Impfstoff verzweifelt gesucht: Pharmafirmen profitieren

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Durchbrüche und Rückschläge ist die Pharmaindustrie gewohnt. Nun aber sind alle Augen auf die Forscher gerichtet. (Foto: chrisdorney / shutterstock.com)

Alle Welt wartet gebannt auf den Durchbruch der Forscher: Wann wird es einen Impfstoff oder zumindest eine wirksame Therapie gegen das Coronavirus geben?

Entsprechende Medikamente gelten als Voraussetzung für die Rückkehr zum normalen Alltag. Mit ihrer Hilfe könnte das Infektionsgeschehen kontrolliert und eingedämmt werden, Krankheitsverläufe abgemildert, Leben gerettet und das Gesundheitssystem entlastet werden.

Biontech – über Nacht weltbekannt

Hoffnungsvoll reagierten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf die Meldungen der vergangenen Wochen in diesem Bereich: Ein Malariamedikament wurde an Covid-19-Patienten getestet, erwies sich allerdings als wirkungslos. Mehrere Firmen, darunter die deutschen Forscher von Biontech, bekamen grünes Licht für die Entwicklung und Testung von möglichen Impfstoffen.

Quasi über Nacht wurde das Mainzer Unternehmen weltbekannt, der Aktienkurs schoss im März in ungeahnte Höhen – ein vorübergehender Effekt, so schnell verpufft, wie er gekommen war. Dennoch behauptet sich das Papier seither auf stabil höherem Niveau als zuvor und notierte zuletzt um die 45 Euro je Aktie – wer vor einem Jahr hier investiert hat, konnte seinen Einsatz seither um satte 250 Prozent steigern, was maßgeblich, aber nicht ausschließlich auf den Corona-Effekt zurückzuführen ist.

Gilead Aktie: Mit Remdesivir zum Erfolg?

Nicht nur bislang wenig bekannte Nischenunternehmen bringen sich aktuell in Sachen Wirkstoffforschung gegen Covid-19 ein. Auch der US-Pharmariese Gilead steht seit einigen Wochen im Fokus der Öffentlichkeit. Sein Medikament Remdesivir – bislang noch nicht als Arzneimittel zugelassen, sondern noch in der Forschungsphase – scheint Erfolge im Zusammenhang mit der Behandlung von Corona-Infizierten zu zeigen. Eigentlich wurde Remdesivir zum Einsatz gegen Marburgviren und Ebola entwickelt.

Der Überraschungserfolg gegen Covid-19 dürfte das Zulassungsverfahren nun erheblich beschleunigen, die Testreihen wurden ausgeweitet. Das geht auch am Aktienkurs von Gilead nicht spurlos vorbei: Bereits seit Anfang Februar verzeichnet das Papier einen deutlichen Aufwärtstrend, wenngleich auf hohe Zugewinne meist kurzfristige Rückschläge folgen. Dennoch hat sich die Aktie seither von unter 60 auf zeitweise über 75 Euro verteuert.

Riskante Lockerungstendenzen

Wenn es gelingt, ein wirkungsvolles Medikament gegen das neuartige Coronavirus zur Marktzulassung zu bringen, wäre das ein durchschlagender Erfolg. Die weltweite Nachfrage ist riesig. Doch Experten warnen bereits vor allzu großer Euphorie: Bis es tatsächlich soweit ist, dass ein Impfstoff zugelassen und großflächig verfügbar ist, dürfte es noch bis weit ins kommende Jahr hinein dauern.

Dennoch begibt sich die Politik schon jetzt auf Lockerungskurs: Nach und nach kippen die beschränkenden Maßnahmen, die seit März im Zuge der Pandemiebekämpfung massiv in die Grundrechte der Bürger eingegriffen haben. Noch weiß niemand, wie sich die nun beschlossenen Lockerungen auswirken werden, ob also das Schlimmste bereits überstanden ist oder noch vor uns liegt, inklusive erneuter Beschränkungen.

Lange hat die Welt nicht mehr so sehnsüchtig und einmütig auf einen Wirkstoff gewartet wie auf ein Medikament gegen Covid-19.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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