Impfstoffe beflügeln Luftfahrt-Aktien

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Die Luftfahrtindustrie steckt in der größten Krise aller Zeiten. Der weltweite Start der Corona-Impfungen gibt der Branche Hoffnung. (Foto: vaalaa / Shutterstock.com)

Mit der Corona-Krise erlebt die Luftfahrtindustrie die größte Herausforderung, die sie jemals erlebt hat. Die amerikanische Transportation Security Administration (TSA) meldet weiterhin geringe Passagieraufkommen an Flughäfen. Im Vergleich zum Vorjahr befand sich die Auslastung im Dezember noch zwischen 20 und 30%. Durch die andauernde geringe Auslastung haben viele Luftfahrtgesellschaften ihre Flotte verkleinert, Bestellungen neuer Flugzeuge storniert und Verluste mit hohen Krediten auffangen müssen.

Flugzeugbauer wie Boeing und Airbus verzeichneten erheblichen Rückgang bei den Auftragseingängen und eine Vielzahl an Stornierungen und geplatzten Auslieferungen. Beide Unternehmen mussten Kredite aufnehmen und die Mitarbeiterzahl drastisch reduzieren. Auch wenn die ersten Impfstoffe bereits verabreicht wurden, werden die Unternehmen jahrelang an den Folgen zu kämpfen haben.

Trotzdem sind seit den ersten Meldungen über positive Ergebnisse der Impfstoffe von Pfizer die Aktien der Flugzeugbauer und -Zulieferer mit Ausnahme von Lockheed Martin um 30% und mehr gestiegen. Die Zulieferer sind teilweise mit einem blauen Auge davongekommen.

MTU Aero Engines konnte den starken Rückgang im Bereich der kommerziellen Luftfahrt teilweise durch Verkäufe in der Sparte Instandhaltung abfedern. Auch die Diversifizierung in den Verteidigungsbereich half nicht nur MTU, sondern auch Raytheon Technologies dabei, kein Katastrophenjahr zu erleben. Am wenigsten betroffen war Lockheed Martin. Durch die reine Fokussierung auf Militär und Verteidigung konnte das Unternehmen trotz Corona-Krise Umsatz und Gewinn steigern.

Wiederauferstehung der 737 MAX

Boeing kann etwas aufatmen. Nach zwei Abstürzen im März 2019 wurde dem Flugzeug des Typs 737 MAX durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA ein Flugverbot auferlegt. Hauptursache war ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm. Bei den beiden Abstürzen kamen 346 Menschen ums Leben. Am 18. November wurde das Flugverbot nach anderthalb Jahren zahlloser Tests und Überarbeitungen wieder aufgehoben. Bereits am 9. Dezember nahm die brasilianische Fluggesellschaft Gol als Erste wieder den Betrieb einer 737 MAX auf.

Nach der Aufhebung des Flugverbotes meldete sich CEO Michael O’Leary von Ryanair zu Wort. Er gilt als großer Verfechter der 737-Serie, dessen geringe Unterhaltskosten ein wichtiger Bestandteil seines Erfolgsrezeptes zur günstigsten Airline ist. Er ist sich sicher, dass das Vertrauen der Passagiere in die 737 MAX blitzschnell zurückkommen wird und hat dies mit einer Bestellung von 75 weiteren Flugzeugen im Wert von 7 Mrd. $ unterstrichen. 135 Flugzeuge waren zu diesem Zeitpunkt bereits bestellt. Insgesamt plant Ryanair 210 neue Flugzeuge in die Flotte zu integrieren.

Auf Boeing wartet eine Menge Arbeit. Neben den Kosten für Gerichtsverfahren und Regressansprüche müssen 450 Flugzeuge, deren Auslieferung verzögert wurde, überarbeitet werden und weitere 387, die seit dem Flugverbot in den Hangars von Fluggesellschaften auf ihren Einsatz warten. Pro Flugzeug rechnet Boeing dabei mit mehr als 1.000 Arbeitsstunden.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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