Immofinanz: Woche der Entscheidungen

In Österreichs Immobilien-Branche brodelt es. CA Immo und Immofinanz sind nicht nur verbal aneinander geraten – sondern haben auch juristische Schritte eingeleitet. Grund ist der geplante Einstieg von CA Immo mit Unterstützung des russischen Milliardärs Boris Mints bei dem kleineren Konkurrenten.

Immofinanz klagt, dass mit der Einstiegsabsicht CA Immos eine Stillhaltevereinbarung – also der gegenseitige Nicht-Einstieg – verletzt wurde. Zudem sei der gebotene Preis von 2,80 Euro je Aktie viel zu niedrig. Der Immofinanz-Chef Eduard Zehetner beziffert den fairen Wert des Unternehmens bei 4 Euro beginnend.

Zehetner geht dabei vom schuldenbereinigten Immobilienwert (NAV) der von ihm geführten Gesellschaft aus. In der Tat, bezogen auf diese Größe ist 2,80 Euro viel zu wenig. Selbst wenn der Wert des Russland-Portfolios mit 0 angesetzt wird, ist die Aktie rechnerisch noch mehr wert.

Der NAV ist jedoch nicht die einzige Größe, um den fairen Wert von Immobilien-Unternehmen zu bestimmen. Einige Analysten halten – anders als Zehetner – das derzeitige Kursniveau der Aktie für angemessen.

Immofinanz will CA Immo bei erfolgreichem Einstieg zum Übernahme-Angebot „zwingen“

Immofinanz will mit aller Macht den Einstieg der CA Immo zum angebotenen Preis verhindern und warnt vor einer Kontrollerlangung ohne übernahmerechtliche Angebotspflicht. Das könnte sich negativ auf die Handlungsfähigkeit des Unternehmens auswirken.

Sollte der Handlungsspielraum eingeschränkt sein, könnte das wiederum negativ für die Investoren sein.

Die Immofinanz erachtet den Vorstoß von CA Immo als so nachteilig, dass man sich mit allem was das österreichische Übernahme-Gesetz hergibt zu Wehr setzt. Der erste Schritt war Abschreckung mittels Pac Man-Strategie.

Bei der Pac-Man-Strategie – die vom Helden des gleichnamigen Computerspiels abgeleitet ist – wird der Jäger zum Gejagten. Es erfolgt ein Übernahme-Angebot an die Aktionäre des Unternehmens, das zuerst ein Angebot vorgelegt hat.

Immofinanz bot für einen fast doppelt so hohen Anteil an CA Immo 530 Mio. Euro. Die Maßnahme hat historisch betrachtet schon dazu geführt, dass der Bieter sich damit verscheuchen ließ – in diesem Fall zeigte sich CA Immo aber unbeeindruckt und blieb am Übernahme-Kandidaten dran.

Immofinanz versucht jetzt, auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Schlacht um das Unternehmen für sich zu entscheiden. Die Aktionäre werden aufgefordert, darüber abzustimmen, ob die Schwelle, bei der ein Übernahme-Angebot abgegeben werden muss, von 30% auf 15% abgesenkt werden muss.

Sollten sich die Anleger dazu entscheiden, müsste CA Immo bei Erfolg der Offerte ein Übernahme-Angebot abgeben.

Ende gut, alles gut? Machtkampf könnte mittelfristig in Fusion münden

Sie brauchen keinen langen Geduldsfaden, um das Ergebnis des Machtkampfs zu erfahren. Bereits am Mittwoch läuft das Teil-Angebot von CA Immo für die Immofinanz-Aktionäre aus. Aktuell notiert der Immofinanz-Aktienkurs bei 2,78 Euro – also leicht unter dem Angebotspreis.

Am Freitag erfolgt dann die außerordentliche Hauptversammlung. Damit CA Immo die angedienten Anteile nicht für sich einsetzen kann, versucht der Immofinanz-Chef den Einsatz der damit verbundenen Stimmrechte per einstweilige Verfügung zu verhindern.

Schon in den kommenden Tagen wird es also Neuigkeiten geben, die den Aktienkurs auch beeinflussen werden. Kurzfristig kann es also durchaus noch einmal holprig werden für Investoren.

Was beruhigend ist, ist die Tatsache, dass der Abschlag auf den NAV im Branchenvergleich sehr groß ist. Mittelfristig ergeben sich also durchaus attraktive Chancen. Zudem haben vorherige Übernahmen oft genug gezeigt, dass am Ende eines Machtkampfes häufig eine freundliche Übernahme bzw. Fusion stand.

13. April 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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