohnkosten haben die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland noch weiter vergrößert. Gleichzeitig ist das Preisniveau in den teuren Ballungsräumen der Republik völlig überzogen. Seit geraumer Zeit warnt insofern ja selbst die Deutsche Bundesbank vor überbewerteten Preisen. Es ist daher dringend ratsam, dieses Wahnsinnstreiben von der Seitenlinie aus zu beobachten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Günter Hannich. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz